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Sehen Brexit-Risiken für Deutschlands Politik und Wirtschaft: Felix Herrmann (links) und Martin Lück (rechts) von BlackRock Deutschland. | © BlackRock Foto: BlackRock

BlackRock-Analyse

Was der Brexit für Deutschland bedeutet

Seit der Zustimmung von britischem Unter- und Oberhaus zum EU-Austrittsabkommen im Januar 2020 war klar: Am 31. Januar 2020 verlassen die Briten offiziell die Europäische Union (EU). Mit Ausnahme dieser unumstößlichen Tatsache ist allerdings alles Weitere rund um den Brexit absolut unklar. Denn mit der im Februar 2020 begonnenen Übergangsfrist beginnt eine neue Phase der Unsicherheit – nicht nur auf der Insel, sondern auch für die deutsche Wirtschaft, die deutschen Haushalte und den deutschen Staat.

Die Übergangsfrist war im Austrittsvertrag einst als (damals schon viel zu kurzer) Zweijahreszeitraum für die Aushandlung eines Freihandelsabkommens geplant gewesen. Seitdem ist sie durch den mehrmals verschobenen Austritt aber auf elf Monate zusammengeschrumpft. Wenn es bis Ende dieses Jahres kein Abkommen gibt, wird es doch noch zum harten Brexit kommen.

Fakt ist: Der Brexit dürfte viele Verlierer hervorbringen

Die britische Regierung strotzt vor Optimismus und sieht sich in einer großartigen Verhandlungsposition. Premier Boris Johnson hat deshalb eine Verlängerung des Übergangszeitraumes, die er bis zum 1. Juli beantragen müsste, kategorisch ausgeschlossen. Nüchtern betrachtet erscheinen aber bestenfalls Eckpunkte eines Freihandelsabkommens – alternativ dazu ein sehr rudimentärer Deal – bis Jahresende realistisch. Folglich ist es aus unserer Sicht wahrscheinlich, dass die Unsicherheiten um Sterling-Anlagen ab Mitte des Jahres wieder aufflammen.

Wir nehmen den offiziellen Austritt der Briten aus der EU zum 31. Januar als Anlass für eine erste Bestandsaufnahme und stellen die Frage, wie sich der bevorstehende Brexit auf die deutsche Wirtschaft und Politik bereits ausgewirkt hat. Während London und Brüssel noch verhandeln, hat der bevorstehende Brexit bereits jetzt erheblichen wirtschaftlichen Schaden angerichtet. Auch die noch zu erwartenden Konsequenzen wollen wir beleuchten.

Hierbei vereinfachen wir bewusst die unüberschaubare Zahl an Szenarien und konzentrieren uns auf die wirtschaftlichen Folgen für Unternehmen, Haushalte sowie den Staat. Es entsteht das Bild komplexer Wechselwirkungen, deren Ausprägungen von einer Vielzahl von Variablen abhängen. Unter dem Strich dürfte der Brexit viele Verlierer produzieren.

Export: Deutsche Autobauer dürften am stärksten verlieren

Beim deutschen Außenhandel zeigen sich die negativen Auswirkungen des Brexit mitunter am deutlichsten. Der Gesamtanteil Großbritanniens an den deutschen Exporten ist mit 6,2 Prozent bereits jetzt auf ein Niveau zurückgefallen, das zuletzt während der Finanzkrise im Jahr 2008 zu beobachten war. Großbritannien ist in der Rangfolge deutscher Handelspartner von Platz fünf im Jahr 2016 auf aktuell Platz sieben abgerutscht.

Quelle: Eurostat, Statistisches Bundesamt (Destatis), 2020

Die rückläufigen Exporte auf die Insel betreffen insbesondere den Automobilsektor. Hier ist der Umbau der Lieferketten bereits in vollem Gange. Die Autoindustrie hält den größten Anteil an den deutschen Exporten nach Großbritannien. Diese Ausfuhren gingen allerdings von 2016 bis 2018 um ein knappes Viertel zurück. Eine der Hauptursachen: Die Abwertung des britischen Pfunds hat deutsche Waren für Käufer auf der Insel verteuert.

Die deutsche Autobranche ist auch mit Blick nach vorn der größte potenzielle Verlierer. Aber auch für andere Exporteure birgt der Brexit mehrere Risiken. Mögliche Grenzkontrollen und höherer bürokratischer Aufwand könnten im Falle eines härteren Brexit Exporte weiter verzögern und komplizieren. Außerdem könnten Zölle, die innerhalb der EU entfallen, die Exporte zusätzlich verteuern. Es gilt jedoch weiterhin: Wie negativ der Brexit für die deutschen Exporteure wird, hängt von der Ausgestaltung der neuen langfristigen Partnerschaft zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich ab.

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