Ove Burmeister

Ove Burmeister

Altersvorsorge: „Der Markt braucht Netto-Produkte“

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DAS INVESTMENT.com: Sie waren zuvor unter anderem Vorstand bei Tecis Maklerservice und Jung, DMS & Cie. - wenn Sie mehr als 20 Jahre Finanzdienstleistung noch einmal im Zeitraffer anschauen, gibt es für Sie eine goldene Regel für Berater und Anleger? Ove Burmeister: Ja. Die Regel ist ebenso banal wie wahr, stammt von Mark Twain und ist bereits 140 Jahre alt. Sie lautet: Lege nicht alle Eier in einen Korb. Das Problem: Sie wird oft zitiert, aber wenig beachtet und ganz selten konsequent verfolgt. Deshalb sind bei Finanzmarktkrisen viele Kundendepots in schöner Regelmäßigkeit unter Wasser. Immer geht dabei auch viel Vertrauen verloren, die Abschlussbereitschaft muss mühsam wieder aufgebaut werden. Um diesem Teufelskreis zu entgehen, müssen Produktlösungen sozusagen für die Vorsorge nach der aktuellen Krise her.  DAS INVESTMENT.com: Das heißt? Burmeister: Auf der einen Seite sollten Renditepotenziale des Aktienmarkts genutzt werden, bei der langfristigen Altersvorsorge gibt es dazu keine Alternative. Auf der anderen Seite müssen wir die Volatilität begrenzen und Inflationsschutz bieten. Wir haben deshalb Okeanos im Mai 2009 gegründet und mit Performance Control einen Multi-Asset-Sparplan entwickelt. Bei diesem setzt der Anleger auf Investmentfonds und mit einem Teil seines Kapitals auf echte Sachwerte, indem er über den geschlossenen Dach-Fonds Sachwerte Select etwa in Immobilien, regenerative Energien, Gold, Schiffe und Logistikprojekte investiert. Der Einstieg ist ab 50 Euro monatlich oder ab 2.000 Euro Einmalbeteiligung möglich, das Ganze läuft auch als Sparvertrag für Vermögenswirksame Leistungen. Als Zielrendite peilen wir mindestens 7 Prozent jährlich an. DAS INVESTMENT.com: Mit welchen Investmentfonds? Burmeister: Kerninvestment ist der Fonds HV Global Endowment Portfolio von Hamburger Vermögen. Er verfolgt einen Multi-Asset-Ansatz nach dem Nobelpreisträger Harry Markowitz und allokiert sein Portfolio nach der Methode des Stiftungsfonds der US-Elite-Universität Yale. Daneben bieten wir langfristig erfolgreiche Fonds von Fortis und den offenen Immobilienfonds Hansa Immobilia von Hansainvest. Als Gesamtlaufzeit sehen wir 10 bis 45 Jahre vor. DAS INVESTMENT.com: Nun ist aber auch der Yale-Stiftungsfonds im Jahr 2008 um mehr als 20 Prozent  abgestürzt, … Burmeister: … doch lagen in diesem Zeitraum zum Beispiel der Weltaktienindex MSCI rund 38 Prozent und der US-Index S&P 500 sogar knapp 47 Prozent im Minus. Über zwei Jahrzehnte betrachtet, liegt das Yale-Portfolio bei jährlich 16,6 Prozent im Plus und hatte nur ein einziges Verlustjahr. Zudem fährt der HV-Fonds in deutlich ruhigerem Fahrwasser als der Yale-Stiftungsfonds, er hat im Jahr 2008 weniger als 5 Prozent verloren. Wertstabilität ist für uns der wichtigste Faktor. Darüber hinaus profitieren Sparer, die bei den Fonds regelmäßig einzahlen, vom Cost-Average-Effekt. Wir haben unsere Offerte Performance Control getauft, da das Portfolio in jedem Zwölf- Monats-Zeitraum einen positiven Ertrag erwirtschaften soll. Dies bedeutet weniger Stress für Anleger und Berater. Außerdem ist es sehr flexibel. Neben den drei Anlagestrategien Sicherheit, Wachstum und Dynamik sind jederzeitige Zuzahlungen oder Entnahmen möglich. DAS INVESTMENT.com: Bei der Beteiligung am geschlossenen