Pro & Contra Bundesanleihen: Fels in der Brandung oder bröckelnde Sandburg?

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Jürgen Jann, Manager des Walser Vermögensverwaltung Strategie Plus

Die Bonität vieler Staaten als Schuldner hat sich in den vergangenen Jahren eher verschlechtert. Weltweit gibt es nur wenige Emittenten, sowohl auf Seiten der Staaten als auch der Unternehmen, welche über ein AAA-Rating als bestmögliche Qualitätseinstufung verfügen. Deutschland gehört diesem Kreis an. So sind Bundesanleihen – gerade unter dem Aspekt der Sicherheit – noch wertvoller geworden.

Denn in Niedrigzinsphasen ist aufgrund des geringen laufenden Ertrages die Sicherheit hinsichtlich fristgerechter und vollumfänglicher Rückzahlung besonders wichtig. Dass dies auch bei Staaten nicht immer der Fall ist, haben Anleger jüngst bei Anleihen Griechenlands schmerzlich erfahren. Deutschland hingegen gehört zu den wenigen Ländern, die in den vergangenen fünf Jahren Überschüsse im Staatshaushalt erzielten und die Schuldenquote zurückfahren konnten.

Dazu haben die niedrigen Zinsen entscheidend beigetragen. Mit aktuell 23 Milliarden Euro ist der Schuldendienst der Bundesrepublik so gering wie schon lange nicht mehr. Das Institut für Weltwirtschaft hat berechnet, dass sich die Einsparungen im Bundeshaushalt im Zeitraum von 2009 bis 2015 auf stolze 80 Milliarden Euro summieren.

Besonders erfreulich für den Bundesfinanzminister: Negative Renditen bei Bundesanleihen stellen am kurzen Ende ein interessantes Entschuldungskonzept für den Bundeshaushalt dar. Jeder zusätzliche Schulden-Euro saniert den Haushalt, weil Wolfgang Schäuble dafür keine Zinsen zahlen muss, sondern welche bekommt.

Trotz des niedrigen Schuldendienstes sind aus Sicht des deutschen Staates auf der Bundesschuldenuhr mittlerweile über 2 Billionen Euro aufgelaufen, und jede Sekunde kommen weitere 165 Euro hinzu. Die gute Nachricht dabei: Dies ist der niedrigste Wert der vergangenen 20 Jahre. 2009 lag der Spitzenwert je Sekunde noch bei 4.439 Euro.

Gegen den Kauf von Bundesanleihen spricht sicher das historisch niedrige Zinsniveau in Verbindung mit der Tatsache, dass nur wenige Investoren die Notwendigkeit sehen, Risiken bei negativen Renditen einzugehen. Darüber hinaus können steigende Inflationserwartungen in Verbindung mit einem höheren Wirtschaftswachstum und anstehenden Zinserhöhungsschritten der US-Notenbank die Basis für eine Zinswende legen. Anleger sollten deshalb immer im Hinterkopf behalten, dass Bundesanleihen in einem solchen Szenario grundsätzlich zu einem Vermögensverlust führen können.

Doch wieder zu den Vorteilen: Besonders in stürmischen Zeiten können hoch liquide Anleihen wie Bunds an Wert zulegen, während andere Risikowerte wie Aktien oder High Yield-Anleihen stark unter Druck stehen. Besonders institutionelle Anleger setzen häufig auf den Bund-Future – ein sehr liquides und einfaches Instrument, um in Bundesanleihen zu investieren.

Große Investoren aus Übersee, die in Europa anlegen möchten, sehen Bundesanleihen vielfach als bestes Instrument für Engagements in der Region an. Vor allem in Finanzmarktkrisen sind Anleger auf der Suche nach sicheren Häfen. Aufgrund ihrer oftmals niedrigeren oder sogar negativen Korrelation zu Risikoanlagen wie Aktien und Hochzinsanleihen, bieten Bundespapiere das Potenzial, in Zeiten stark fallender Notierungen weniger an Wert zu verlieren oder sogar, wie im Jahr 2008, deutlich zuzulegen.

Zukünftiges Potenzial für steigende Kurse bieten die Anleihekäufe der EZB, die im kommenden Jahr und vielleicht auch darüber hinaus zusätzliche Nachfrage nach Bundesanleihen auslösen können. Ein mögliches zweites Kaufprogramm könnte die Phantasie der Marktteilnehmer sicher noch weiter beflügeln.

Wir setzen Bundesanleihen weiter bevorzugt zur flexiblen Steuerung der Duration sowie als Sicherheitsbaustein ein. Insbesondere der Versicherungsfunktion von Bundesanleihen zur Ausbalancierung von Portfoliorisiken im Aktien- und High-Yield-Bereich messen wir auf Gesamtportfolio-Ebene eine wichtige Bedeutung zu.

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