Zwei Frauen im Kimono in einer historische Straße in Kyoto Foto: Unsplash.com

Vermögensverwalter Stefan Wallrich

Was momentan die Aktienmärkte beflügelt

Stefan Wallrich,
Foto: Wallrich AM

Nachdem sich die Schuldenstände vieler Staaten in den zurückliegenden Jahren nur moderat erhöht hatten, ist es mit der Corona-Pandemie analog zur Weltfinanzkrise 2008/2009 erneut zu einem deutlichen Sprung nach oben gekommen. So prognostiziert der Internationale Währungsfonds (IWF) für das vergangene Jahr einen Anstieg der globalen Staatsverschuldung von 83 Prozent (Ende 2019) auf 99 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. „Spitzenreiter“ nach Japan (266 Prozent des BIP) sind Griechenland und Italien (205 Prozent und 162 Prozent), aber auch Spanien (123 Prozent) und Frankreich (119 Prozent) sind mit überdurchschnittlich hohen Werten dabei, während Deutschland mit „lediglich“ 73,3 Prozent ( plus 13,8 Prozentpunkte) diesbezüglich noch verhältnismäßig gut aufgestellt ist.

Staatsverschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP)
Quelle: Internationaler Währungsfonds

Fiskalpolitische Maßnahmen in historischer Größenordnung

Die Hauptgründe für den rapiden Anstieg der öffentlichen Schuldenquote sind neben der weltweit rückläufigen Wirtschaftsleistung (Ausnahme: China) insbesondere sinkende Staatseinnahmen sowie die massiven Stützungs- und Konjunkturhilfen. Praktisch alle solventen Regierungen pumpen sie zur Abfederung der Corona-Krise in ihre Volkswirtschaften. So hat die Bundesregierung bereits im Sommer vergangenen Jahres ein Konjunkturprogramm in Höhe von 130 Milliarden Euro verabschiedet. Hinzu kommen Staatsgarantien für Unternehmensverbindlichkeiten, direkte Staatsbeteiligungen und KfW-Refinanzierungen von bis zu 600 Milliarden Euro.

Zusammengenommen entsprechen die Beträge über der Hälfte der Marktkapitalisierung des Dax, also der 30 größten deutschen börsengehandelten Unternehmen. Frankreich hat ein Konjunkturprogramm von 100 Milliarden Euro beschlossen, und das von der italienischen Regierung verabschiedete „Maxibudget“ umfasst sogar ein Volumen von 155 Milliarden Euro, um nur einige Beispiele aus der EU zu nennen. Die Europäische Union selbst hat sich auf einen Wiederaufbaufonds in Höhe von 750 Milliarden Euro geeinigt. Dieser soll sich über eine gemeinsame am Kapitalmarkt begebene Anleihen speisen.

Steigende Preise bei Sachanlagen

Tragbar sind die weltweit hohen Schuldenstände nur durch die ultra-expansive Geldpolitik aller großen Zentralbanken. Ihnen ist es auf Jahre hinweg praktisch unmöglich geworden, die geldpolitischen Zügel wieder anzuziehen. Selbst moderate Zinsanhebungen dürften auf mittlere Sicht kaum noch möglich sein. Andererseits sind die Notenbankbilanzen in den vergangenen zwölf Monaten geradezu explodiert. So liegt inzwischen circa ein Drittel aller Euro-Staatsanleihen bei der EZB. Deren Bilanzsumme hat sich im vergangenen Jahr um knapp die Hälfte erhöht. Ähnlich fällt das Bild bei anderen Zentralbanken aus. 

Diese Entwicklungen – steigende Staatsverschuldung und abnehmende Handlungsspielräume der Zentralbanken – sind mit einem schleichenden Vertrauensverlust in die wichtigen Währungen verbunden. Da hiervon sowohl der US-Dollar, wie auch der Euro und der Yen betroffen sind, fällt die Schwäche untereinander nicht auf. Im Vergleich zu Sachwerten (im Allgemeinen Aktien, Immobilien, Edelmetalle), gegenüber denen es zu einer kontinuierlichen Abwertung kommt, macht sie sich aber schon seit Jahren bemerkbar. So sind die Preise für das Sachvermögen privater deutscher Haushalte laut einer Studie des Flossbach von Storch Research Institute im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal zuletzt um 5,5 Prozent (Stand: 30.09.2020) angestiegen. Im Durchschnitt lagen die Steigerungsraten seit 2005 bei 3,2 Prozent jährlich.

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