AGI-Experte Hans-Jörg Naumer „Ich bin ein klarer Gegner von Gold“

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Was bedeutet das für Anleger?

Naumer: Es besteht weiterhin ein Druck, dass die Zinsen niedrig bis negativ bleiben. Gleichzeitig kommt von unten ein gewisser Reflationierungsdruck. Wir werden zwar wohl keine hohe Inflationsrate bekommen, aber die Inflation wird in den nächsten anderthalb bis zwei Jahren zurückkommen. Der Anleger steht vor einem Dilemma: Staatsanleihen kann er nicht mehr kaufen. Wenn er Geld auf Tagesgeld- oder Sparkonten lagert, zieht die Bank etwas ab – zur Not mit Gebühren. Er muss aber etwas tun, sonst verliert er durch die negativen Zinsen. Und er verliert Kaufkraft durch die Inflation. Der Anleger ist jetzt wirklich gefordert, aus seiner vermeintlichen Komfortzone herauszukommen.

Was können Anleger in dieser Situation machen?

Naumer: Sich nicht verrückt machen lassen. Die großen Entwicklungen sprechen dafür, dass man sich an Sach- und Realkapital beteiligen sollte – an Sachwerten in Form von Unternehmensbeteiligungen als: Aktien. Die Konjunktur fördert die Aktienseite, die Unternehmensgewinne. Wenn, dann gerade im europäischen Aktiensegment, wo die Bewertungen nicht überteuert sind. k  30% Aktien sind für mich ein guter Einstieg, je nach Anlegertyp auch gerne mehr.

Viele Anleger setzen momentan auf Immobilien.

Naumer: Das ist nicht unriskant. Wenn wir uns die Häuserpreise oder die Bodenpreisentwicklung in guten Lagen anschauen: Da haben wir ganz klar eine Vermögenspreisinflation. Ein „KGV“ gibt es bei Immobilien ja im Prinzip auch. Immobilienbesitzer können sich fragen, welche Jahresrendite, also welche Miete sie auf den Quadratmeterpreis erwarten, den sie bezahlt haben. Da sind wir momentan in beliebten Städten schon bei Kursverhältnissen, die wir im Dax höchstens mal im Jahr 2000 gesehen haben. Da war man sich hinterher allerdings darüber einig, dass das eine Blase war.

Was halten Sie von Gold als Schutz vor Inflation und Krisen?

Naumer: Gold ist meine Hassanlage. Es ist nichts anderes als eine Religion, ein Glaube. Gold hat historische einfach einen gewissen Nimbus, man kann es greifen. Dabei wird gerne vergessen, dass es vom Hoch- zum Tiefkurs auch schon mal 42 Prozent abgestürzt ist. Ich bin ein klarer Gegner von Gold. Es ist nichts, was irgendeinen Ertrag bringt. Wir glauben einfach, dass Gold morgen noch etwas wert sein wird. Wir könnten uns auch darauf verständigen, dass Miesmuscheln eine gute Assetklasse sind. Gold sieht schön aus, aber es bringt Ihnen überhaupt keinen Ertrag. Es ist nicht mal von der industriellen Verwendungsseite her spannend: Was wollen Sie mit Gold machen – außer Zahnfüllungen …

 

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