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Anleiheprogramm unter dem Makroskop Warum das EZB-Geld keine Inflation erzeugt

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Wie man einen Kredit bucht

Wenn eine Bank Geld verleiht, vergrößert sie ihre Bilanz und erzeugt damit neues Geld. Geld, das als sogenanntes Giralgeld direkt in die Wirtschaft fließt. Als Vermögensgegenstand auf der Aktiv-Seite verzeichnet die Bank eine sogenannte Forderung an Kunden. Auf der Passiv-Seite entsteht als Gegengewicht eine Verbindlichkeit an Kunden, nämlich der dem Konto gutgeschriebene Kreditbetrag. Hebt der Kreditnehmer ihn bar ab oder überweist er ihn zu einer anderen Bank, kürzt die Bank ihre Passiv-Seite mit den Verbindlichkeiten. Als Gegengewicht in der Aktiva verringert sie ihr EZB-Guthaben, weil Banken untereinander immer über die Zentralbank buchen.

In einer anderen Bank kommt das Geld auf dem Konto und damit in der Aktiva an und landet parallel als Guthaben auf dem Kundenkonto. Man könnte sagen, das Geld ist dann im Umlauf. Und das ist es, was die EZB zurzeit so gern möchte.

Woran es hakt

Nur kann sie das alleine nicht erzwingen, wie die hier beschriebene buchungstechnische Seite zeigt. In seinem Beitrag „Wie kommt das Geld in die Welt?“ schreibt Rainer Naser, stellvertretender Leiter des Präsidenten-Stabs der Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbank in Berlin und Brandenburg, dass die Nachfrageseite den Ausschlag gibt. „Ob Kreditangebote einer Bank letztendlich wahrgenommen werden, hängt unter anderem von den Bankkonditionen, der Rentabilität des Investitionsprojekts oder den Einkommensperspektiven der Konsumenten ab“, heißt es im Text. Heißt im Umkehrschluss: Die Zinsen können noch so tief liegen, und die Zentralbankguthaben können noch so hoch sein, wenn Unternehmen und Privatpersonen keinen Kredit haben wollen oder können, dann klappt’s auch nicht mit der Geldflut. Oder um es mal volkswirtschaftlich auszudrücken: Auch sinkende Zinsen haben einen abnehmenden Grenznutzen.

Außer der Nachfrage regelt auch die Eigenkapitalquote, wie viel Geld Banken als Kredit ausgeben. Und hier hat der europäische Regulator – absolut zu Recht, wohlgemerkt – die Zügel seit der Finanzkrise sogar noch kräftig angezogen. Stichwort: Basel-Richtlinie.

Was die EZB tatsächlich begünstigt

Wo die Anleihekaufprogramme zweifellos wirken, das sind die Staatsfinanzen. Indem die EZB den Markt leerfegt und indirekt Garantien ausspricht, können sich die Euroländer hemmungslos verschulden. Einige machen das (Frankreich, Italien), andere nicht so (Deutschland, Spanien). Italien beispielsweise hat seinen Schuldenberg seit Start der Anleihekäufe (2015) um fast 200 Milliarden Euro erhöht. Frankreich schaffte sogar 290 Milliarden Euro. Für die gesamte Eurozone weist der Internationale Währungsfonds zwischen 2019 und 2015 einen Schuldenzuwachs von 480 Milliarden Euro aus.

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