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Superzyklus Agrarrohstoffe: „Long-Only-Fonds bieten sich nicht an“

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China und Indien vereinen rund ein Drittel der Weltbevölkerung auf sich und der Wohlstand in beiden Ländern steigt. Während der Verbrauch in den OECD-Ländern seit Anfang der 90er Jahre stagniert oder sogar leicht zurückgeht, steigt die Nachfrage an Getreide, Reis, Sojabohnen und Weizen aus China immer stärker.

In den großen Städten Chinas liegt das Pro-Kopf-Einkommen auf einem Niveau, das die Weltbank als „gehobenen Mittelstand“ klassifizieren würde, wobei die Affinität, mehr Kleidung, Elektronikgeräte, Fast Food und Autos zu kaufen, klar erkennbar ist.

China will Binnenkonsum ankurbeln

Die Regierung hat sich dem Ziel, den Binnenkonsum anzukurbeln, verschrieben und regt durch eine Vielzahl von Maßnahmen die Konsumlust der Chinesen an.

China investiert massiv in Ausbildung. Auch in China hat man erkannt, dass ausgebildete Arbeiter die produktiveren sind. Arbeiter mit einem Universitätsabschluss sind dreimal und jene mit einem Oberschulabschluss 1,8 Mal produktiver als ein Arbeiter, der nur die neunte Klasse besucht hat.

In den kommenden 30 Jahren wird China die Zahl der Einschreibungen auf Oberschulen um 100 Prozent und jene auf Universitäten um 50 Prozent steigern können.

Wie das staatliche chinesische Statistikamt im Oktober 2009 bekannt gab, betrug das verfügbare Pro-Kopf-Einkommen der Bewohner in den chinesischen Städten in den ersten drei Quartalen des abgelaufenen Jahres 14.000 Yuan Renminbi (rund 2.100 Euro).

Gegenüber demselben Vorjahreszeitraum entspricht dies einem Anstieg von 10,5 Prozent. Das verfügbare Pro-Kopf-Einkommen in den ländlichen Gebieten stieg in den ersten drei Jahresquartalen um 9,2 Prozent.

Auch Indien weist eine ähnliche Dynamik auf. Das Auswärtige Amt hat im September 2010 einige interessante Details zu Indien veröffentlicht.

Mit 7,2 Prozent Wachstum im laufenden Haushaltsjahr 2009/10 ist Indien die nach China weltweit am stärksten expandierende Volkswirtschaft. Bei derzeit 1,2 Milliarden Einwohnern wird es bis zur Mitte des Jahrhunderts voraussichtlich nicht nur das bevölkerungsreichste Land der Erde sein, sondern auch mit seinem Bruttoinlandsprodukt nach China und den USA an dritter Stelle liegen.

Wer Fleisch will, muss Getreide ernten

Man kann vom Pro-Kopf-Einkommen Rückschlüsse auf das zukünftige Konsumentenverhalten ziehen. Der Pro-Kopf-Verbrauch pro Jahr von Rinderfleisch liegt in der Volksrepublik China bei aktuell 15 Kilogramm.

In dem schon deutlich weiterentwickelten Taiwan liegt der Verbrauch bei 81 Kilogramm und im Stadtstaat Hong Kong bei 91 Kilogramm.

Für ein Kilogramm Rindfleisch benötigt man – je nach Aufzuchtmethode – zwischen einem und zehn Kilogramm Getreide. Getreide wird aber auch in der Fischzucht benötigt, hier liegt der Pro-Kopf-Verbrauch in China bei vier Kilogramm, in Taiwan und Hong Kong bei durchschnittlich 58 Kilogramm.

Die Tücken des Marktes für Agrarrohstoffe

Die Investition in Agrarrohstoffe ist für den Privatanleger nicht einfach (siehe auch "Investieren in knappe Ressourcen – aber wie?"). Agrarrohstoffe können nicht über Kassa- beziehungsweise Präsenzmärkte, sondern nur über Terminmärkte gehandelt werden.

Ist man als Anleger beispielsweise für Zucker positiv gestimmt, so muss man einen Future-Kontrakt auf Zucker kaufen, der nach einer bestimmten Zeit automatisch fällig wird (auch Zertifikate bilden die Kursverläufe von Futures ab).

Möchte man nach Fälligkeit weiter investiert bleiben, so muss man den Future-Kontrakt rechtzeitig verkaufen und einen länger laufenden Kontrakt kaufen.

Bei diesem Umschichten (auch Rollen genannt) können zwei unterschiedliche Szenarien auftreten – erstens, man erleidet einen Verlust, wenn der neue Future teurer ist als der verkaufte (Contango) oder zweitens, man erzielt beim Rollen einen Gewinn, wenn es sich genau andersherum verhält (Backwardation).

Dieser Problematik haben sich alle Marktteilnehmer zu stellen, egal ob sie in einem einzelnen Kontrakt investiert sind, in einem Zertifikat oder in einem Fonds.

Will man als Privatanleger in Agrarrohstoffe investieren, sollte man sich in die Hände eines guten Fondsmanagements begeben. Da Rohstoffe bestimmten Schwankungen unterliegen und nicht immer nur steigen, bieten sich keine Long-Only-Fonds an.

Wenn wir uns die Situation bei Weizen in Erinnerung rufen, so ist aufgrund der Verknappung in diesem Jahr besonders viel Weizen für 2011 angebaut worden. Es ist also besonders wichtig den Zusammenhang zwischen Lagerbeständen und den aktuellen Preisen immer im Auge zu haben.

Pioneer Funds Commodity Alpha

Durch den Aufbau von Long- und Short-Positionen kann der Pioneer Funds Commodity Alpha (A0NB5Z) sowohl in steigenden, als auch in fallenden Märkten Erträge generieren.

Das Anlageuniversum von 31 Rohstoffen bietet ausreichend Platz für eine gesunde Diversifizierung. Der Fonds investiert nicht nur am kurzen Ende der Future-Kurve, sondern versucht Rollverluste durch gezieltes Ausweichen auf längere Laufzeiten zu minimieren (siehe auch „Dreimonatlich umschichten bringt die stabilsten Ergebnisse“).

Über den Autor: Wolfgang Zillich ist Chef der Premium Asset Management, Vermögensverwalter mit Sitz in Wiesbaden.

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