Interview mit Matthias Hoppe „Keine Kaufkurse bei Aktien nach Brexit-Votum“

Matthias Hoppe, Manager der Franklin Diversified Fonds, ist mit seinen Fonds gut durch die Brexit-Turbulenzen gekommen.

Matthias Hoppe, Manager der Franklin Diversified Fonds, ist mit seinen Fonds gut durch die Brexit-Turbulenzen gekommen.

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Werfen wir einen Blick zurück aufs erste Halbjahr. Wie ist es für die Franklin-Diversified-Strategien gelaufen?

Matthias Hoppe: Wir waren das ganze erste Halbjahr sehr defensiv aufgestellt, was sich in einer niedrigen Quote der Aktien beziehungsweise der Wachstumsstrategien in den Portfolios niedergeschlagen hat. Wir haben ein niedriges Wirtschaftswachstum und niedrige Inflation erwartet und rechnen auch für die kommenden Monate damit. Nichtsdestotrotz ist der starke Kursrückgang zu Anfang des Jahres auch an uns nicht spurlos vorbeigegangen.

Was hat die Performance im ersten Halbjahr gestärkt?

Hoppe: Wir haben kurzfristig opportunistisch in den Emerging Marktes investiert, obwohl wir für diese Länder eher vorsichtig gestimmt sind. Wir beobachten kritisch das schwache Wachstum in China und die damit zusammenhängenden Probleme für die rohstoffexportierenden Länder, die durch den starken Dollar noch verschärft werden. Dennoch fanden wir, dass der Markt beim Abverkauf wieder einmal übertrieben hatte und der Einstieg in die Emerging Markets sehr günstig war. Ende März haben wir die Positionen dann allerdings wieder abgebaut. Außerdem haben wir Ende Januar nach langer Pause Gold ins Portfolio genommen. Die Realzinsen sind in den USA und anderen Ländern weiterhin negativ, die Opportunitätskosten für Gold sind daher sehr niedrig. Wir haben es als Absicherung gegen weitere Turbulenzen gekauft, und es ist bislang gut gelaufen.

Gab es auch weniger gute Entscheidungen?

Hoppe: Wir waren sehr vorsichtig gegenüber US-Aktien. Das hat nicht so gut funktioniert. Der US-Markt ist letztlich besser gelaufen als andere Aktienmärkte, in denen das Gewinnwachstum deutlich besser ist. Aber in unsicheren Phasen scheinen derzeit US-Aktien und US-Anleihen die risikoärmeren Optionen zu sein.

Mit Ihrer defensiven Positionierung waren Sie auf das britische EU-Referendum gut vorbereitet. Hatten Sie noch spezielle Vorkehrungen getroffen?

Hoppe: Wir haben unsere defensive Positionierung etwa zwei Wochen vor dem EU-Referendum nochmals verstärkt. Wir haben risikoreichere Positionen abgebaut und defensive Anlagen hinzugenommen. Zum Beispiel haben wir unser ohnehin geringes Engagement in britischen Aktien und der britischen Währung abgesichert. Die Duration von US-Staatsanleihen haben wir hingegen erhöht. Put-Optionen auf den amerikanischen S&P 500 sowie Investitionen in Gold und Volatilität waren bereits in den Portfolios. Hätten die Briten mehrheitlich für einen Verbleib in der EU gestimmt, hätten wir an einer potenziellen Kursrally nicht voll partizipiert. Die Absicherung nach unten war uns allerdings deutlich wichtiger.

Es war dann ja auch die richtige Entscheidung.

Hoppe: Ja, am 24. Juni, am Tag nach dem Referendum, als das Ergebnis feststand, wurde es an einigen Märkten turbulent. Investoren flüchteten in die sicheren Häfen Gold und langfristige US-Staatsanleihen und trieben hier die Kurse an. Die Volatilität sprang nach oben und unsere Aktien-Hedges wurden aktiviert. Das alles hat zur Performance der Franklin Diversified Portfolios beigetragen und hat zu einer Outperformance gegenüber der jeweiligen Peer-Group der Fonds an dem Tag geführt.

Und dann? Viele Ihrer Kollegen sahen attraktive Kaufkurse durch die Turbulenzen.

Hoppe: Wir sehen auch nach dem Brexit-Votum keine Kaufkurse an den Aktienmärkten. Fundamental hat sich schließlich nichts geändert. Die Bewertungen an Märkten wie dem US-Aktienmarkt sind weiterhin nicht günstig, und auch die Aussichten auf Gewinnwachstum sind nicht gestiegen. Im Gegenteil, durch das Brexit-Votum haben wir in den nächsten Monaten eher einen weiteren Unsicherheitsfaktor, der zu höherer Volatilität führen wird. Unsere Absicherungen auf britische Aktien haben wir nach dem starken Kursrückgang langsam aufgelöst. Der britische FTSE 250 ist am 24. Juni zwar stark gefallen, der FTSE 100, auf dem wir die Absicherungen hatte, auch etwas, aber weniger als der EuroStoxx 50. Der FTSE 100 enthält vor allem die großen internationalen Unternehmen, die im Schnitt nur 28 Prozent ihres Umsatzes in Großbritannien machen. Beim FTSE 250 liegt diese Quote bei 58 Prozent. Wir bleiben insgesamt defensiv aufgestellt.

Bleibt der Brexit das bestimmende Thema am Markt?

Hoppe: Nein, sicherlich nicht. Es gibt noch genügend andere Themen, die dieses Jahr die Märkte beschäftigen werden, zum Beispiel der US-Zinsentscheid und die US-Wahlen. Einfluss auf die Märkte haben auch immer wieder das im Vergleich zur eigenen Historie schwache Wachstum in China und die damit verbundene Währungsentwicklung. Handelsgewichtet wertet der Renminbi kontinuierlich ab, das beeinflusst auch andere Märkte. Ich rechne aber damit, dass Brexit dann wieder aufflackert, wenn die Briten offiziell den Austritt aus der EU einreichen.

Wo sehen Sie Chancen?

Hoppe: Zum Beispiel bei asiatischen Aktien – trotz der Situation in China. Für die asiatischen Exporteure ist der britische Markt irrelevant. Zwar haben durch das günstige Pfund britische Exporteure Vorteile, ihre Güter überschneiden sich aber kaum mit denen der asiatischen Exporteure, so dass hier keine Wettbewerbsgefahr besteht. Zudem erhöhen wir leicht unsere Allokation in Euro-Unternehmensanleihen. Allerdings sind hier die Renditen nicht mehr sonderlich attraktiv, aber die Nachfrage bleibt hoch - nicht zuletzt durch das Kaufprogramm der Europäischen Zentralbank. Insgesamt rechnen wir mit steigender Volatilität im Laufe des Jahres und bleiben defensiv positioniert.