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Aus grau wird grün

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Der oberpfälzische 6.000-Seelen-Ort Hirschau schreibt Öko-Pioniergeschichte. Denn die dort ansässige Sic Processing AG wird mit Auszeichnungen überhäuft: Sie hat ein Verfahren entwickelt, den Siliziumkarbid- und Glykol-Cocktail zu recyceln, mit dessen Hilfe Solarzellen zugeschnitten werden. Dafür erhielt die Firma den Cleantech-Preis von Dow Jones und ist unter den Top 10 der europäischen Cleantech-Unternehmen gelistet, die „The Guardian” prämiert hat. Freuen können sich darüber auch die Emissionshäuser Wölbern Invest und Chorus, deren Fonds sich über den Zielfonds Zouk Cleantech Europe an Sic Processing beteiligt haben. Cleantech, zu Deutsch Klimaschutztechnik, gilt als Schlüsselbranche des 21. Jahrhunderts. Cleantech-Firmen arbeiten wie Sic Processing im Solar- und Recyclingbereich, sind Hersteller von Energiespeicher- und Filtertechniken oder stellen Kraft- und Dämmstoffe her. Von Recycling bis Entsorgung >> Grafik vergrößern Diese Zukunftstechnologien setzen angesichts des Klimawandels einen Investmenttrend: 2007 haben Private-Equity- Fonds weltweit rund 6,1 Milliarden US-Dollar in die Branche investiert, 2008 waren es bereits 8,4 Milliarden US-Dollar – der siebte Anstieg in Folge. 2009 werden grüne Fonds besonders nachgefragt, sind sich Emissionshäuser und Vertriebe sicher. Diese Tendenz weist auch die Markterhebung von Feri für 2009 aus. „Als Konsequenz der Klimadiskussion werden grüne Beteiligungen eine immer tragendere Rolle spielen“, sagt Alexander Betz, Vorstandsvorsitzender der Efonds Group. „Sie stellen eine ernst zu nehmende Alternative zu traditionellen Angeboten wie Schiffs- oder Immobilienfonds dar.“ Indes: Cleantech haben bislang wenige Initiatoren in Fondskonzepte gegossen. Und die werden den Zukunftschancen nach Ansicht von Vertriebsexperten nur eingeschränkt gerecht. „Viele Produkte leben von der Aufbruchstimmung und neuen Marketingideen, die reich an Fantasie sind“, urteilt Jörg von Nostitz-Wallwitz vom Finanzvertrieb Plansecur – und das ist nicht unbedingt als Kompliment gemeint. Die solidesten Angebote, so die Einschätzung der von DAS INVESTMENT befragten Vertriebe, sind die Fonds Chorus Clean Tech Equity 2 und Wölbern Pro Klima 03. Doch die Nachfrage könnte besser laufen: Der Vorgängerfonds von Chorus wurde im Herbst 2008 nach acht Monaten mit 7 Millionen Euro geschlossen – 30 Prozent unter Plan. Der Chorus-Auftaktfonds ist in zwei Zielfonds engagiert: dem Zouk Cleantech Europe und dem Hudson Clean Energy Partner mit Investmentschwerpunkt USA. Das Portfolio erstreckt sich auf bislang 14 Unternehmen. „Da diese Fonds auf markterprobte Unternehmen setzen, halten wir die Streuung für ausreichend, um das Risiko zu begrenzen“, so Chorus- Geschäftsführer Peter Heidecker. Wenig Cleantech in KG-Fonds Der aktuelle Chorus-Fonds ist ebenfalls am Hudson-Fonds beteiligt, soll aber noch zwei weitere Zielfonds zeichnen. Da das Management von Chorus keine Private-Equity-Erfahrung hat, wurde das Beratungsunternehmen FHP Private Equity Consultants engagiert, das seit sechs Jahren auf Cleantech spezialisiert ist und institutionelle Anleger, zum Beispiel die Hamburger Sparkasse, betreut. Der Pro Klima 03 ist der dritte Private- Equity-Fonds des Hauses Wölbern, aber dessen erstes Cleantech-Investment. Anders als das Chorus-Produkt will der