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Arbeitsmarkt in den USA und Europa im Vergleich Warum Kurzarbeit nicht der Königsweg ist

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Italien bleibt Risikoland

Nicht zuletzt stellt Italien ein besonderes Risiko dar. Mit 7,8 Prozent rangierte die italienische Arbeitslosenquote im Mai 120 Basispunkte unter dem Niveau vom Februar. Dieser Rückgang lässt sich vor allem dadurch erklären, dass viele Menschen aufgrund der eingeschränkten Mobilität, ihrer familiären Pflichten und aus Vorsicht nicht mehr arbeiteten. Von Februar bis April wechselte der Beschäftigungsstatus von mehr als einer Million Menschen auf „inaktiv“. Die Zahlen dürften weiter steigen.

Derzeit wird der Stellenabbau in Italien noch durch das gesetzliche Verbot begrenzt, unbefristet angestellte Mitarbeiter zu entlassen. Die Regelung soll aber Mitte August außer Kraft gesetzt werden. Sobald das Verbot aufgehoben oder gelockert wird, ist abermals mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit zu rechnen.

Neben dem Ansteckungsrisiko werden die Arbeitslosenquoten in Europa und den USA von weiteren Faktoren abhängen. Etwa davon, inwieweit Politiker und Regierungen ihre Hilfsmaßnahmen aufrechterhalten können und wollen, wie viele Unternehmen rentabel bleiben, wie tiefgreifend die strukturellen Veränderungen ausfallen und als wie anpassungsfähig sich die einzelnen Länder erweisen.

Europa könnte bis Jahresende zurückfallen

Unserer aktuellen Prognose zufolge wird die zuletzt schwächere Entwicklung des US-Arbeitsmarkts nicht anhalten. Bis zum Jahresende rechnen wir mit einem Rückgang der US-Arbeitslosenquote auf etwa 9 Prozent, während die europäische Arbeitslosenquote im gleichen Zeitraum auf rund 11 Prozent steigen dürfte.

In Anbetracht der zuletzt abweichenden Covid-19-Entwicklungen in den USA und Europa aber sind die Basisprognosen mit einer größeren Unsicherheit behaftet. Während Europa bislang das Infektionsgeschehen in Schach halten konnte, nehmen die Covid-19-Fallzahlen in mehreren US-Bundesstaaten deutlich zu, die für etwa 40 Prozent der US-Wirtschaftsleistung verantwortlich sind.

Als weitere Herausforderung könnte sich für die USA der jüngste Wandel des Verbraucherverhaltens erweisen: In den vergangenen Wochen fielen die gewerblichen Einkünfte und die Konsumausgaben zunehmend geringer aus – insbesondere in Gebieten, die von akuten Ausbrüchen betroffen sind. Das könnte zusätzliche fiskal- und geldpolitische Hilfsmaßnahmen erfordern und sich negativ auf die US-Arbeitslosenquote auswirken.

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