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Feierabendverkehr in Jakarta, Indonesien Foto: IMAGO / Xinhua
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Covid-19 verändert die Welt

Zehn Implikationen für die Geldanlage

Was sind die wichtigsten Corona-Folgen für Anleger? Wie sollen Investoren in Vorbereitung auf die Realität nach der Pandemie ihre Portfolios umbauen? In der Folge gehen wir auf die zehn wichtigsten Fragen ein.

Bleiben Anleihen ein wichtiges „Gegengewicht“ in gemischten Portfolios?

Die expansive Geldpolitik hat auch bei den als sichere Häfen geltenden Anleihen, allen voran US-Staatsanleihen, zu so niedrigen Zinsen geführt, dass Anleihen Kurseinbrüche bei Aktien nicht mehr auf die bisherige Weise kompensieren können. Insofern sollte die Allokation von Staatsanleihen infolge der „Policy Revolution“ auf Sicht geringer ausfallen als vor der Pandemie.

Was macht das Portfolio robust, wenn Anleihen es nicht mehr können?

Die in der klassischen Portfoliokonstruktion stark den Anleihen zukommende Aufgabe des „Ballast“, also der Risikominimierung, ist wegen der extremem Niedrigzinsen zukünftig auf mehrere Assetklassen zu verteilen, und innerhalb der Assetklassen durch eine risikoaversere Zusammenstellung. So kann über das gesamte Portfolio mehr Robustheit erreicht werden, indem der Anteil nachhaltiger, also ESG-konformer Investments erhöht wird, denn nachhaltige Anlagen erzielen bei risikoadjustierter Betrachtung bessere Erträge als ihre nicht-nachhaltigen Pendants.

Wie ist das stetige Zinseinkommen zu ersetzen, das bei geringerer Anleiheallokation fehlt?

Auch im Fall der Einkommensströme, die bei geringerer Anleiheallokation entfallen, dürfte die Last auf mehrere Assetklassen zu verteilen sein. Eine besonders wichtige Rolle können alternative Anlagen spielen. So bieten immer mehr Lösungen im Bereich privater Märkte (insbesondere Private Debt), aber auch Infrastruktur und Immobilienfonds gute Alternativen zum klassischen Anleihesegment in Bezug auf stetige Einkommen und einen längerfristigen Anlagehorizont.

Sind Immobilien ein möglicher Verlierer der Pandemie?

Das Risiko sinkender Immobilienpreise, in der Tat oft als mögliche Folge der Corona-Krise thematisiert, sehen wir als eher gering an. Wie oben dargelegt, wird die Dauerhaftigkeit einer Abwanderung von Bürojobs ins Homeoffice zurzeit vermutlich überschätzt. Und während der weiter zunehmende Onlinehandel wohl notwendigerweise zu einer Umnutzung von bisherigen Kaufhausimmobilien führen wird, muss auch dies nicht zwingend sinkende Preise zur Folge haben. Auch der Markt für Wohnimmobilien hat sich nach einer Delle in Kaufanfragen und -angeboten im März und April schnell erholt. In Summe dürfte es statt auf breiter Front sinkenden Immobilienpreisen eher eine Divergenz geben. Derzeit sehen Büro- und Wohnimmobilienpreise robuster aus als die Bereiche Logistik, Handel und Gastronomie.

Soll ich trotz Covid-19 weiter Schwellenländer im Portfolio haben?

Ja. Gerade in Schwellenländern dürfte das Wachstumspotenzial hoch bleiben, besonders in den Bereichen, die als Erfahrung aus der Pandemie noch stärker als Wettbewerbsfaktoren in den Fokus geraten sollten, wie das Gesundheitswesen, digitale Infrastruktur oder das Bildungswesen. Auch bei Investitionen in nachhaltige Energieerzeugung und -logistik versprechen Schwellenländer gute Wachstums- und Ertragsmöglichkeiten. Eine besondere Rolle spielt China, das aus unserer Sicht in der Welt nach Covid-19 eher als Hybrid denn als reines Schwellenland betrachtet werden sollte. Hier sollten Portfolios zumindest in der Nähe der Benchmark-Gewichtungen chinesischer Aktien und Anleihen investiert sein, was angesichts der jüngeren Indexveränderungen erhebliche Höhergewichtung zur Folge haben dürfte.

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