Marc-Oliver Lux

Marc-Oliver Lux

"Yellen muss süchtigem Markt die Nadel entziehen"

In Washington steht ein historischer Stabwechsel bevor: Erstmals soll eine Frau die mächtige US-Notenbank (Federal Reserve Bank, Fed) führen. Die 67-jährige bisherige Vize-Chefin der Fed soll Anfang 2014 die Nachfolge von Ben Bernanke antreten. Die Zustimmung des Senats gilt als sicher.

Auf Yellen kommen große Aufgaben zu. Sie muss sehr wahrscheinlich bald nach Amtsantritt die Fed-Politik des billigen Geldes zurückfahren. Es gilt als höchst schwierige und riskante Aufgabe, Märkte und Wirtschaft von der langjährigen Niedrigzinspolitik zu entwöhnen. Das Risiko dabei ist, dass die Finanzmärkte und die Weltwirtschaft mit Nervosität reagieren und die Konjunktur einen Rückschlag erleidet.

Die US-Notenbank schwemmt seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 die Märkte mit billigem Geld und war so mitverantwortlich für einen Boom der Aktienmärkte an der Wall Street und weltweit. Im Frühsommer dieses Jahres hatte Bernanke den schrittweisen Ausstieg aus der Anti-Krisen-Zinspolitik angekündigt.

Als dann die Finanzmärkte fest mit der Umsetzung im September rechneten, machte Bernanke einen Rückzieher. Zu schwach ausgeprägt waren noch das Konjunkturpflänzlein und die Arbeitsmarktstatistik. Die Umsetzung des Ausstiegs wird daher auf Yellen zukommen.

Die Aufgabe, den Ausstieg ohne einen Einbruch der Finanzmärkte zu bewerkstelligen, gilt als historisch einmalig und höchst komplex. Die Geldschwemme hat den Markt zu einem Süchtigen gemacht, den man die Nadel zu entziehen droht.

Yellen hat einen guten Ruf. Seit den 70ern arbeitete die Ökonomin immer wieder für die Fed in Washington. Sie war später auch Chefin der Notenbank in San Francisco. Zwischendurch beriet sie den damaligen US-Präsidenten Bill Clinton.

Als Nummer Zwei ist Yellen bislang eine enge Beraterin von Bernanke und gilt als ausgesprochene Verfechterin der aktuellen Politik des billigen Geldes. Seit mehr als vier Jahren hält die Fed den Leitzins praktisch bei null Prozent. Zudem kauft sie monatlich Anleihen im Wert von 85 Milliarden US-Dollar, um die langfristigen Zinsen niedrig zu halten.

Leitzinserhöhungen stehen zunächst mal nicht unmittelbar an, aber zumindest das Anleihenkaufprogramm soll stufenweise zurückgefahren werden. Die Herausforderung, das Programm im richtigen Tempo ganz abzuwickeln, fällt Yellen zu.

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