Bye Bye Britain Wie Großbritannien den EU-Ausstieg versemmelt

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Den braucht es wohl auch, denn bislang wirkt das Referendum vom 23. Juni 2016 wie ein wirtschaftlicher Bremsklotz. Seitdem hinken die Aktienkurse der großen Konzerne auf der Insel ihren europäischen Wettbewerbern weit hinterher. Diese haben in den zwei Jahren mehr als doppelt so viel an Wert gewonnen.

Der bevorstehende Abschied aus der EU belastet zudem das Britische Pfund, was den Bürgern höhere Kosten beschert, aber angesichts einer übersichtlichen Exportindustrie wenig Vorteil bringt. Im Gegenteil: Die in Manchester ansässige Modemarke Bench etwa meldete im Mai Insolvenz an und führte als wesentlichen Grund die abwertende Währung an.

Dafür soll der EU-Abschied „enorme jährliche Beiträge“ zum gemeinsamen Haushalt einsparen, wie May in ihrem Weißbuch schreibt. Auch daran zweifeln allerdings Experten. Die Analysten der Commerzbank haben ausgerechnet, dass Großbritannien für seine EU-Mitgliedschaft bislang nur rund zwei Drittel der Kosten stemmen muss, die Norwegen für sein Assoziierungsabkommen mit der Gemeinschaft entrichtet.

Aktuellen Studien zufolge drohen den Unternehmen in der EU und in Großbritannien durch Zölle und andere Handelshemmnisse unmittelbare Zusatzkosten von 69 Milliarden Euro jährlich, sollte es zu einem Chaos-Brexit kommen. Die Wirtschaft auf der Insel tritt auf der Stelle, im ersten Quartal ging es lediglich 0,1 Prozent aufwärts. Ohne Brexit-Abkommen könne es sogar zu Unruhen und Aufständen kommen, warnte bereits Amazons Großbritannien-Chef Doug Gurr laut „Times“ bei einem Treffen mit der Regierung. Dass EU-Chefunterhändler Michel Barnier Mays Weißbuch in weiten Teilen umgehend ablehnte, macht den Ausblick nicht rosiger.

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