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Vermögensverwaltungsfonds von Metzler: „Wir suchen bewusst nicht nach den Top-Fondsmanagern“

Günther Gerstenberger
Günther Gerstenberger
DAS INVESTMENT: Sie bieten seit März drei Anlagestrategien im Rahmen einer Fonds-Vermögensverwaltung, die Sie auch in drei Fonds umgesetzt haben. Wie gehen Sie vor? Gerstenberger: Wichtig ist für uns die systematische Analyse. Etwa von fundamentalen Frühindikatoren für Wachstum und Inflation oder von Makrodaten wie Zinsentwicklung, Ölpreis und Verbrauchervertrauen. Hinzu kommen Mikrodaten wie die Gewinnentwicklung und technische Indikatoren sowie die Entwicklung der Spreads von Schwellenländerund Unternehmensanleihen.

Das klingt nach einem quantitativen Ansatz.
Gerstenberger: Wir sind den quantitativ orientierten Kollegen relativ nah. Aber wir verfolgen keine 100-prozentig regelbasierte Strategie, sondern greifen auch aktiv in die Allokationsentscheidung ein. In kritischen Situationen setzen wir also auch auf die Erfahrung unseres Teams und positionieren uns gegebenenfalls anders, als die Analyse es vorgibt.

Nennen Sie ein Beispiel?
Gerstenberger: Nehmen Sie den letzten Bärenmarkt, in dem wir die Aktienquote rechtzeitig reduziert haben. Wenn der Markt 20 oder 30 Prozent gefallen ist, bauen wir die Quote bereits langsam wieder auf, bevor die systematische Analyse das anzeigen würde. Der Markt kann noch 5 oder 10 Prozent fallen, aber wir verpassen nicht wie viele rein quantitativ gemanagte Fonds die ersten 15 oder 20 Prozent der Erholung. Im umgekehrten Fall behalten wir uns vor, nach 20 oder 30 Prozent Wertentwicklung zu sagen, es reicht, und reduzieren die Aktienquote.

Ist die Aktienquote also Ihr wichtigstes Steuerungselement?
Gerstenberger: Sie ist auf jeden Fall sehr wichtig, allein schon, weil Aktien in allen drei vermögensverwaltenden Anlagestrategien und Fonds eine zentrale Rolle zukommt. Aber wir schauen uns auch das Umfeld für andere Anlageklassen genau an. Denn die einzige Lösung in der globalen Krise ist, breit zu diversifizieren. Je nach Analyseergebnis gewichten wir dann Rohstoffaktien, High-Yieldund Emerging-Markets-Bonds, Unternehmensanleihen und Pfandbriefe.

Wie bauen Sie das Aktienportfolio auf?
Gerstenberger: Für die Vermögensverwaltung nutzen wir den globalen Aktienfonds Metzler Global Selection. Je nach Ergebnis unserer Analyse sichern wir sein immer voll investiertes Aktienportfolio über Futures ab. Da die Umschichtungen auf Fondsebene stattfinden, hat dies zudem im Rahmen der Fonds-Vermögensverwaltung einen abgeltungssteuerfreundlichen Effekt. In den vermögensverwaltenden Fonds wird der Mechanismus auf Einzelaktienbasis umgesetzt.

Und wie und wo investiert der zugrunde liegende Fonds genau?
Gerstenberger:Der Metzler Global Selection verfolgt einen Bottom-up-Ansatz und eine konservative globale Aktienstrategie. Unsere Stockpicker aus dem Aktienteam selektieren dazu etwa 50 bis 70 eher große, wenig konjunktursensible und strukturell wachsende Unternehmen aus dem globalen Aktienuniversum. Die übrigen Anlageklassen in den Strategien beziehungsweise in den VV-Fonds decken wir über ETFs ab.

Damit unterscheiden Sie sich von anderen vermögensverwaltenden Ansätzen, die ausschließlich auf aktiv gemanagte Fonds setzen.
Gerstenberger: Ja, wir suchen bewusst nicht nach den Top-Fondsmanagern in jedem Segment. Von entscheidender Bedeutung ist für uns vielmehr die richtige Gewichtung und Zusammenstellung der einzelnen Anlageklassen. Darum nutzen wir Indexfonds, die hinreichend diversifiziert und liquide sein müssen, um die jeweilige Anlageklasse gut zu repräsentieren. Für uns ist die Steuerung der Investitionsquoten das entscheidende Werkzeug für eine erfolgreiche Vermögensverwaltung.
STECKBRIEF GÜNTHER GERSTENBERGER
Günther Gerstenberger (49) arbeitet seit 2011 bei Metzler Asset Management als Leiter des Teams Taktische Asset-Allokation und ist verantwortlich für die gemischten Mandate und die taktische Asset-Allokation. Zuvor war er beim Fondshaus PEH für flexible Asset-Allokation-Fonds zuständig. Begonnen hat er seine Karriere 1991 nach dem BWL-Studium als Analyst in der Abteilung Makro und Quantitatives Research des Bankhauses Metzler. Es folgten Stationen bei der Deka und als selbstständiger Investment-Consultant für institutionelle Anleger.
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