Donald Trump verlässt das Oval Office: Der US-Präsident wechselt täglich zwischen Friedens- und Racheengel hin und her, sagt Baader-Bank-Chefanalyst Robert Halver. Foto: Getty Images

Baader-Bank-Chefanalyst über Handelskonflikte

Trumps Pöbelei gegen Europa nutzt sich ab

Robert Halver
Bild: Baader Bank

Das (Börsen-)Jahr neigt sich dem Ende zu und Resümees werden bereits gezogen. Was war wohl das Börsenwort 2019? Die üblichen Verdächtigen wie Nullzinsen oder Kapitalismus ohne Zins haben sich längst abgenutzt. „Brexit-Chaos“ war auch ein heißer Kandidat, aber der Gewinner ist ein anderer Begriff.

And the winner is…

Wenn auch offiziell nicht gekürt, spricht wieder viel für „Handelskrieg“. Er war ja bereits im Vorjahr das Börsenwort, besser gesagt Börsenunwort des Jahres. Von Juni bis Dezember 2018 war er für ein Minus beim Dax von 21 Prozent verantwortlich. Denn eine Exportnation wie Deutschland, die im Welthandel mindestens die zweite Geige spielt, spürt Trumps Handels-Rute am stärksten.

Vom Angst- zum Gutwort

„Unser täglich Handels-Trump gib uns heute“: Auch in diesem Jahr hing der Handelskrieg den Anlegern zum Hals heraus wie jeden Tag Plätzchen in der Weihnachtszeit. In gefühlt 100 Tweets wechselte der US-Präsident zwischen Friedens- und Racheengel hin und her. War ein Handels-Deal vormittags wegen phantastischer Gespräche mit Peking noch zum Greifen nah, entfernte er sich nachmittags wieder um viele Lichtjahre. 

Dennoch, trotz seiner Qualitäten als Brechmittel scheint der Handelskrieg seine Hau ab-Wirkung auf Aktienkurse verloren zu haben. Wir haben zwar immer noch keinen Deal zwischen Amerika und China, noch nicht einmal ein Teil-Abkommen. Und Trump zwitschert weiter wie ein Rotkelchen auf der Balz oder schimpft wie ein Rohrspatz, der kein Vogelweibchen findet. Und dennoch zeigt sich der Dax mit weit über 25 Prozent Performance so freundlich, als habe Trump den Freihandel persönlich erfunden.

Bemerkenswert ist die noch bessere Wertentwicklung des MDax. Schließlich ist er das Auffangbecken besonders weltkonjunktur- und exportabhängiger Werte. Der Zollstreit müsste normalerweise Irritationen hervorrufen wie Fleischspieße auf einem veganen Weihnachtsmarkt.  

Was sich liebt, das neckt sich

Doch beweist diese Wertentwicklung eigentlich nur, dass Börse Zukunft bezahlt. Zwar kann China schon aus Gründen der Gesichtswahrung wegen der amerikanischen Unterstützung für die Hongkonger Demokratiebewegung keine große Handels-Friedenspfeife rauchen. Doch führen die zuletzt erneut rückläufigen Exportzahlen der KP schmerzhaft vor Augen, dass selbst in China der Bambus nicht in den Himmel wächst. Hinter der fauchenden Fassade ist der Drachen durchaus geneigt, für mehr amerikanische Zollfreundlichkeit auch wieder mehr Agrargüter aus dem Mittleren Westen einzukaufen.

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