22 Fragen an Michael Blümke „Richtig gut verlieren konnte ich noch nie“

Feiert Erfolge mit einem guten Steak: Ethenea-Manager Michael Blümke. | © Ethenea

Feiert Erfolge mit einem guten Steak: Ethenea-Manager Michael Blümke. Foto: Ethenea

  1. Ihre erste prägende Erfahrung zum Thema Geld?

Leider verzeichnete eine der ersten beiden Aktien, die ich 1998 während des Studiums gekauft hatte, bereits nach zwei Monaten einen 50-prozentigen Kursgewinn. Der schnell gewonnene Reichtum wurde natürlich sofort realisiert und hat eine Menge dummer Spekulationen nach sich gezogen. Im Endeffekt war das Geld weg und die Aktie ist heute 20-mal so viel wert. Das hat mich eine Menge über Disziplin, Geduld und Demut gelehrt

  1. Wären Sie nicht Fondsmanager geworden, wären Sie heute …

… entweder Wirtschaftsinformatiker oder noch wahrscheinlicher Generalstabs-Offizier. Vielleicht aber auch Psychologe. Für ersteres hatte ich mich vor meiner Zeit als Offizier der Bundeswehr interessiert. Letzteres finde ich heute sehr spannend

  1. Haben Sie ein berufliches Vorbild?

Nein, nicht wirklich. Es gibt eine Menge zu Recht sehr erfolgreicher und bekannter Investoren. Mit der Zeit habe ich aber festgestellt, dass es viel wichtiger ist, seinen eigenen Stil zu entwickeln

  1. Welche andere Persönlichkeit imponiert Ihnen oder fasziniert Sie?

Ich hatte vor 16 Jahren die Gelegenheit, Angela Merkel – damals noch Kanzlerkandidatin – bei einem Mittagsgespräch persönlich kennenzulernen. Ihre sachliche und ehrliche aber dennoch herzliche und zupackende Art imponiert mir. In einer schwierigen Zeit hat sie viel in und für Deutschland bewegt

  1. Welches Buch sollte jeder Fondsmanager gelesen haben?

Schwer zu sagen. Es gibt eine Vielzahl wirklich lesenswerter Bücher. Für mich war „Reminiscences of a Stock Operator” ein sehr prägendes Buch. Eher zufällig ist mir dieser Klassiker während meines Studiums in die Hände gefallen. Als eines der ersten Bücher, das ich über Finanzen gelesen habe, hat es meine Leidenschaft für diese Disziplin entfacht. Danach kamen noch unzählige dazu, bis ich mich irgendwann zwingen musste, auch mal wieder normale Literatur zu lesen. Mittlerweile habe ich – glaube ich – eine ganz gute Balance gefunden

  1. Wie motivieren Sie sich, wenn Sie mit Ihrem Fonds einmal hinter der Konkurrenz zurückbleiben?

So richtig gut verlieren konnte ich noch nie. Deshalb wurmt mich so etwas natürlich. Viel wichtiger aber ist, die Gründe zu analysieren, um es zukünftig besser zu machen. Das ist Ansporn genug. Denn man lernt ja auch nie aus

  1. Und die Belohnung, wenn Sie alle anderen abgehängt haben?

Um es im Fußball-Jargon zu sagen: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Dennoch kann ein Erfolg auch schon mal mit einem guten Steak gefeiert werden

  1. Ihr bislang schönstes Erlebnis als Fondsmanager?

Als sich im Sommer 2015 die gegen den Markkonsens aufgebauten umfangreichen Aktiensicherungen plötzlich mehr als bewährten, hat das die Analyse und Arbeit der Vormonate bestätigt

  1. Welchem verpassten Investment trauern Sie noch heute nach?

Ich habe mir abgewöhnt, alten Chancen hinterher zu trauern. Erstens kann man es sowieso nicht ändern. Und zweitens lenkt es nicht nur ab, sondern ist sogar richtig hinderlich, weil es unnötige mentale Anker oder Barrieren setzt

  1. Worüber haben Sie sich in jüngster Zeit so richtig geärgert?

Die aus deutscher Sicht total verkorkste Fußball-Weltmeisterschaft hat mich als Fußball-Fan wirklich geärgert

  1. Und wem würden Sie gern einmal gehörig die Meinung sagen?

Den sogenannten Protestwählern. Das Starkmachen extremistischer Links- oder Rechtspopulisten trägt nicht konstruktiv zum politischen Diskurs bei