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Bevorzugt bei japanischen Titeln öffentliche Versorgungsunternehmen und Unternehmen im Bereich Infrastruktur: Joël Le Saux, Portfolio Manager des OYSTER Japan Opportunities bei Syz Asset Management. | © Syz Asset Management

7 Prozent Eigenkapitalrendite Japan-Aktien sind jetzt sehr günstig

2018 floss eine Rekordsumme an ausländischen Kapitalströmen aus dem japanischen Aktienmarkt. Doch diese Kapitalflucht ist kein neues Phänomen: Schon seit Jahrzehnten lassen Vermögensverwalter weltweit japanische Aktien links liegen. Es ist eins der hartnäckigsten Rätsel in der Vermögensverwaltung: Warum halten Fondsselektoren eine Untergewichtung in der Anlageklasse, die am wenigsten mit den wichtigsten großen globalen Märkten korreliert?

Ein – vielleicht pragmatischer – Grund, weshalb Anleger in Japan untergewichtet sind, ist: „Westliche“ Anleger betrachten den Markt oft als peripher, da er in globalen Indizes viel weniger Gewicht hat als die USA oder Europa. Doch Japan ist auch zum Opfer des Home Market Bias der Anleger geworden. Denn das Land ist sehr weit von den globalen Kapitalmarktzentren der Industrieländer entfernt und wird von global investierenden Anlegern oft übersehen, die sich in der Regel mehr für Schwellenländer interessieren. Diese haben ein höheres Beta – die Kurse der Titel aus diesen Regionen schwanken stärker als ihr Index und sind somit risikoreicher, verheißen aber auch hohe Gewinne. Insbesondere China zieht die Aufmerksamkeit vieler Anleger auf sich – zuungunsten anderer Regionen.

Risikostreuung mit Japan-Aktien

Doch japanische Aktien sind als Anlageklasse ein wirkungsvolles Instrument der Risikostreuung. Mit einer Korrelation von 0,66 zu den USA und 0,70 zu Europa weist Japan eine geringe Korrelation zu anderen Aktienmärkten auf. Und so unfassbar das klingen mag: Aber Schwellenländer sind mit einer Korrelation von 0,79 den europäischen Märkten näher als Japan. In dieser Hinsicht sticht Japan für Vermögensverwalter weltweit als überragend diversifizierendes Element heraus.

Diese geringere Korrelation entsteht zum großen Teil durch die Währung. Der Yen ist sehr risikoavers – er zählt zu den defensiven Währungen, die im Gegensatz zu vielen anderen Währungen aufwerten, wenn Märkte schwanken. Aufgrund dieser Eigenschaft sollte der Yen einen festen Platz in jeder globalen Vermögensallokation haben. Auch europäische Anleger und Vermögensverwalter sollten Japan in ihren Portfolios daher nicht vernachlässigen. So diversifizieren sie ihre Allokationen in Titeln der europäischen Kernländer, und damit faktisch dem Euro, da der Großteil ihrer Investments auf die Gemeinschaftswährung lautet. Global gesehen stellt die Tokioter Börse Kabutocho eine gute Diversifizierungsquelle dar, mit der Anleger potenziellen Risiken in Europa begegnen können, wie etwa dem Brexit und der politischen Instabilität in Italien und Frankreich.

Trotz seiner Lage ist Japan zudem nicht so stark den stürmischen Marktschwankungen ausgesetzt, die oft die Schwellenländer Asiens heimsuchen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zunächst haben japanische Firmen insgesamt ein sehr geringes Engagement in China. Tatsächlich stammen in China die beliebtesten Smartphone-Marken aus dem eigenen Markt und die beliebtesten ausländischen Autos aus Deutschland. Obwohl China der größte Markt für Kraftfahrzeuge weltweit ist, ist dort nur jedes zehnte verkaufte Auto ein Toyota.

Dennoch belastet die chinesische Konjunkturverlangsamung einige zyklische Sektoren. Hierzu zählen Robotik, Fabrikautomatisierung und Rohstoffe wie Stahl. In unserem Portfolio halten wir aus diesem Grund nur drei der fünfzig im japanischen Unternehmen, die im Nikkei China Related Index vertreten sind, einschließlich Toyota. Der Nikkei China Related Index listet jene großen japanischen Unternehmen, die eine vergleichsweise hohe Verbindung mit China haben.

Fundamentale Gelegenheiten

Japanische Aktien sind derzeit günstig, und die Bewertungen berücksichtigen bereits eine Verlangsamung des Weltwirtschaftswachstums sowie die Herabstufungen der Konsensprognosen bei den Unternehmensgewinnen. Insbesondere das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) befindet sich auf einem Sechsjahrestief und liegt bei etwa 1,1 – mit einem Rückgang von rund 15 Prozent seit dem letzten Sommer. Dieses niedrige KBV macht den japanischen Markt sehr attraktiv. Als Eigenkapitalrendite könnten Anleger jährliche Gewinne von mehr als 7 Prozent erwarten.

Unabhängig davon liegt die Dividendenrendite bei etwa 2,5 Prozent. Hierbei können wir 1 weiteres Prozent für Aktienrückkäufe hinzurechnen. Denn viele Unternehmen, wie etwa Softbank und Sony, kündigten in der laufenden Berichtssaison signifikante und unerwartete Aktienrückkaufprogramme an. Zusammen ergibt das eine Aktionärsrendite von über 3,5 Prozent.

Hinzu kommt: Im Gegensatz zur Federal Reserve (Fed) oder der Europäischen Zentralbank (EZB) können wir die zukünftigen Maßnahmen der Bank of Japan, die gerade im Stillstand-Modus ist, sehr gut voraussehen. Stabilität wird im Jahr 2019 Japans Vorteil im Vergleich zu anderen wichtigen Aktienmärkten sein.

Angesichts der anhaltenden Verlangsamung der Weltwirtschaft bevorzugen wir Inlandsunternehmen und multinationale Unternehmen, die auf die USA ausgerichtet sind. Attraktive Bewertungen und eine gute Prognosesicherheit bieten unserer Ansicht nach öffentliche Versorgungsunternehmen und Unternehmen im Bereich Infrastruktur. Diese reagieren zudem kaum auf die Veränderungen des globalen Wirtschaftszyklus. Und wir mögen Unternehmen mit soliden Bilanzen, die gute Dividenden zahlen und gleichzeitig eine niedrige Ausschüttungsquote haben, um zukunftsfähige Zahlungen zu sichern. Zudem freuen wir uns immer, wenn Unternehmen als i-Tüpfelchen eine Rückkaufoption bieten – denn Aktienrückkäufe können Aktienkursen zusätzlichen Auftrieb verleihen.

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