Passanten in Mailand: Weltweit wollen Regierungen die Corona-Maßnahmen lockern | © imago images / Independent Photo Agency Int. Foto: imago images / Independent Photo Agency Int.

Vermögensverwalter Marco Herrmann

Unternehmensgewinne mit Licht und Schatten

Rund zwei Drittel der Unternehmen des S&P 500 haben mit ihren Ergebnissen des ersten Quartals die Erwartungen der Analysten geschlagen. Das liegt zwar unter dem langfristigen Durchschnitt von 74 Prozent, ist aber in Anbetracht der Umstände ganz passabel. Allerdings hatten die Analysten in den zurückliegenden Wochen ihre Schätzungen bereits deutlich gesenkt und damit die Messlatte tiefer gehängt.

Tatsächlich sind die Gewinne der S&P 500-Unternehmen in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres um 15 Prozent gefallen. Zum Jahreswechsel gingen die Analysten noch von einer Steigerung von zehn Prozent aus. Doch dann kam die Corona-Pandemie. In Europa, wo der Lockdown schon früher als in den USA begann, sind die Auswirkungen gravierender: Dort sind die Gewinne um 38 Prozent eingebrochen.

In beiden Regionen zeigt sich kein einheitliches Bild. Die größten Verlierer beziehungsweise Gewinneinbrüche gibt es in den Bereich Finanzen, zyklischer Konsum, Energie und Industrie. Wie zu erwarten, haben Unternehmen aus den Sektoren Gesundheit, IT, Kommunikation und Basiskonsum die Krise bislang gut überstanden. Dem S&P hat die hohe Gewichtung der FAANG-&-Co.-Werte geholfen, die letztlich sogar zu den Krisengewinnern zählen.

 Keine guten Aussichten

Aber unterhalb der Oberfläche brodelt es auch in den USA gewaltig: Bei den amerikanischen Small Caps sanken die Gewinne um 56 Prozent. Und das zweite Quartal dürfte nicht besser laufen. Denn der wirtschaftliche Lockdown dauerte in Q2 wesentlich länger an als in den ersten drei Monaten des Jahres.

Der plötzliche Stillstand der Weltwirtschaft hat gleichzeitig viele Unternehmen in akute Finanznöte gebracht. Die Cash Burn Rate, die ältere Marktteilnehmer noch vom Platzen der New-Economy-Blase kennen, ist plötzlich wieder relevant. Beispielsweise hat Volkswagen im Hochpunkt der Krise zwei Milliarden Euro pro Woche verbrannt, bei der Lufthansa sind es immerhin 500 Millionen Euro pro Woche.

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