Egon Wachtendorf, Chefredakteur DER FONDS

Egon Wachtendorf, Chefredakteur DER FONDS

Wachtendorf-Kolumne

Ich bin ein Anleger – holt mich hier raus!

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Das ist eine echte Breitseite, die Eckhard Sauren in dieser Woche gegen die bei deutschen Anlegern so beliebten Mischfonds fährt. Der Kölner Dachfonds-Spezialist attestiert der breiten Masse der in dieser Kategorie tätigen Manager in einer aktuellen Studie, gegenüber einem vergleichbaren Mix aus reinen Aktien- und Rentenfonds einen grottenschlechten Job abzuliefern. Schlimmer noch: Da die durch Zinsen und Kursgewinne erzielten Erträge auf der Rentenseite in den kommenden Jahren dramatisch niedriger ausfallen werden als in der Vergangenheit, dürften herkömmliche Mischfonds der Studie zufolge kaum noch in der Lage sein, viel mehr als die für ihre Verwaltung notwendigen Kosten zu erwirtschaften.

Die Schlussfolgerung, die Sauren nicht ganz uneigennützig aus dieser Analyse zieht: An modernen Multi-Asset- und Absolute-Return-Fonds führt für Anleger künftig kein Weg mehr vorbei. Denn deren Manager beziehen ihre Renditen aus einer Vielzahl unterschiedlicher Quellen und sind somit anders als die Verwalter klassischer Mischfonds nicht allein auf gut laufende Aktien- und Rentenmärkte angewiesen. Zudem können sie durch entsprechenden Derivate-Einsatz auch von den zu erwartenden größeren Verlusten an den Rentenmärkten profitieren, wenn es irgendwann einmal zu einer nachhaltigen Zinswende kommt.

Kein Wunder deshalb, dass nicht nur Sauren seine Dachfonds-Flotte immer stärker auf dieses Thema ausrichtet – auch andere Anbieter rüsten eifrig nach und bringen unter dem Modewort Multi-Asset Income eine ganze Armada neuer Fonds auf den Markt, die die bisher in absoluten Zahlen betrachtet guten Ergebnisse vieler traditioneller Mischfonds fortschreiben sollen.

Ob diese Rechnung aufgeht, steht allerdings noch in den Sternen. Denn zum einen sind auch die neuen Strategien keine Selbstläufer – ob ein Multi-Asset-Income-Fonds die von seinem Anbieter in Aussicht gestellte Rendite tatsächlich liefert, hängt ganz wesentlich von den Fähigkeiten des verantwortlichen Management-Teams ab.

Zum anderen ist es keineswegs so, dass sich die Manager eines herkömmlichen Mischfonds dem Wettstreit um die bessere Performance mit einer veralteten oder sogar für künftige Herausforderungen völlig untauglichen Ausrüstung stellen müssen. Auch sie können, wenn es das Kleingedruckte im Prospekt hergibt, an steigenden Zinsen verdienen und auch sie sind nicht allein auf zwei Anlageklassen festgelegt: Mit der Option, Cash zu halten, kommt in jedem Fall noch eine dritte hinzu. Eine Anlageklasse zudem, die in den vergangenen Jahren gegenüber alternativen Investments wie Immobilien oder Rohstoffen die bessere Wahl gewesen wäre und die in Zeiten wachsender Kursschwankungen eher noch an Bedeutung gewinnen dürfte.

Während sich neutrale Beobachter also schon auf das keinesfalls entschiedene Duell zwischen klassischen Tri-Asset-Fonds und den neuen Multi-Asset-Produkten freuen dürfen, sollte der von der Sauren-Studie explizit angesprochene Vertrieb nichts überstürzen. Ob ein klassischer Mischfonds den künftigen Anforderungen der Kapitalmärkte noch gewachsen ist, lässt sich nur von Einzelfall zu Einzelfall prüfen und entscheiden – ob ein Fonds mit dem Label Multi-Asset Income die bessere Wahl ist, ebenfalls.

Weitaus größerer Handlungsbedarf besteht dagegen an anderer Stelle. Woher soll zum Beispiel künftig bei einem Fonds Rendite herkommen, dessen Anlagepolitik wie folgt formuliert ist: „Das Fondsvermögen wird am Euro-Rentenmarkt angelegt und vorzugsweise in festverzinsliche Euro-Wertpapiere im mittleren Laufzeitbereich investiert.“? Die Anleger aus derartigen Produkten herauszuholen oder darauf zu drängen, dass auch diese sich den Herausforderungen der neuen Zeit anpassen, ist momentan Maklerpflicht Nummer eins.

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