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Start-up in der indischen Tech-Metropole Bangalore: Nach einer längeren Abwertungsphase haben Lokalwährungs-Anleihen, etwa in der Indischen Rupie, Boden gut gemacht. | © Getty Images

Chancen und Risiken für Anleihen

„Rückenwind für Anleihen in Lokalwährungen“

Peter Becker, Capital Group

Herr Becker, die Notenbanken tun alles, um eine Rezession abzuwehren. Wie wirkt sich die Geldpolitik auf die Anleihenerträge aus?

Peter Becker: Zum einen ist ein deutlicher Leitzinsrückgang  in der Vergangenheit oft mit einer erheblichen Versteilung der Zinsstrukturkurve einhergegangen. Da die Zinsstrukturkurven in den USA und im Euroraum zurzeit so flach sind wie selten, lohnen sich die Risiken von langlaufenden Anleihen nicht. Zum anderen dürften wegen der niedrigen Renditeniveaus bei den Staats- und teilweise auch Unternehmensanleihen in Zukunft auch die längerfristigen Gesamterträge moderat ausfallen.

Wo finden Anleger im breiten Anleihenuniversum jetzt noch Renditen?

Becker: Kredit-Investments wie Hochzinsanleihen rangieren unter der Investment-Grade-Stufe von BBB. Sie weisen zwar eine niedrigere Kreditqualität auf, werden aber höher verzinst und spülen – auch laufend – höhere Erträge ins Portfolio. Selbst wenn die Gewinne zurückgehen, haben die Unternehmen derzeit keine Probleme, ihre Verpflichtungen zu erfüllen.

Und mittel- bis langfristig?

Becker: Die Ausfallquoten der hochverzinslichen Anleihen sind derzeit im Vergleich zu den historischen Daten sehr niedrig. Auch in den nächsten 12 bis 18 Monaten dürfte sich die Lage nicht wesentlich ändern, weil die Zinsdeckungsgrade der Unternehmen wegen der niedrigen Renditen relativ gesund sind.

Was könnte Ihren Optimismus bremsen?

Becker: Die vielen unterschiedlichen Asset-Klassen haben sich im historischen Vergleich verteuert: Der Renditeaufschlag für US High-Yield-Anleihen beträgt beispielsweise derzeit etwa 370 Basispunkte. Wir haben berechnet, dass bei diesem Niveau historisch der Mehrertrag von Hochzinsanleihen gegenüber Staatsanleihen im Zweijahresvergleich negativ war. High-Yield-Bonds sind derart teuer bewertet, dass Anleger hier nur vorsichtig investieren und nicht zu tief in die Kreditqualitäten gehen sollten. Denn die Renditeaufschläge könnten sich umkehren und den Hochzinsanleihen Verluste bescheren.

Die Emerging Markets wachsen global betrachtet am stärksten. Welche Chancen sehen Sie hier bei Anleihen?

Becker: Das Wachstum der Emerging Markets (EM) ist gut für deren Kreditqualitäten. Die Verschuldung im Vergleich mit den Industrienationen fällt deutlich geringer aus. Die EM-Länder verfügen über relativ hohe Reserven, sie haben in den letzten Jahre im Durchschnitt ihre Leistungsbilanzdefizite abgebaut und es lassen sich positive Realrenditen erzielen. Sollten die Märkte in den nächsten fünf bis sieben Jahren strukturell wachsen und reifen, dürften die Inflationsraten in den Schwellenmärkten sinken und die Anleihenkurse steigen. Die Zinsstrukturkurven in den Emerging Markets weisen aktuell eine durchschnittliche Steilheit von 100 Basispunkten auf (siehe Grafik 1). Käufer von länger laufenden Anleihen werden also mit höheren Renditen belohnt. Es kommt aber auf die Länderselektion an, denn zwischen den einzelnen Ländern und Regionen bestehen erhebliche Unterschiede.

Grafik 1: Stabile Zinsstrukturkurven in den Emerging Markets, Abflachung des US-Pendants

Quelle: JP Morgan GBI-EM, Stand 31. Juli 2019.

Welche Anleihenklassen sind an den Emerging Markets für Anleger besonders interessant?

Becker: Als besonders attraktiv sehen wir die Lokalwährungsanleihen, die in der jeweiligen Landeswährung emittiert werden. Nach langer Abwertung haben die Lokalwährungen seit 2016 einen Boden gefunden. Zudem könnte die bisherige Stärke des US-Dollars im Sog der Fed-Zinssenkungen vorübergehen. Dies könnte Anleihen in Lokalwährungen und den damit verbundenen Investments Rückenwind verleihen.

Welche Chancen bieten Anleihen der Emerging Markets außerhalb des entsprechenden JPM GBI-EM-Index?

Becker: Wir sehen Chancen insbesondere bei den Anleihen einiger Schwellenländer, die nicht Teil der herkömmlichen Indizes sind. Staaten wie Indien oder auch einige afrikanische Märkte weisen eine sehr niedrige Korrelation mit den Indexländern, den eigentlichen Kernländern der Emerging Markets, auf. Mit diesen Anleihen können Anleger ihre Portfolios sehr gut diversifizieren.

Wie lautet Ihr Fazit zu globalen Anlagen?

Becker: In den sicheren Staatsanleihen und den Investment-Grades werden die Erträge aufgrund der niedrigen Renditen nach vorne schauend moderat sein. In den höher verzinslichen Segmenten – bei den High Yields und den Anleihen in den Emerging Markets – gibt es hingegen durchaus Potenzial zu entdecken.

Allerdings sind die Hochzinsanleihen aufgrund ihrer Bewertungen aktuell mit Vorsicht zu genießen. Wie gelingt das optimale Investment?

Becker: Der beste Griff gelingt Anlegern wegen der guten Fundamentaldaten und der Anleihenbewertungen in den Emerging Markets. Bleiben die Renditen niedrig, sind Investoren auf den höher verzinslichen Märkten gezwungen, Möglichkeiten zu finden, die mehr Ertrag ins Portfolio bringen.

Im ersten Teil des Interviews lesen Sie, wie Peter Becker die Chancen und Risiken der globalen Anleihenmärkte unter makroökonomischen Gesichtspunkten beurteilt.

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