Sabine Groth (Freie Autorin)Lesedauer: 4 Minuten

Die nächste Supermacht Wie China und die USA um die Weltherrschaft kämpfen

US-Präsident Joe Biden und Chinas Präsident Xi Jinping scherzen im Oval Office des Weißen Hauses in Washington
US-Präsident Joe Biden und Chinas Präsident Xi Jinping scherzen im Oval Office des Weißen Hauses in Washington | Foto: imago images/ZUMA Wire

Im Jahr 2049 feiert China sein 100-jähriges Bestehen als Volksrepublik. Bis dahin hat die Regierung ein ambitioniertes Ziel: Zum Jubiläum soll China die weltweit führende industrielle Supermacht sein. Da dieser Begriff etwas schwammig ist, hat China als Definition gleich zehn Bereiche mitgeliefert, in denen das Land dann an der Spitze liegen will. Dazu zählen zum Beispiel die IT der nächsten Generation, Roboter, Biomedizin, Energieanlagen, Luft- und Raumfahrt. Man könnte also nicht nur von angestrebter Industrie-, sondern auch Technologieführerschaft sprechen. Die erste Etappe zur weltweiten neuen Nummer 1 ist das Programm „Made in China 2025“. Es hat zum Ziel, bis 2025 den Ruf der industriellen Produktion in China deutlich zu verbessern. Qualitätshersteller statt Billigproduzent, eigene Entwicklungen statt Nachahmerprodukte, lautet das Motto.

Die USA verfolgen die Anstrengungen mit Argusaugen. Und da sich erste Erfolge kaum übersehen lassen, sehen sie Grund zum Handeln. Schon der ehemalige US-Präsident Donald Trump rief zum Angriff. Er setzte Chinas Wirtschaft mit Zöllen unter Druck, sprach Handelsverbote für Wertpapiere bestimmter chinesischer Unternehmen aus und erschwerte chinesischen Investoren den Kauf von US-Firmen. Zwar ist der Handelskonflikt unter dem neuen Präsidenten Joe Biden etwas abgeflaut, aber auch er sieht China als starken Konkurrenten und will den harten Kurs fortsetzen.

Vor allem den amerikanischen Vorsprung im Technologiebereich will sich Biden von China nicht streitig machen lassen. Denn Technologie ist Macht. So hat er neben dem billionenschweren Infrastrukturpaket ein weiteres Investitionspaket in dreistelliger Milliardenhöhe für Forschung und Technologie auf den Weg gebracht. Vor allem Halbleiterproduktion und künstliche Intelligenz sollen im Fokus stehen.

Dass die USA früher oder später den Titel als größte Volkswirtschaft abgeben müssen, werden sie jedoch kaum verhindern können. Noch liegen sie, zumindest wenn das nominale Bruttoinlandsprodukt (BIP) als Messlatte gilt, auf Platz 1. Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt das US-amerikanische BIP für 2021 auf 22,7 Billionen Dollar, die Prognosen für China liegen mit 16,6 Billionen Dollar noch ein gutes Stück dahinter.

Aber auch in Zukunft dürfte die chinesische Volkswirtschaft in größeren Schritten wachsen als die amerikanische. Britische Wirtschaftswissenschaftler des Centre for Economics and Business Research (CEBR) rechnen damit, dass China die USA 2028 überholt. Beim BIP pro Kopf, das gern mal als Maß des Wohlstands der Bevölkerung herangezogen wird, ist China dann natürlich immer noch weit abgeschlagen. Schließlich stehen rund 1,4 Milliarden Chinesen einer US-Bevölkerung von 330 Millionen gegenüber.

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