Tesla-Chef Elon Musk umringt von Pressevertretern und Fans beim Richtfest auf der Baustelle der Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg Foto: IMAGO Images / Future Image

Vermögensverwalter über Emotionen an der Börse

Wie Anleger typische Fehler vermeiden

Thomas Buckard
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Den Homo oeconomicus gibt es in seiner Reinform nur in der Theorie. In der Praxis verfolgen Menschen nicht ausschließlich ökonomische Ziele und handeln auch nicht vollständig und immer rational. Das gilt natürlich auch für die Börsianer. Gleichzeitig liegen nie alle für eine Anlageentscheidung relevanten Informationen vor. Wenn sich Investoren dieser Mankos bei der Kapitalanlage bewusst sind, können sie eine Reihe von Fehlern zwar nicht völlig vermeiden, aber zumindest abmildern.

„Verliebe dich nie in eine Aktie“: Starke Emotionen beim Kauf oder Halten eines Werts sind ausgesprochen gefährlich. Immer wieder gibt es Aktien, die von Fans nach oben getrieben werden. Ihre Kurse lassen sich dann durch fundamentale Daten und Bewertungen nicht rechtfertigen. Dementsprechend hoch ist das Rückschlagpotenzial. Derzeit dürften sich vor allem in den Bereichen erneuerbare Energien, Elektromobilität und Corona-Impfstoffe-Papiere mit irrationalen Kursniveaus finden lassen.

„Vermeide eine selektive Wahrnehmung“: Eine emotionale Beziehung zu einer oder mehreren Aktien führt häufig dazu, dass Anleger vor allem die positiven Nachrichten zu ihren Positionen wahrnehmen und die negativen verdrängen. Auffällig ist beispielsweise, dass beim E-Auto-Pionier Tesla die Gewinne regelrecht bejubelt werden. Dass diese aber kaum aus dem operativen Geschäft, dem Verkauf von Autos, stammen, sondern aus der Veräußerung von CO2-Zertifikaten, scheint die Tesla-Jünger nicht zu interessieren. Besser wäre es, wenn die Investoren immer kritisch blieben und die Nachrichtenlage hinterfragten.

„Halte nicht an der Großwetterlage fest“: Viele Investierende tun sich schwer damit, ihre Einschätzung des Börsenumfelds zu ändern. Besonders viel Überwindung kostet dies, wenn das Weltbild extrem ausfällt. Ein Beispiel ist die Aussage, Aktien seien alternativlos. Das suggeriert, dass sie eigentlich nicht fallen können. Natürlich gibt es Alternativen zu Aktien wie Unternehmensanleihen, Gold oder Cash. Wenn sich Rahmendaten ändern, sollten Anleger umgehend agieren und nicht an ihrer Einschätzung der Rahmenbedingungen festhalten. So ist es zumindest denkbar, dass infolge einer steigenden Inflation im weiteren Jahresverlauf trotz der expansiven Geldpolitik der Notenbanken die Zinsen anziehen. Was dies vor allem für Growth-Aktien bedeuten würde, liegt auf der Hand. In einem solchen Szenario würde es dann wieder heißen: „Cash is king.“

„Sitze Verluste nicht aus“: Ein typischer Fehler, der auch Profis regelmäßig unterläuft, ist das zu lange Festhalten an verlustreichen Positionen. Obwohl das den meisten Investoren bewusst ist, lassen sie häufig die Verluste laufen und nehmen umgekehrt Gewinne zu früh mit. Das ist psychologisch einfach zu erklären. Das Realisieren von Verlusten tut emotional weh, das Mitnehmen von Gewinnen streichelt dagegen die Seele. Wenn man immer so agiert, bleiben allerdings nur noch Ruinen im Depot übrig.

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