Egon Wachtendorf, Chefredakteur DER FONDS

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Wachtendorf-Kolumne

Fondsgebühren: Es könnte so einfach sein – und trotzdem fair

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Der Zins ist tot, es lebe der … ja, wer oder was? Auf der Suche nach Alternativen tut sich die Fondsindustrie bislang schwer. Denn im Grunde genommen gibt es ihn schon noch, den fixen Preis für die Überlassung von Kapital. Nur ist er eben anders als in der Vergangenheit nicht mehr risikolos. Bei als sicher geltenden Papieren droht die Gefahr, ein Vielfaches des kümmerlichen Ertrags beim nächsten Zinsanstieg zu verlieren. Das fördert nicht gerade den Absatz traditioneller Rentenfonds, die beim aktuellen Zins allein schon der Kosten wegen keine Alternative zu Tages- oder Termingeld sein können. Auf die Käufer von Fonds für Mittelstands- oder anderen Hochzinsanleihen warten unter Umständen ebenfalls Verluste – selbst ohne Zinsanstieg. Womit also die Anleger aus der Reserve locken?

Neben Total-Return- und Dividendenfonds hat die Branche mit Long-Short-Fonds ein drittes Vehikel entdeckt, das im Vergleich zu allen zuvor genannten Fondsarten zwei entscheidende Vorteile besitzt. Es kommt völlig ohne Renten-Komponente aus, ist also gegen die Gefahren einer wann auch immer einsetzenden Zinswende immun. Gegen plötzliche Börseneinbrüche ist es zudem deutlich weniger anfällig als etwa Dividendenfonds, von denen einige in den vergangenen Monaten ganz schön ins Schlingern gerieten. Trotz der vergleichsweise geringen Schwankungen versprechen die Anbieter von Long-Short-Fonds auch im aktuellen Zinsumfeld jährliche Renditen von 5 bis 7 Prozent.

Machbar ist das, keine Frage. Doch die Freude über die neue Alternative klingt rasch ab, wenn man sich einmal die Gebührenstruktur dieser Produkte genauer anschaut. Nicht wenige Long-Short-Fonds kommen inklusive Performance Fee auf Gesamtkosten, die nah an 3 Prozent heranreichen oder diese Grenze sogar überschreiten. Da hilft auch der Hinweis wenig, dass die Performance Fee nur dann fällig wird, wenn der Anteilspreis zuvor einen neuen Höchststand überschritten hat: Eine Garantie auf 5 oder 7 Prozent bietet eine solche High-Water-Mark genannte Regel nämlich nicht, und die Extra-Gebühr fällt auch in Jahren an, in denen die Performance nur 2 oder 3 Prozent beträgt. Unter dem Strich bleibt für den Anleger also ein Chance-Risiko-Verhältnis, das ähnlich unbefriedigend ist wie bei anderen Fondsarten.

Dabei wäre es recht einfach, dieses Verhältnis für den Anleger zu verbessern und gute Fondsmanager dennoch gutes Geld verdienen zu lassen. Nämlich über die Einführung einer Hurdle Rate genannten Gewinnschwelle, die einen Basis-Anteil der erzielten Performance von zusätzlichen Gebühren ausnimmt. Diese könnte beispielsweise bei 4 Prozent liegen, so dass die Performance Fee erst bei einer darüber hinausgehenden Wertentwicklung ins Spiel kommt. Für wirklich gute Manager keine Hürde, und diese dürften dann – sofern sie bei der regulären Verwaltungsvergütung im unteren Rahmen bleiben – bei der inklusive High-Water-Mark erhobenen Performance Fee gern etwas stärker zulangen. Nicht nur bei Long-Short-Produkten, sondern im Prinzip bei allen aktiv gemanagten Fonds.

Woran liegt es, dass von einer solchen Regelung bislang nur relativ wenige Fondsanbieter Gebrauch machen? Trauen sie es sich nicht zu, zu den wirklich Guten zu gehören, oder vertrauen sie darauf, dass ihre Kunden und auf deren Wohl bedachte Berater das Kleingedruckte in den Gebührenordnungen ohnehin nicht durchschauen?

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