Thierry Larose (l.), Manager des Petercam Bonds Emerging Markets Sustainable, und Enzo Puntillo, Manager des Julius Bär Emerging Bond Fund

Thierry Larose (l.), Manager des Petercam Bonds Emerging Markets Sustainable, und Enzo Puntillo, Manager des Julius Bär Emerging Bond Fund

Pro & Contra

EM-Hartwährungsanleihen: Zins-Oase oder zinsarmes Risiko?

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Galten bis vor kurzem noch steigende US-Zinsen als größte Gefahr für Anleihen aus den Emerging Markets, so sorgt derzeit vor allem der abgeschmierte Ölpreis für Unsicherheit: Der Absturz von knapp 115 Dollar pro Barrel auf weniger als 65 Dollar setzt rohstoffreiche Länder wie Venezuela und Russland enorm unter Druck. Andererseits: Investitionen in Öl importierenden Schwellenländern wie Indien und die Türkei erscheinen durch die jüngste Entwicklung in einem deutlich freundlicheren Licht als noch vor wenigen Monaten.

Wie in fast allen anderen Anlageklassen lässt sich also in punkto Schwellenländeranleihen nicht alles über einen Kamm scheren. Es kommt immer auf die Auswahl an – und die endet nicht mit der Frage, ob diese Papiere überhaupt ins Depot gehören oder welchen Anteil sie dort einnehmen sollten. Denn Schwellenländeranleihen gibt es zum einen in sogenannten Hartwährungen wie US-Dollar und Euro und zum anderen in der jeweiligen Landeswährung.


Quelle: Bank of America Merrill Lynch/Bloomberg

Erstere bieten den Vorteil, dass Anleger sich nicht um die Kapriolen von Russischem Rubel, Brasilianischem Real oder Indonesischer Rupiah scheren müssen. Ein klares Pro, findet Enzo Puntillo, Manager des Julius Bär Emerging Bond Fund. Thierry Larose, Manager des Petercam Bonds Emerging Markets Sustainable, plädiert dagegen für Anleihen in lokaler Währung – zumal dieses Anlagesegment in den vergangenen Jahren deutlich liquider geworden ist.


Enzo Puntillo, Manager des Julius Bär Emerging Bond Fund

Niedrige Zinsen an den Anleihemärkten und schwache Wachstumsraten in vielen Industriestaaten sowie anhaltende geopolitische Unsicherheiten stellen Investoren an den Kapitalmärkten derzeit vor große Herausforderungen. Zwar dürften die Zinsen amerikanischer Staatsanleihen in Zukunft wieder steigen, jedoch nicht vehement schneller als heute von den Märkten antizipiert wird. In dieser Lage bieten sich Schwellenländeranleihen in harten Währungen als Alternative an.

Diese Papiere sind zunächst vor allem aufgrund ihrer Erträge attraktiv: Investoren finden derzeit im Schnitt 5,5 bis 6,0 Prozent Rendite bei Fälligkeit – verglichen mit mageren 0,8 Prozent bei zehnjährigen Bundesanleihen. Sicher sind Hartwährungsanleihen nicht die einzige Anlageklasse, mit der Investoren noch Rendite erwirtschaften können. Doch im Vergleich zu möglichen Alternativen wie Aktien und Währungen sind sie nicht auf kräftiges Wirtschaftswachstum angewiesen. Damit bieten sie das attraktive Risiko-Rendite-Profil, das Investoren in vielen anderen Segmenten derzeit so schmerzlich vermissen.

Allerdings ist klar, dass das aktuelle Niedrigzinsumfeld nicht von Dauer sein wird. Steigende Zinsen in den USA oder auch in Großbritannien werden die Renditen vieler Anleihesegmente nach oben treiben. Die Spreads von Hartwährungsanleihen scheinen sich absolut betrachtet seit 2009 in einem recht engen Bereich zu bewegen. Doch verglichen mit anderen Anleihesegmenten bewegen sie sich auf historischen Höchstständen. Damit bieten diese Anleihen derzeit ein Polster gegen Zinserhöhungen, das Investoren so anderswo nur schwer finden. Da sie in harten Währungen wie Euro oder Dollar herausgegeben werden, begrenzen sie zudem das Wechselkursrisiko.

Auch die fundamentalen Daten sprechen für diese Anlageklasse. Denn die Wirtschaft wächst in den Schwellenländern noch immer kräftiger als in den Industriestaaten. Die Staatsfinanzen der meisten Emittenten sind insgesamt solide aufgestellt. Anders als noch vor Jahren hat sich jedoch der Zwang verstärkt, zwischen den einzelnen Ländern zu diversifizieren. Dabei sollten sich Investoren jedoch nicht pauschal von den Negativbeispielen abschrecken lassen. Die Sorgen um die „Fragile Five“, also Brasilien, Indien, Indonesien, Südafrika und die Türkei, die besonders abhängig von externer Finanzierung sind, haben dem Ruf der Schwellenländer zweifellos nicht gut getan. Doch wer genauer hinsieht, findet daneben eine Vielzahl an positiven Beispielen.

