Investmentexperte Georg Oehm Vorsicht, Rezession droht

Befürchtet einen Konjunktureinbruch: Mellinckrodt-Investmentexperte Georg Oehm | © Mellinckrodt

Befürchtet einen Konjunktureinbruch: Mellinckrodt-Investmentexperte Georg Oehm Foto: Mellinckrodt

1. IWF: „Nur neun von 212 Rezessionen wurden richtig vorhergesagt“

Auch wenn Sie es nicht glauben – die Wahrscheinlichkeit, dass die vielen hoch bezahlten Volkswirte die nächste Rezession richtig vorhersagen liegt unter 10 Prozent. Diese Aussage haben die Journalisten der Finanz und Wirtschaft aus der Schweiz nicht selbst ermittelt: es handelt sich um ein Eingeständnis des Internationalen Währungsfonds.

Grafik: Anzahl der vorhergesagten Rezessionen in entwickelten Ländern (Advanced Economies AE) und in Emerging Markets (EMDE)

2. Hinweise aus dem Maschinenraum

Der Maschinenraum der Wirtschaft ist nicht die Analyseabteilung eines Finanzunternehmens, sondern der Vertrieb in Unternehmen, die etwas zu verkaufen haben. Was wir da im Moment so hören, stimmt uns nicht gerade zuversichtlich. Wir sind noch in keiner Weise dort, wo die Wirtschaft 2008 war (zum Beispiel negative Auftragseingänge bei LKW-Herstellern), aber die Kursentwicklung beim Chiphersteller Micron, dessen Kursgewinnverhältnis jetzt bereits bei Drei liegt, zeigt ja, dass die Marktteilnehmer die aktuell im Markt befindlichen Ergebnisprognosen nicht glauben. Semiconductor sind zyklisch und haben den Charakter eines Frühindikators. Da passt auch ins Bild, dass der Halbleiter-Zulieferer VAT aus der Schweiz Anfang Oktober bereits Kurzarbeit angekündigt hat.

3. Bewertung verändert sich durch steigende Zinsen

Bewertungsguru Aswath Damodaran sagte es auf CNBC: Die Bewertung von Netflix ist zu hoch. Er bezweifelt, dass das auf einer Kombination von teuerer Filmproduktion und permanenter Neukreditaufnahme basierende Geschäftsmodell dauerhaft funktioniert.

Als besonders gefährdet unter Bewertungsgesichtspunkten sieht er Wachstumsaktien (meist Tech), die nicht nur hoch bewertet sind, sondern auch noch eine hohe Verschuldung aufweisen.

Interessant auch, dass Damodaran bei der Bewertung von Unternehmen explizit auch das Alter heranzieht. Je älter die Tech-Unternehmen seien, desto stabiler und fairer bewertet seien diese derzeit. Ein 25 Jahre altes Tech-Unternehmen sei etwa so einzuschätzen, wie ein 100 Jahre alter Maschinenabauer. Wie gut, dass das Alter der Unternehmen in unserem Portfolio im Durchschnitt bei über 90 Jahren liegt…

4. Vola, Gamma, GAM und Robo-sonstwas

Dass im Februar 2018 einige Vola-Fonds mit Milliardenvolumen innerhalb von Stunden in die Knie gingen, war ja auch für Nicht-Mathematiker noch verständlich.

Den starken Kursrückgang von Anfang Oktober erklärte Marko Kolanovic, Global Head JP Morgan Chase Derivatives (CNBC: „The man who moves markets“) damit, dass einige Gamma-Fonds Aktien verkauft hätten. Volumen von über 80 Mrd. Dollar wurden genannt.