James Swanson von MFS Investment Management

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Konjunktur: Halbzeit in Amerika

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Es heißt, der Seitenwechsel zur Halbzeit eines Fußballspiels sei in den englischen Public Schools erfunden worden. Schließlich sei es unfair, wenn ein Team 90 Minuten lang von der Sonne geblendet wird oder mit Gegenwind kämpfen muss.

Etwas anderes ist die Halbzeit des Konjunkturzyklus. Hier geht es um wesentlich mehr als nur ein Spiel: Nach der ersten Hälfte des Konjunkturzyklus verändern sich die Triebkräfte. Erst treibt die Industrie das Wachstum voran. Doch dann findet ein Wechsel statt und der Wohnimmobiliensektor übernimmt die Führung. Den Banken geht es jetzt gut, weil die Kreditvergabe zunimmt und die Zinsen steigen.

Ben Bernanke als Schiri

Aber dieses Mal ist alles anders, denn auf dem Platz steht ein ganz besonderer Schiedsrichter: die US-Notenbank Federal Reserve, kurz Fed. Die amerikanische Notenbank hat die Spielregeln für alle geändert, die von Marktbeobachtungen leben: Sie hat nämlich den Konjunkturzyklus verlängert.

Wiederholt erklärte der Vorsitzende der US-Notenbank, Ben Bernanke, dass er bis zum Ende seiner Amtszeit im Dezember 2013 die Zinsen nicht mehr anheben will und keine Geldmengenverknappung plant. Seine voraussichtliche Nachfolgerin Janet Yellen scheint es ähnlich zu sehen.

Wie geht es mit der Konjunktur weiter?

Schon oft habe ich gesagt, dass ich keine Anzeichen für eine nahende Rezession sehe: Die Fed hebt die Zinsen nicht an. Die Gewinnmargen der Unternehmen gehen noch nicht wieder zurück. Und es ist auch keine Blase in Sicht.

Normalerweise steigt vor einer Rezession die Kreditvergabe, so dass die Verschuldung der Unternehmen zunimmt. Im Jahr 2000 lag das Verhältnis von Fremd- zu Eigenkapital bei 37 zu 1. Im Oktober 2007 lag es bei 32 zu 1 und heute gerade einmal bei 23 zu 1. Noch ist die Kreditvergabe nicht signifikant gestiegen.

Ich glaube, dass sich nach dem Wohnimmobiliensektor jetzt auch die Chemie- und Textilindustrie erholen werden. Es werden wieder mehr Hypothekenkredite und Kreditkarten beantragt. Die Kapazitätsauslastung wird ebenso steigen wie die Löhne. Und höhere Löhne führen zu mehr Konsum, aber auch zu einer höheren Inflation. Tatsächlich könnten die Verbraucherpreise Ende 2013 wieder stärker zulegen.

Luft nach oben am Aktienmarkt

Kommen wir zum Aktienmarkt. Im historischen Durchschnitt sind die Kurse um etwa 150 Prozent gestiegen, bevor sie wieder zurückgingen. Bislang haben die Aktienkurse erst 130 Prozent zugelegt. Es gibt also noch Luft nach oben.

Und wie ich schon gesagt habe: Noch spiegeln die Kurse die verbesserten Fundamentaldaten nicht vollständig wider. In der zweiten Hälfte des Konjunkturzyklus sollten wir deshalb Unternehmensgewinne und Margen im Blick behalten. Beide werden im vierten Quartal leicht schwanken. In der kommenden Woche beginnt die Berichtssaison. Ich werde dann sorgfältig darauf achten, welche Hinweise sie für die weitere Entwicklung des S&P 500 liefert.

Meiner Ansicht nach müssten die Gewinne noch deutlich stärker steigen, bevor die Märkte erneut zulegen. Damit der S&P 500 sein hohes Niveau halten kann und die Bewertungen nicht nachgeben, müssen die Gewinne stärker wachsen. Die Analysten erwarten für das erste Quartal 2013 einen Anstieg der operativen Ergebnisse um 5,2 Prozent und der Bilanzgewinne um 8,6 Prozent - jeweils verglichen mit dem Vorjahr.

Diese Erwartungen sind recht ambitioniert. Schließlich sind die Gewinne seit über zwölf Monaten nicht mehr so stark gestiegen. Für mich ist interessant, welcher Anteil des Bruttoinlandprodukts auf die Gewinne nicht börsennotierter Unternehmen entfällt, die oft schon ein Jahr vor einer Rezession zurückgehen. Bis jetzt sieht aber alles danach aus, als würde der Anteil der Gewinne nicht börsennotierter Unternehmen stabil bleiben anstatt zu fallen.  

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