Marktausblick von Syz „Der jüngste Abverkauf war eine gesunde Korrektur“

Fabrizio Quirighetti, Anlagechef und Leiter Multi-Asset, Adrien Pichoud, Chefökonom und Portfoliomanager, und Maurice Harari, Leitender Portfoliomanager bei SYZ Asset Management: „Wir möchten nach wie vor Aktienrisiken in unseren Portfolios halten.” | © Syz Asset Management

Fabrizio Quirighetti, Anlagechef und Leiter Multi-Asset, Adrien Pichoud, Chefökonom und Portfoliomanager, und Maurice Harari, Leitender Portfoliomanager bei SYZ Asset Management: „Wir möchten nach wie vor Aktienrisiken in unseren Portfolios halten.” Foto: Syz Asset Management

In Bezug auf Angst und Schrecken konnte Halloween den Anlegern in diesem Jahr einiges bieten. Sie haben einen der beängstigenden Monate hinter sich, in dem Gestalten wie Donald Trump, Jerome Powell und Matteo Salvini sie das Fürchten lehrten.

Die Rückkehr der „sicheren Renditen“

Trotz der legitimen Befürchtungen über China oder den Höhepunkt der Gewinne bestand der eigentliche Auslöser der Marktkorrektur im Oktober in der plötzlichen Rückkehr der Möglichkeit, Renditen auch abseits von risikobehafteten Märkten zu erzielen. Nach einem Jahrzehnt der finanziellen Repression gibt es nun Alternativen: Zum ersten Mal seit der großen Finanzkrise sind die Renditen von US-Treasuries höher als die Inflationsrate. US-Anleger müssen keine zusätzlichen – und möglicherweise unerwünschten – Risiken mehr eingehen, um die Kaufkraft ihrer Ersparnisse zu erhalten.

Wäre der jüngste Rückgang der Aktienmärkte hauptsächlich durch Rezessionsängste ausgelöst worden, hätten die üblichen sicheren Häfen wie langfristige US-Treasuries oder der Schweizer Franken im letzten Monat zugelegt. Dies war jedoch nicht der Fall. Die Rückkehr der Renditen, die von der US-Notenbank (Fed) und Jerome Powell bei der Sitzung des Offenmarktausschusses im September signalisiert wurde, wirkt wie ein starker Magnet, der Mittel aus Anlagen abzieht, die keine ausreichende Kompensation im Vergleich zu einem einfachen Festgeldkonto bieten.

Dies könnte als letzte Etappe der geldpolitischen Normalisierung in den USA angesehen werden - vorausgesetzt, die Fed wird nicht durch einen übermäßigen Inflationsdruck zu einer noch restriktiveren Geldpolitik gezwungen. Damit rechnen wir allerdings nicht. Der lange, allmähliche und ziemlich hektische Prozess der Normalisierung begann vor über fünf Jahren mit Ben Bernanke und dem Taper Tantrum. Seither haben sich die Bewertungen vieler Anlagen mehr oder weniger angepasst: Gold, Schwellenländeranlagen – die sich analog zu den US-Zinserhöhungserwartungen bewegten – und sogar einige Bereiche der Aktienmärkte, etwa die US-Small-Caps oder der Technologiesektor. Diese hatten bis vor kurzem dem Gravitationsgesetz der Barrenditen getrotzt.

Der Oktober-Kursrückgang war eine gesunde Korrektur

Somit könnte der jüngste Abverkauf an den Aktienmärkten durchaus als gesunde Korrektur angesehen werden, die das Gleichgewicht wiederherstellte. Vor diesem Hintergrund möchten wir nach wie vor Aktienrisiken in unseren Portfolios halten. Denn: Die Bewertungen haben sich inzwischen verbessert, die Wachstumsaussichten sind immer noch günstig und die Inflation stellt keine echte Gefahr dar.

Aufgrund des asymmetrischen Verhältnisses zwischen den potenziellen Gewinnen und Verlusten haben wir jedoch nach wie vor eine Abneigung gegen Duration und insbesondere gegen Kreditrisiken. Um es ganz unverblümt auszudrücken: Nachdem die Fed jetzt versucht, den 30 Jahre alten Greenspan-Put zurückzunehmen, sollten Vermögensverwalter überlegen, ob Duration weiterhin einen Puffer in einem volatilen Marktumfeld bietet, oder ob Unternehmensanleihen auch künftig bessere risikobereinigte Erträge abwerfen werden als Aktien. Ein Mix aus Gold und liquiden US-Dollar-Anlagen zur Erzeugung von Rendite könnte ein nützliches Gegengewicht zu Aktienrisiken bieten und die Portfoliovolatilität insgesamt reduzieren.

Wirtschaft bleibt solide

Wie der Internationale Währungsfonds (IWF) erklärte, ist das „globale Wirtschaftswachstum insgesamt immer noch solide […], hat jedoch offenbar ein Plateau erreicht“. Ein Blick auf die absoluten Niveaus der Konjunkturindikatoren in großen Volkswirtschaften unterstützt derzeit diese Einschätzung, dass die Expansion sich fortsetzt, eine Verbesserung jedoch nicht zu erwarten ist.

In einem Teil der Welt geht die Konjunkturdynamik nach wie vor zurück: Die Stärke des US-Dollars und die globalen Handelsspannungen belasten die Fertigungssektoren Asiens und Europas. Die Binnennachfrage in diesen Bereichen ist jedoch immer noch solide. Und wenn man die allgemeine Schuldenhöhe beiseitelässt, sind keine nennenswerten Exzesse bei Unternehmensinvestitionen, Wohnimmobilien oder beim Konsum zu beobachten. Dies spricht dafür, dass sich das aktuelle Szenario eines Wachstumsplateaus noch eine ganze Weile fortsetzen könnte.