Klaus Mössle

Klaus Mössle

Deutsche beziehen nur 4 Prozent ihrer Rente aus der bAV

Die aktuellen Marktturbulenzen und die schwächeren Wachstumsaussichten für die Industrienationen lassen jedoch manche Unternehmen vor einer Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) zögern. Dabei zeigt gerade die bAV in Krisenzeiten besondere Stabilität und Qualität. Das ergab eine Analyse von über 11 Millionen Pensionskonten seit der Lehman-Pleite 2008, die Fidelity Management & Research (FMR) für 17.000 Unternehmen in den USA managt.

Trotzdem werde in Deutschland keine Form der Absicherung für das Rentenalter so vernachlässigt wie die betriebliche Vorsorge. Nur 38 Prozent der Erwerbstätigen hierzulande sparen laut aktueller Fidelity Umfrage über eine bAV für ihren Ruhestand. Durchschnittlich beziehen die Deutschen nur 4 Prozent ihrer gesamten Rente aus der betrieblichen Vorsorge – in anderen Ländern wie den Niederlanden sind es dagegen über 30 Prozent.


Positive Ausgangslage: Die Stärke deutscher Unternehmen

Anders als ihre Staaten sieht Fidelity die Unternehmen in Europa derzeit in aller Regel gut aufgestellt. Viele hätten in den letzten Jahren genau das Richtige getan, nämlich Schulden abgebaut. Christian von Engelbrechten, Manager des Fidelity Germany Funds: „Sie haben ihre Bilanzen stark verbessert, Kosten optimiert und im Gegensatz zu 2008 keine vollen Lager. Außerdem ist die Inflation niedriger, und deutsche Unternehmen profitieren besonders von ihrer Wettbewerbsstärke und ihrer zunehmenden Ausrichtung auf die Schwellenländer. Deswegen bleiben die mittelfristigen Wachstumsaussichten sehr gut, auch wenn sich die Exporte derzeit abschwächen."

Beste Voraussetzungen also, um eine bessere Altersvorsorge für die Mitarbeiter in Angriff zu nehmen. Auf die Politik sollten die Unternehmen dabei nicht viel geben, rät Fidelity. Der Zwang zum nachhaltigen Abbau der Staatsverschuldung werde die Spielräume in den öffentlichen Haushalten für eine Stärkung der Altersvorsorge weiter einschränken. „Der demografische Wandel wartet nicht. Deswegen brauchen Unternehmen heute die richtigen Werkzeuge, mit denen sie sich auf eine veränderte Zukunft einstellen und ihrer Verantwortung als Arbeitgeber und Teil der Gesellschaft nachkommen können", sagt Klaus Mössle, Leiter des institutionellen Geschäfts bei Fidelity in Deutschland.


Fidelity startet neuen Pensionsplan für eigene Mitarbeiter

Fidelity selbst will die bAV für die eigenen Mitarbeiter über einen neuen Pensionsplan stemmen, der 2012 eingeführt werden soll. „Es gehört zu unseren Grundsätzen, dass wir Kunden nur Produkte empfehlen, in die wir auch unser eigenes Geld investieren", so Mössle. „Deswegen haben wir einen Pensionsplan mit genau den Bausteinen entwickelt, zu denen wir unseren Kunden raten." Der neue Pensionsplan, der für alle neuen Fidelity Mitarbeiter gelten und über eine web-basierte Plattform jederzeit einsehbar sein soll, basiere auf einer beitragsorientierten Kapitalzusage und enthalte eine automatische Entgeltumwandlung mit Ausstiegsoption.

„Unsere aktuelle Umfrage zur betrieblichen Vorsorge hat klar gezeigt, dass sich nur jeder Zehnte bewusst gegen eine betriebliche Altersvorsorge entscheidet. Das legt nahe, dass im Falle einer automatischen Umwandlung von Teilen des Bruttogehalts die wenigsten Arbeitnehmer die Ausstiegsklausel ziehen würden", so Mössle.

Fidelity setzt sich seit einiger Zeit in Deutschland für die obligatorische Entgeltumwandlung mit Ausstiegsoption ein. „Wenn wir verhindern wollen, dass die Deutschen ihren Lebensstandard im Alter dramatisch zurückschrauben müssen, sollten hierzulande statt 4 Prozent künftig über 20 Prozent der Rente aus der bAV stammen", sagt Mössle.

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