Rentenmarkt 2013: Notenbanken geben noch mehr Gas

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Die Chefs der führenden Notenbanken setzen seit geraumer Zeit auf sinkende Zinsen. Hierbei schraubten sie nicht nur die Renditen am sogenannten kurzen Ende erfolgreich in die Nähe der Nulllinie. Auch die Langfristrenditen gingen auf Talfahrt, weil dies die Geldhüter provozierten.

Sinkende Zinsen aber bedeuten steigende Rentenkurse. Wer an die Marktmacht der Zentralbanken glaubte und auf diesen Trend setzte, konnte im vergangenen Jahr mit konservativen Rentenanlagen prozentual zweistellige Wertzuwächse erzielen. Zwar kam es wegen der Eurokrise auch zu Rückschlägen. Bedrängte Staaten wie Spanien oder Italien können heute aber wieder Fremdkapital zu einigermaßen erträglichen Konditionen aufnehmen.

2013 keine Zinswende in Sicht

In Volkswirtschaften mit höchster Bonität wie z. B. Deutschland rutschten die Realzinsen sogar in negatives Terrain. Seit geraumer Zeit wird darüber spekuliert, wann die Europäische Zentralbank und die US-Notenbank hier das Ruder herumreißen. Doch die Zinswende, sie kommt einfach nicht, weil sie offensichtlich unerwünscht ist. Die internationalen Rentenmärkte dürften bis auf Weiteres von der ultralockeren Geldpolitik geprägt bleiben.

Manche Staaten forcieren diesen Kurs sogar noch. Ihr wesentliches Ziel ist es, die öffentlichen Haushalte zu entlasten und die Konjunktur zu stützen. Wie weit man dabei gehen kann, zeigt das hochverschuldete Japan. Der neue Notenbankgouverneur Haruhiko Kuroda kündigte jetzt an, bis Ende 2014 massiv Staatsanleihen zu erwerben und die Menge des insgesamt umlaufenden Geldes glatt zu verdoppeln. Sogar die Teuerung soll bewusst angeschoben werden, bis sie zwei Prozent erreicht.

Japan kämpft allerdings seit vielen Jahren mit sinkenden Preisen, es herrscht Deflation. In Tokio streitet man auch nicht ab, den Yen schwächen zu wollen. Dass dieser Vorstoß in einen Abwertungswettlauf mündet, glauben Rentenfondsexperten indessen nicht. „Andere Staaten haben sich von dieser Vorgehensweise distanziert“, erläutert Stefan Höhne, Produktspezialist bei AmpegaGerling (hier geht’s zum Interview).

Ansteigende Teuerungsraten sind auch im Euroraum nicht zu erkennen. 2013 könnte die Inflation bei 1,7 Prozent verharren. Damit bliebe sie unterhalb der tolerierten Grenze von zwei Prozent. Die Rezession in zahlreichen Euro-Staaten verhindert, dass Löhne und Verbraucherpreise stärker zulegen.

Die vielgescholtene expansive Geldpolitik führt also nicht zwangsläufig zu unkontrollierter Geldentwertung. Die Notenbanken dürften ihre expansive Strategie auch beibehalten, insbesondere weil sie den entwickelten Volkswirtschaften nützt. Europa und die USA wachsen kaum, haben aber hohe Verbindlichkeiten angehäuft. Nun müssen sich die Staaten gesund sparen.

Dieser Prozess dauert Jahre und darf nicht durch hohe Zinsaufwendungen konterkariert werden. Die Zentralbanken setzen daher auf das Heilmittel „finanziellen Repression“. Damit ist die Strategie gemeint, die eigenen Schulden Schritt für Schritt über negative Realzinsen abzubauen.

Die Methode ist erprobt: Nach dem zweiten Weltkrieg waren die Staatsschulden der führenden Industrienationen bis auf 140 Prozent der Wirtschaftsleistung angewachsen. 20 Jahre darauf hatten sie sich laut Internationalem Währungsfonds IWF bereits wieder auf gut 40 Prozent des Bruttoinlandsproduktes reduziert. Vor allem die USA entledigten sich auf diese Weise ihrer größten Verbindlichkeiten.

Die Konsequenzen für Anleger

Wegen der hohen Staatsschulden könnte auch die derzeitige Tiefzinsphase länger anhalten als vielfach erwartet wird. Für sicherheitsorientierte Rentenanleger ist dieses Szenario nicht einmal ungünstig. Zwar lassen die etablierten Anleihemärkte nur noch moderate Kurszuwächse erwarten. Die laufenden jährlichen Zinseinkünfte können jedoch vergleichsweise sicher vereinnahmt werden. Denn ein schneller Renditeanstieg oder gar eine lostrabende Inflation sollten weiterhin auf sich warten lassen.

Das Niedrigzinsumfeld fordert die Investoren allerdings zum kreativen Handeln auf. Rentenfondsmanager müssen sich der Herausforderung stellen, lukrative Segmente und Einzeltitel zu selektieren. Außerdem erwarten die Zinssparer stabile Erträge. Schwankungen, wie sie die Aktienmärkte kennen, sind für diese Anlegergruppe tabu.

Mit einer breiten Streuung des Portfolios lassen sich diese Ziele erreichen. Schließlich handelt es sich beim Rentenmarkt um den größten Kapitalmarkt der Welt. Mit rund 125.000 Mrd. Euro liegt sein Volumen etwa drei Mal so hoch wie der Marktwert aller börsennotierten Aktiengesellschaften. Täglich kommen neue Papiere hinzu.

Vor allem Unternehmen refinanzieren sich jetzt verstärkt über den Kapitalmarkt. So wurden im ersten Quartal 2013 Firmenbonds im Volumen von 80 Mrd. Euro begeben. Darunter befanden sich unter anderem auch Zinstitel der deutschen Konzerne Daimler, Evonik und Hochtief. Neuemissionen wie diese stellen sicher, dass Rentenfondsanleger auch zukünftig stabile Erträge erzielen können, ohne sich überdurchschnittlichen Wertschwankungen auszusetzen.

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