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Marktausblick Das Comeback der „Fragile Five“

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Insgesamt haben sich die Aussichten für die Schwellenländer also in den letzten Monaten sukzessive verbessert: Einkaufsmanagerindizes oberhalb der 50-Punkte-Marke und das Schließen der seit mehreren Jahren zu beobachtenden Lücke zu den Industrieländern sprechen für weitere Mittelzuflüsse (vgl. Grafik 1).

Hohe Realrenditen bei rückläufiger Inflation

Der Anstieg des Ölpreises seit seinem Tiefpunkt zum Jahreswechsel bei unter $30 auf mittlerweile wieder $45 hat außerdem zu einer deutlichen Aufwertung der „Rohstoff-Währungen“ wie des Brasilianischen Real (+18%) oder russischen Rubel (+10%) gegenüber dem US-Dollar geführt, wobei freilich erst ein kleiner Teil des seit 2014 zu beobachtenden Kursverfalls wieder aufgeholt wurde. Die Währungsentwicklung der letzten Monate hat außerdem für einen spürbaren Rückgang der Inflationsrate gesorgt (in Brasilien von 11% auf 9% und in Russland sogar von 14% auf 7%). Die Notenbanken gewinnen dadurch einen größeren Spielraum für Zinssenkungen. Die russische Notenbank hat den Leitzins bereits im Juni und September um jeweils 0,5% gesenkt. Die brasilianische Notenbank wird nach der Stabilisierung der innenpolitischen Verhältnisse und den „vertrauensbildenden Maßnahmen“ der neuen Regierung im Hinblick auf die Staatsfinanzen vermutlich in den nächsten Wochen nachziehen.

Generell sind die Realrenditen in den Schwellenländern sowohl am kurzen wie am langen Ende gerade im Vergleich zu den Industrieländern (wo sie vielfach negativ sind!) sehr hoch. Am kurzen Ende ragen erneut Brasilien und Russland mit +5% bzw.+3% heraus, aber auch  am langen Ende liegen die Realrenditen von Schwellenländeranleihen im Durchschnitt um mehr als 3% über dem Niveau der 10-jährigen US-Staatsanleihen und damit in der Nähe ihres Hochs der letzten 15 Jahre.

Die attraktive Realverzinsung hat bereits so manchen Investor angelockt.  Wir erwarten, dass der Zustrom ausländischen Kapitals weiter anhalten und sich auch auf das bislang vernachlässigte Segment der „Local Currency Bonds“ erstrecken wird. Denn trotz der jüngsten Rally sind die Währungen von Mexiko, Russland, Südafrika oder Brasilien im Vergleich zu ihrem 10-Jahres-Durchschnitt immer noch unterbewertet (vgl. Grafik 2).

Rally des US-Dollars legt Pause ein

Die Attraktivität einiger Schwellenländerwährungen hängt nicht zuletzt an der weiteren Entwicklung des US-Dollars.  Nachdem die meisten Prognosen zu Jahresbeginn noch in Richtung eines deutlich festeren US-Dollars gingen, ist das Bild inzwischen gemischter: Die FED wird bei weitem die Zinsen nicht so aggressiv anheben wie noch vor Monaten gedacht, die US-Konjunktur schwächelt bereits wieder und die politische Unsicherheit im Vorfeld der Präsidentschaftswahl im November sorgt für Zurückhaltung bei Unternehmen und Investoren.

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