DER-FONDS-Chefredakteur Egon Wachtendorf

DER-FONDS-Chefredakteur Egon Wachtendorf

Wachtendorf-Kolumne

Mark Mobius: Pionier ohne Performance

//

Wenn Sir John Templeton heute als einer der am meisten geachteten Fondspersönlichkeiten aller Zeiten gilt, dann ruht diese Einschätzung auf zwei Säulen. Zum einen war Templeton ein Pionier: Als erster amerikanischer Geldverwalter überhaupt steckte er das Geld seiner Kunden nicht überwiegend in US-Firmen, sondern suchte gezielt im Ausland nach Chancen. Und zum anderen hatte er Erfolg damit: Die vom Templeton Growth Fund zwischen der Auflegung im November 1954 und Templetons Rückzug aus dem Tagesgeschäft im Sommer 1987 erwirtschaftete Gesamtperformance hat bislang kein Konkurrent oder Nachfolger je wieder erreicht.

Auch Mark Mobius ist ein Pionier. Der Amerikaner mit deutschen Wurzeln investiert seit Anfang der 70er Jahre in den Schwellenländern, seit 1987 im Auftrag von Templeton. Während dieser Zeit hat er sich einen Namen gemacht als „Indiana Jones der Geldanlage“, Millionen Investoren und Anleger rund um den Globus kennen ihn. Entsprechend groß war jüngst das Medien-Echo auf die Meldung, dass Mobius Anfang Oktober die Leitung des 1989 von ihm gegründeten Templeton Emerging Markets Investment Trust abgibt. „Der Guru nimmt den Hut“ titelte etwa Wirtschaftsblatt Online.

Was in nahezu allen Würdigungen der vergangenen Tage und auch in vielen Berichten davor zu kurz kam: Mobius ist zwar ähnlich bekannt und geachtet wie John Templeton, in punkto Performance jedoch kann er dem Altmeister bei weitem nicht das Wasser reichen. Zwar häufen sich seit einigen Monaten Schlagzeilen über unzufriedene Kunden. Diese beziehen sich jedoch überwiegend auf die vergangenen drei bis fünf Jahre – eine Zeit also, in der auch andere in Schwellenländern tätige Fondsmanager Schwierigkeiten hatten, für ihre Kunden Geld zu verdienen.

Wer sich intensiv mit der Performance-Leistung von Mark Mobius auseinandersetzen will, kommt nicht vorbei am Templeton Emerging Markets, dem im Februar 1991 aufgelegten und seither in Deutschland vertriebenen Schwesterfonds des Templeton Emerging Markets Investment Trust. Dessen in Euro gerechnete Langfrist-Bilanz ist gelinde gesagt bescheiden: plus 251 Prozent seit Auflegung, das entspricht einer durchschnittlichen Rendite von 5,3 Prozent. Zwar gibt es in den einschlägigen Datenbanken mit dem Capital International Emerging Markets nur einen anderen Schwellenländer-Klassiker mit ähnlich langer Historie. Dessen seither erzielte Rendite von 9,2 Prozent zeigt jedoch, dass deutlich mehr möglich war. In absoluten Zahlen ausgedrückt: Aus 10.000 Euro, Anfang März 1991 angelegt, wären bis heute nicht wie unter Mobius 34.886 Euro geworden, sondern 85.254 Euro.

Über nicht ganz so lange Zeiträume lassen sich derartige Zahlenspiele beliebig fortsetzen. Beispiel First State Global Emerging Markets: Dort wurden aus 10.000 Euro, im Januar 1993 angelegt, bis heute 72.036 Euro. Der Templeton Emerging Markets schaffte über diesen Zeitraum 37.323 Euro. Oder Comgest Magellan: Von Dezember 1995 an gerechnet stehen dort 80.346 Euro zu Buche, bei Templeton 27.500 Euro. Und selbst wenn man die vergangenen fünf Jahre, die für Mobius auch im direkten Konkurrenzvergleich nicht besonders gut liefen, aus der Betrachtung herausnimmt, ändert sich nur wenig am Gesamtbild: Von Dezember 1995 bis Juli 2010 machte der Comgest Magellan aus 10.000 Euro ein Endkapital von 55.037 Euro, der Templeton Emerging Markets brachte es auf 23.288 Euro.

Ist es unfair, einen Fonds über verschiedene Zeiträume nur an den Besten seiner Kategorie zu messen? Nicht, wenn jemand den Ruf eines Mark Mobius genießt. Und aus dieser Perspektive heraus betrachtet wäre ein Aufatmen darüber, dass Mobius bis auf weiteres bei allen in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Schwellenländerfonds von Franklin Templeton – also auch beim Templeton Emerging Markets – am Ruder bleibt, fehl am Platz.

Mehr zum Thema
Wachtendorf-KolumneSeien Sie jetzt stark, Herr Riße …Wachtendorf-KolumneJürgen Klopp und die DVAG: Der kleine Unterschied