Viele Deutsche sind nicht ausreichend für die Pflege abgesichert. Quelle: Fotolia

Viele Deutsche sind nicht ausreichend für die Pflege abgesichert. Quelle: Fotolia

Pflege: Gut informiert, aber schlecht vorbereitet

//
Die Deutschen sind beim Thema Pflege gut informiert. Leider ziehen viele nicht die richtigen Schlüsse aus diesem Wissen. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Studie der Allianz Privaten Krankenversicherung und des Marktforschungsinstituts Produkt + Markt. Die Mehrheit der Deutschen nimmt das Thema Pflege durchaus ernst. 33 Prozent der Männer und 41 Prozent der Frauen stufen Pflege und Pflegevorsorge als äußerst wichtig ein.

Kein Wunder, schließlich werden die Deutschen immer älter. Mit dem Alter verbinden die Deutschen jedoch nicht nur Angenehmes wie mehr Zeit für Hobbys (28 Prozent), sondern vor allem auch Unangenehmes. So fürchten sich laut der Studie mehr als die Hälfte der Deutschen vor Krankheit und Schmerzen (55 Prozent), mehr als ein Drittel (37 Prozent) vor Pflegebedürftigkeit und 23 Prozent vor sozialem Abstieg. Je älter die Befragten sind, desto geringer werden allerdings auch ihre Ängste.

Die Studienteilnehmer sind zu einem beträchtlichen Teil gut über Pflege informiert. Knapp neun von zehn Befragten (88 Prozent) wissen, dass sich die Zahlungen der Pflegeversicherung nach der Pflegestufe richten. Kaum einer (lediglich 2 Prozent) macht sich Illusionen darüber, dass die Pflegeversicherung alle im Pflegefall anfallenden Kosten übernehmen wird.

Die Befragten wurden gebeten, die Höhe der Kostenlücke zu schätzen. Ihre Schätzung von durchschnittlich 1.300 Euro ist gar nicht weit von der Realität entfernt. Je nach Pflegestufe und Ort der Pflege (ambulant oder im Heim) liegt die Kostenlücke zwischen 1.050 und 1.650 Euro. Für diesen Betrag müssen die von der Pflege betroffenen Personen beziehungsweise deren Angehörige aufkommen. Dieser Umstand ist fast neun von zehn Befragten bekannt.

Weniger bekannt sind staatliche Förderungen der Pflegeabsicherung. Fast drei Viertel (74 Prozent) der Deutschen haben keine Kenntnis vom sogenannten „Pflege-Bahr“, der geförderten Pflegetagegeldversicherung. Dabei handelt es sich um eine Ergänzung zu den Leistungen der Pflegeversicherung. Obwohl den Deutschen das Thema Pflege wichtig ist, ist nur eine Minderheit für das Eintreten des Pflegefalls ausreichend abgesichert. Nur 11 Prozent verfügen über eine private Pflegezusatzversicherung und nur weitere 9 Prozent haben konkrete Pläne, eine solche abzuschließen.

Als Grund für diese geringe Absicherung ermittelt die Studie, dass mehr als der Hälfte der Befragten  momentan andere Dinge wichtiger sind. Ein großer Anteil der Teilnehmer (32 beziehungsweise 37 Prozent) setzt auf die Rentenversicherung oder eine selbstgenutzte Immobilie zur Absicherung. Laut Studie möchten 35 Prozent ihre Familienmitglieder nicht mit der Pflege belasten. Ein ähnlich hoher Prozentsatz (33 beziehungsweise 30 Prozent) würden dafür alternative Wohnformen wie Mehrgenerationenhäuser und Senioren-WGs nutzen.

Abschließend teilt die Studie die Deutschen in fünf Pflegetypen ein: Erfahrene, Sorglose, Verdränger, Vernünftige und Inkonsequente. Die Erfahrenen (25 Prozent) stellen die größte Gruppe dar. Für sie ist charakteristisch, dass sie in ihrem Umfeld bereits mit Pflege konfrontiert sind. Dadurch kennen sie sich mit dem Thema Pflege gut aus und treffen entsprechende Vorsorgemaßnahmen. Viele von ihnen sind weiblich und wohnen in ländlichen Gegenden.

Die zweitgrößte Gruppe (22 Prozent) ist die der Sorglosen. Für sie spielt das Thema Pflegebedürftigkeit und Vorsorge keine große Rolle in ihrem Leben, dementsprechend gering ist ihre Vorsorge für die Pflegebedürftigkeit. Laut der Studie sind tendenziell mehr Männer als Frauen in diese Gruppe eingeteilt. Die dritte Gruppe (20 Prozent) sind die sogenannten Verdränger. Kennzeichnend für sie ist, dass sie sich zwar relativ gut mit dem Thema Pflege auskennen, aber trotzdem nicht ausreichend vorsorgen. Gänzlich vernachlässigen sie die Vorsorge jedoch nicht. Die meisten Personen in dieser Gruppe sind männlich.

19 Prozent der Befragten gehören zur Gruppe der Vernünftigen. Sie haben meist nicht so viel persönliche Erfahrung mit Pflege, sichern sich aber trotzdem gut für die Pflegebedürftigkeit ab. In dieser Gruppe sind eher Männer vertreten, außerdem gibt es viele Personen mit einem überdurchschnittlichen  Einkommen. Die kleinste Gruppe (14 Prozent) bezeichnet die Studie als die sogenannten Inkonsequenten. Sie beschäftigen sich in hohem Maße mit dem Thema Pflegebedürftigkeit. Dennoch sorgen sie kaum vor. Zu dieser Gruppe zählen eher Menschen in Großstädten sowie mehr Frauen als Männer.

Mehr zum Thema
Pflege-Fonds: INP weitet Beteiligungsangebot aus
Altersvorsorge: Makler ziehen fondsgebundene Produkte vor
Pflege-Riester: Bahr-Geld für Bedürftige
nach oben