Dach-Fonds dürfte allerdings die Handelbarkeit der Anteile für Anleger nur eingeschränkt möglich sein. Burmeister: Das stimmt, aber bei einem langfristigen Vermögensaufbau steht das schnelle Rein und Raus bei der Anlage ja auch nicht im Vordergrund. Doch wir haben ein im deutschen Markt einzigartige Regelung gefunden: Die Beteiligung am Sachwerte-Select-Fonds vom Emissionshaus Prosperity kann jeweils drei Monate vor Ende des Kalenderjahres gekündigt und dann ausgezahlt werden. Die Anteile werden dabei nach dem Stuttgarter Verfahren bewertet. Damit ist auch das Sachwerte-Portfolio fungibel. DAS INVESTMENT.com: Wie viele Anleger könnten gleichzeitig ihre Anteile zurückgeben? Burmeister: Der Sachwerte-Fonds kann bis zu 64 Prozent Volumenabgang innerhalb eines Monats verkraften. Überschreiten wir dieses Volumen, würde er kurzfristig geschlossen. Doch halte ich dies für eher theoretisch. Für nachfolgende Anleger entsteht die attraktive Situation, dass sie die zurückgegebenen Anteile ohne Vorkosten erwerben können, oder sie werden am Zweitmarkt veräußert. DAS INVESTMENT.com: Stichwort Kosten - wie hoch sind diese bei dem geschlossenen Fonds? Burmeister: Die Weichkosten rangieren bei lediglich 6,8 Prozent für Einmalanleger und 8,7 Prozent für Ratensparer. Ein Agio ist nicht vorgesehen, somit gehen deutlich über 90 Prozent der Kundengelder in die Sachwertinvestition. Performance Control verzichtet auf jegliche überflüssige Gebühren wie etwa Agios oder Versicherungsleistungen, alle Fonds werden zum Nettoinventarwert gekauft. Unsere Sparpläne sind also Netto-Produkte - das findet nicht zuletzt auch Anklang bei Verbraucherschützern und ist auch politisch gewollt. Der Kunde zeichnet bei Okeanos zwei Verträge: Einen mit der Max H. Sutor Privatbank, die als Depotbank Inkasso und Anlage regelt. Dieser Vertrag löst weder Kosten noch Provisionen aus. Der zweite Vertrag regelt die Vertriebsvergütung. DAS INVESTMENT.com: Und wo liegt die? Burmeister: Bei maximal 58 Promille bei Abschluss plus bis zu 30 Promille Bestandsprovision für den Sachwerte Select sowie 0,25 Prozent bei den Investmentfonds. Das ist mehr als in der Regel im Fondspolicen- und Investmentfonds-Vertrieb, dennoch bleiben die Gesamtkosten vergleichsweise gering. Zudem wird ein großer Teil der Kickbacks dem Kunden gutgeschrieben, der so über die Laufzeit die Abschlusskosten wieder erstattet bekommt. Uns ist diese Transparenz wichtig, die etwa bei Versicherungsprodukten noch längst nicht erreicht wird. DAS INVESTMENT.com: Was ist im Stornofall? Burmeister: Der Kunde schuldet  auch dann die Vergütung – das dämmt Stornos wirksam ein und wirkt Umdeckungs- und Abwerbungsaktionen entgegen. Und wir haben mit 1,3 Monaten pro Laufzeitjahr eine vergleichsweise kurze Stornohaftungszeit eingebaut. In dieser Zeit fließen 80 Prozent der Einlage in die Tilgung der Vertriebsvergütung, 20 Prozent kommen zur Anlage – danach investiert der Kunde 100 Prozent seines Kapitals. Und damit hat auch der Berater Planungssicherheit. Zugleich ist unser Produkt geeignet für die gesamte Bandbreite im Vertrieb: Von strukturierten Organisationen über Finanzmakler und Honorarberater bis zu Vermögensverwaltern. Seit Vertriebsstart im September zeichnet sich ab, dass Performance Control besonders im Einmalanlagebereich als intelligente Alternative zu Single-Investments eingesetzt wird.

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