Gewinner und Verlierer gibt es in jeder Anlageklasse, und das gilt insbesondere für Schwellenländeranleihen. Investoren fokussieren sich oft auf die fünf Brics-Staaten, von denen drei – nämlich Brasilien, Indien und Südafrika – zu den „Fragile Five“ gehören. Russland wiederum hat derzeit mit dem sinkenden Ölpreis und den westlichen Sanktionen zu kämpfen. Doch über dieses Kernsegment hinaus gibt es mittlerweile rund 60 Staaten, die Staatsanleihen in harten Währungen ausgegeben haben. Investoren finden daher ein breites und heterogenes Investment-Universum, in dem es mehr denn je darauf ankommt, von Staat zu Staat zu unterscheiden.

Wer sich mit der Anlageklasse auskennt, findet deshalb nicht nur ein hervorragendes Rendite-Risiko-Verhältnis, sondern auch reichhaltige Möglichkeiten zur Diversifikation. So haben etwa die Staaten Zentral- und Osteuropas ihre Staatsfinanzen saniert sowie ihre Kreditaufnahme verringert und wachsen nun schneller als andere Regionen. Hinzu kommt, dass dieses Anleihesegment relativ wenig Beachtung erfährt. Insbesondere bei kleineren Staaten und in den Frontier Markets kommen viele Analysten schnell an ihre Grenzen. Gutes Research zahlt sich daher aus. Länder wie Sri Lanka oder die Dominikanische Republik bieten herausragende Investmentgelegenheiten für Investoren, die bereit sind, den Markt in seiner ganzen Breite zu nutzen.

Hartwährungsanleihen aus den Schwellenländern bleiben unserer Ansicht nach ein hochattraktives Segment für langfristig orientierte Investoren. Nach den Kapitalabflüssen von 2013 sind sie zudem unterinvestiert. Und das ist nur ein weiteres von vielen guten Argumenten, der Anlageklasse 2015 verstärkte Aufmerksamkeit zu schenken.
Thierry Larose, Manager des Petercam Bonds Emerging Markets Sustainable

Als im Frühjahr 2013 die Diskussion um eine mögliche Drosselung des Anleihe-Kaufprogramms der US-Notenbank begann, floss enorm viel Geld aus Schwellenländeranleihen ab. Danach kehrten die Investoren jedoch – ähnlich wie 2009 nach der Finanzkrise – sehr schnell wieder in diese Anlageklasse zurück. Dabei lag der Fokus einmal mehr auf Emissionen in Hartwährungen, weil sich deren Erträge für institutionelle Anleger deutlich besser kalkulieren lassen. Die Folge: Gegenüber Anleihen aus Industriestaaten haben sich die Spreads sehr stark eingeengt – für uns eindeutig zu stark.

Weil die realen Zinsen bei Hartwährungsanleihen künstlich niedrig gehalten werden, ist ein weiterer Rückgang der Renditen wenig wahrscheinlich. Deshalb sehen wir bei Lokalwährungsanleihen die besseren Gelegenheiten – zumal der Anstieg der Renditekurven und die höhere Liquidität in den vergangenen zehn Jahren diese Papiere beflügelt haben. Für inländische Investoren spielt diese Anlageklasse zudem eine wichtige Rolle für die Feinabstimmung der Kapitalanlagen auf die jeweiligen Versicherungsverpflichtungen.

Die realen Renditen in den Schwellenländern sind attraktiver als in den Industrieländern. Im Durchschnitt beträgt die 10-jährige reale Rendite dort 1,46 Prozent, während sie in den USA bei nur 0,62 Prozent liegt – basierend auf der voraussichtlichen Inflation von 2009 bis 2015. Sie ist also um knapp 0,80 Prozentpunkte attraktiver als noch im April 2013, kurz bevor die Verkaufswelle infolge der Rückführung des US-Anleihe-Kaufprogramms einsetzte.

Die von den Regierungen und öffentlichen Institutionen der Schwellenländer ausgegebenen Lokalwährungsanleihen haben externe Risiken verringert und finanzielle Ungleichgewichte beseitigt, in deren Folge es in der Vergangenheit immer wieder zu Krisen kam. In diesem Kontext gab es eine besonders starke Nachfrage inländischer Investoren wie lokaler Banken, Versicherungsgesellschaften und der rasant wachsenden Pensionskassen.

Aus unserer Sicht bieten einige Lokalwährungen attraktive Carry-Trade-Gelegenheiten bei hohen Realzinsen und niedriger Devisenvolatilität. Hierzu tragen maßgeblich die niedrigen ausländischen Beteiligungen an Schwellenländer-Staatsanleihen bei wie auch die Bereitschaft der lokalen Behörden, Reformen voranzubringen. Stützend wirkt darüber hinaus der Anstieg der totalen Faktorproduktivität und eine glaubwürdige Haushalts- und Geldpolitik vieler Schwellenländer.

Aktuelle Hintergrundartikel zum Thema: Die Dollar-Bombe (Welt Online vom 9. Dezember)

Der frühe Vogel fängt den Wurm (Finews.ch vom 1. Dezember)

Warum Schwellenländer kaum Staatsschulden haben (Finanzen 100 vom 30. November)

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