Andreas Schyra (Gastautor)Lesedauer: 3 Minuten

Rettung der Rente Deutscher Staatsfonds hält Einzug in Wahlprogramme

Andreas Schyra, Vorstandsmitglied der PVV AG
Andreas Schyra, Vorstandsmitglied der PVV AG: Das Asset Management eines Staatsfonds sollten professionelle Marktteilnehmer übernehmen, nicht die Rentenkasse. | Foto: PVV AG

Der Norwegische Staatsfonds gilt weltweit als das Synonym eines staatlichen Anlagevehikels, mit dem ein Land die Vorsorge für zukünftige Generationen sichern möchte. In Deutschland existieren zwar nicht die Rohstoffvorkommen wie in manchen Regionen Skandinaviens, jedoch kursieren alternative kluge Konzepte, welche insbesondere zur Sicherung der Altersvorsorge aufgebaut werden und die bisherige Rentenpolitik modernisieren könnten.

Rentenlücken durch Staatsfonds (anteilig) schließen

Im Rentensystem existieren zahlreiche Lücken, die sich mit der bisherigen politischen Vorgehensweise und einer regelmäßigen Erhöhung des Renteneintrittsalters nicht stopfen lassen. Unter dieser Prämisse haben wir im vergangenen Jahr die Kapitalmarktereignisse der Corona-Pandemie genutzt, um uns intensiver mit der Thematik zu beschäftigen, und haben zahlreiche Ideen zur Konzeption sowie Mittelherkunft und -verwendung präsentiert – wohlwissend, dass wir nicht als große Vordenker und tatsächlicher Anstoß eines derartigen Konzeptes gelten werden. Mittlerweile ist es jedoch schön zu sehen, dass unsere Gedanken scheinbar nicht gänzlich abwegig sind. Ein deutscher Staatsfonds als Komponente der Rentensicherung wurde in zahlreiche Wahlprogramme aufgenommen.

Neben der CDU/CSU, die ihr Konzept zur Gründung eines deutschen Staatsfonds insbesondere in Person von CDU-Rentenpolitiker Kai Whittaker präsentierte, sind den Wahlprogrammen der Grünen, der SPD und der FDP ebenfalls Gründungskonzepte eines deutschen Staatsfonds zu entnehmen. Diese Intentionen halten wir für begrüßenswert, wobei sie allesamt sicher noch zu optimieren sind.

4.000 Euro bei jeder Geburt

Bleiben wir jedoch bei dem Vorschlag der Union, der in den Medien am präsentesten ist. Mit Geburt eines jeden Kindes ist beabsichtigt, dass der Staat 4.000 Euro in einen neu zu gründenden Staatsfonds einzahlt und diversifiziert am Kapitalmarkt angelegt. Verfügungsmöglichkeiten bestehen erst zum Zeitpunkt des Renteneintritts. Kai Whittaker rechnet vor, dass bei einer Laufzeit von 67 Jahren und einer jährlichen Rendite von 8 Prozent abzüglich einer 2-prozentigen Inflation mit Erreichen des Renteneintrittsalters ein Betrag von etwa 200.000 Euro zur Verfügung stehe. Dieser wiederum stehe für eine monatliche Rente von 900 Euro bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 18 Jahren über den Renteneintritt hinaus bereit. So weit so gut.

Der Grundgedanke ist sicherlich lobenswert, jedoch soll die gesetzliche Rentenversicherung oder die Bundesbank die Vermögenswerte verwalten. Die Leistungsfähigkeit dieser beiden Institutionen in allen Ehren, es mag jedoch in Zweifel gezogen werden, ob ausgerechnet diese in der Lage sind, am Kapitalmarkt eine durchschnittliche Rendite von 8 Prozent pro Jahr zu erzielen. Hier sei noch einmal auf unseren letztjährigen Vorschlag verwiesen, die Kapitalanlage unter professionellen Marktteilnehmern auszuschreiben und einer regelmäßigen Kontrolle zu unterstellen.

Jeder Asset Manager wird für die Leistung eine marktgerechte Entlohnung verlangen. Es ist jedoch auch nicht zu erwarten, dass die gesetzliche Rentenversicherung oder die Bundesbank kostenlos tätig werden. In Deutschland existieren zahlreiche institutionelle Anleger, die umfangreiche Vermögenswerte erfolgreich betreuen und in dieser Hinsicht eine größere Expertise aufweisen als die Rentenversicherung oder die Bundesbank. Die öffentlich rechtlichen Institutionen sollten hingegen eher die ausführenden Institute kontrollieren.

Scharfe Kontrolle der Mittelverwendung erforderlich

Zudem muss sichergestellt werden, dass keine alternative Mittelverwendung möglich ist. Die Historie hat gezeigt, dass große Kapitalansammlungen einen anziehenden Effekt auf Politiker ausüben, die sich allerhand alternative Ideen einfallen lassen, um die Mittel ihrem ursprünglichen Zweck zu entfremden. Die Gründung eines deutschen Staatsfonds muss von Anfang an einem dezidierten und unveränderlichen Zweck dienen, und es müssen geeignete, professionelle Anlagebedingungen festgelegt werden.

Der politisch verfolgte Gedanke ist definitiv anerkennenswert und sollte konsequent verfolgt werden. Jedoch ist es wahrscheinlich bereits vor Gründung empfehlenswert Wirtschaftsfachleute zu involvieren, damit die finale Struktur möglichst zielorientiert und optimal aufgebaut wird. Deutsche Privatpersonen sind nur äußerst eingeschränkt kapitalmarktaffin. Ein deutscher Staatsfonds, der zur Sicherung der Altersvorsorge beiträgt, kann eine derartige Anlage professionell für alle Bürgerinnen und Bürger vornehmen und zukünftig benötigte Gelder aus erwirtschafteten Erträgen sicherstellen.

Über den Autor: Andreas Schyra ist Dozent an der FOM Hochschule und Vorstandsmitglied der PVV AG, Essen.

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