Fonds die Hälfte des Kapitals direkt in Cleantech-Firmen investieren, vor allem im deutschsprachigen Raum. Noch wurde keine Direktbeteiligung eingegangen, es sind aber fünf Fonds mit derzeit 32 Zielinvestments gezeichnet, darunter der Zouk Cleantech Europe. Das Management des Wölbern-Fonds war vorher beim Private-Equity-Unternehmen Equitrust beschäftigt. Es hat dort den Solarzellenhersteller Ersol bis zum Börsengang 2006 betreut, der den Einsatz der Investoren verachtfachen konnte. Die übrigen Angebote (siehe Liste) wollen ebenfalls direkt in Cleantech investieren. Vielfach handelt es sich um Blindpools, bei denen detaillierte Investitionskriterien fehlen. Unter Investmentgesichtspunkten springen zusätzlich Schlüsselpersonenrisiken und geringe Risikostreuung ins Auge. Einen weiteren Grund, warum Cleantech unter den geschlossenen Fonds noch nicht mehr Anhänger gefunden hat, nennt Michael Kopetz, Prokurist beim Hamburger Spezialvertrieb Dr. Ludz: „Noch trauen sich viele Vertriebe nicht an Venture-Capital- Fonds heran. Dabei stecken in den Fonds – anders als bei vielen zur Jahrtausend - wende aufgelegten – vielfach etablierte Firmen mit marktfähiger Technik.“ Trend zu Venture Capital l Auch die Finanzkrise ist dem Absatz von Venture-Capital-Fonds nicht zuträglich. Doch allem Anschein zum Trotz könnten sie von der Krise profitieren – belegt die Pricewaterhouse-Coopers-Studie „Private Equity Trend Report 2009“. Etliche Fondsmanager, so die Studie, würden sich vom Geschäftsmodell kreditgehebelter Unternehmensübernahmen verabschieden und verstärkt Venture Capital zuwenden wollen. Auf die Kreditklemme reagierten die Venture- Capital-Fonds mit einer höheren Eigenkapitalquote. Philip Frerichs, Vorstand von Wölbern Private Equity, ist aus einem anderen Grund zuversichtlich: Wegen der Klimaschutzauflagen der EU und den 150 Milliarden US-Dollar, die die neue US-Regierung zur Förderung einsetzen will, werde sich Cleantech schneller als andere Branchen von der Krise erholen. Und schließlich: „Bei der jetzigen Marktlage können wir uns mit der Auswahl der Zielfonds und -unternehmen mehr Zeit lassen, da wir nicht fürchten müssen, dass uns größere Fonds mit viel billigem Geld zuvorkommen. Zudem sind mehr Unternehmen wegen der Kreditklemme auf alternative Geldgeber angewiesen.“ Beteiligungen an Cleantech sind also Trend und antizyklisches Investment zugleich. „Das ist etwas für Vordenker und Nachdenker, also für Mutige“, resümiert Kopetz. Und damit wohl nichts für das Gros der Anleger. Nicht alles, was Sonne ist, glänzt Darum wollen etliche größere Emissionshäuser dieses Jahr keine Cleantech-, sondern Solarenergiefonds auflegen (siehe DAS INVESTMENT 10/2008). „Attraktiv sind diese wegen des leicht darstellbaren Cashflows auch für konservative Investoren”, so Kopetz. Denn Solarfonds bieten auf Grundlage gesetzlicher Regelungen prognostizierbare Ausschüttungen. Doch wie verlässlich diese garantierten Einspeisevergütungen langfristig sind, hängt unter anderem auch von der politischen Stabilität der Regierungen in Italien, Griechenland und Spanien ab. Hinzu kommt: Es ist offen, ob alle Solar- Neulinge in der Lage sein werden, ertragreiche Anlagen einzukaufen. In Spanien werden bereits etliche Ladenhüter angeboten. Bleibt zu hoffen, dass die erfahrenen Emissionshäuser im Fall des Falles für ein professionelles Krisenmanagement sorgen werden.

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