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Baader-Bank-Chefanalyst Robert Halver „In Washington sitzt ein Nero an den Machthebeln“

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Schaut man auf die dilettantisch agierenden demokratischen Gegenkandidaten, muss Trump wenig Angst vor einer Abwahl im November 2020 haben. Aus heutiger Sicht wird ebenso ein Amtsenthebungsverfahren im US-Senat scheitern. So kann sich Trump im Wahlkampf als Sieger verkaufen. Der Westen leidet weiter an Schwindsucht.

Europa verzwergt sich 

Rein theoretisch könnte Europa die alten westlichen Werte verteidigen. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit wurden bei uns erfunden. Doch selbst Großbritannien als Wiege der modernen Demokratie fällt aus. Dort denkt ein geklonter Donald auch nicht an sein Land, geschweige denn an Europa, sondern nur an sich.

Geopolitisch führt auch der Rest Europas nur einen Zwergenaufstand gegen Autokraten. Knallharte Wirtschaftssanktionen, die den Sultan aufgrund seiner Konjunkturkrise durchaus beeindruckten, werden gescheut, weil sich dann die türkischen Flüchtlingstore öffnen. Die Geschichte zeigt, dass unmutige Beschwichtigungspolitik der Marke „Toleranz gegenüber Intoleranz“ das Problem nicht lösen, sondern verstärken. Wir lassen uns erpressen.

Europäische Waffenembargos gegen die Türkei sind nur Wattebällchen. Sie können durch andere Vollsortimentanbieter ausgeglichen werden. Wer bereits russische Raketen gekauft hat, wird auch Panzer und Flugzeuge aus Russland erwerben. So zerfasert das westliche Militärbündnis an seinem südosteuropäischen Rand zur erneuten Freude Putins weiter. Ohnehin hat die Nato an Abschreckung verloren. Man muss den Eindruck gewinnen, dass die Bundeswehr zur Heilsarmee umgebaut werden soll. Denn warum erfüllt Deutschland nicht das von Berlin vertraglich vereinbarte Ziel eines Wehretats in Höhe von zwei Prozent der Wirtschaftsleistung? So gibt man übrigens Trump nur unnötig Munition, gegen uns zu stänkern.

Wer nur mit moralischer Überheblichkeit gewinnen will, hat wirtschaftspolitisch verloren

Die Spatzen pfeifen es längst vom Dach des Bundeswirtschaftsministeriums: Deutschland als früherer Stern am europäischen Wirtschaftshimmel steht vor einer Rezession. Handelskrieg und Brexit haben sicherlich zur Verunsicherung beigetragen.

Leider hat Berlin in den guten Konjunkturjahren keine Eichhörnchen-Politik betrieben, die für harte Zeiten vorsorgt. Stattdessen die schöne heile Welt mit immer mehr Sozialleistungen zu versprechen, ohne zu sagen, wie diese erwirtschaftet werden, ist aber schon mathematisch unvernünftig. Das Fell des Bären kann man eben erst verteilen, wenn er erlegt ist.

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