MS Astor

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Wasser unterm Kiel: Schiffsfonds-Initiatoren setzen auf die Kreuzfahrtbranche

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In diesen Tagen geht die „Oasis of the Seas“ auf Jungfernfahrt von Fort Lauderdale nach Haiti. Länger als drei Fußballfelder, bietet sie Platz für 6.300 Reisende. Zwar schippert der Mega-Pott mitten in die Krise der amerikanischen Tourismusindustrie, doch zeigt er, welche Dimension die Kreuzfahrtbranche erreicht hat. Und in Deutschland wächst die Zahl der Hochsee-Passagiere auch in Wirtschaftsflaute-Zeiten kontinuierlich. „Wir gehen davon aus, dass spätestens 2010 die Eine-Million-Marke geknackt sein wird“, so Helge H. Grammerstorf, Inhaber der Beratungsfirma Sea Consult. „2018 dürften zwei Millionen deutsche Urlauber auf Hochseeschiffen an Bord gehen.“

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe von DAS INVESTMENT (Januar 2010).

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Von diesem Trend will auch der Münchener Initiator Premicon profitieren, der seit 1999 bereits 21 Flusskreuzfahrtschiffe und 2006 den Hochseekreuzer MS Astor als geschlossene Fonds platziert hat.

Die Astor hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Gemeinsam mit der MS Astoria, dem einstigen TV-„Traumschiff“, fuhr sie bis Mitte 2009 für den Reiseveranstalter Transocean Tours. Nach einem Astoria-Maschinenschaden und Verzögerungen von Versicherungszahlungen schlitterte der Charterer in die Pleite.

Premicon ergriff die Initiative und hat die Transocean-Geschäfte übernommen: Der neue Reiseveranstalter und Astor-Charterer Transocean Kreuzfahrten wird in einen geschlossenen Fonds eingebracht

Reiseveranstalter im Fonds

Die 22 Jahre alte MS Astor liegt derweil auf Kiel. Nach Umbau und Modernisierung soll sie ab Juli 2010 wieder in See stechen. „Das Schiff wird von einem neuen Premicon-Fonds erworben, die Anleger des ersten Astor-Fonds werden ausgezahlt “, so Premicon-Vorstand Alexander Nothegger. Mögliche Interessenkonflikte von MS-Astor- und Transocean-Anlegern sieht Nothegger nicht: „Durch die Fondslösungen dokumentieren wir hohe Transparenz. Zudem fließen nicht Premicon, sondern den Fonds die Gelder zu. Vom Erfolg des neuen Charterers profitieren somit auch nur dessen Gesellschafter. “

Novum im Beteiligungsmarkt: Der Astor-Fonds hat die bei Frachtschiffen übliche Tonnagesteuer gewählt. Der erste Kreuzfahrer mit dieser Regelung ist das Schiff aber nicht. Ein großer Reisekonzern hat vor einigen Monaten vom Finanzamt Hamburg eine Zusage für die Tonnagesteuer-Anwendung erhalten. Dabei wird das Schiff, bezogen auf die Größe, pauschal besteuert – in guten wie in schlechten Zeiten, wie Marktteilnehmer einwenden.

Nothegger entgegnet: „Wir bewegen uns in einer Wachstumsbranche und rechnen mit einer positiven Handelsbilanz des Fonds ab 2011.“ So wären beim ersten Astor-Fonds prospektgemäß für 2009 und 2010 positive steuerliche Ergebnisse von rund 10 Prozent angefallen.

Auf der Gigantomanie-Welle wie die „Oasis of the Seas“ schwimmt die MS Astor mit ihren in der Spitze knapp 600 Passagieren jedenfalls nicht. „Seit fünf Jahren wurden kaum kleinere und mittlere Kreuzfahrtschiffe gebaut, von den bis 2012 an den Markt kommenden Neubauten sind nur rund ein Drittel in der Klasse bis zu 750 Passagiere“, bestätigt Grammerstorf.

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