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Union Investment zur Garantie in der Riester-Rente „Die durchschnittliche Restlaufzeit beträgt 35 Jahre“

Wolfram Erling, Leiter Zukunftsvorsorge bei Union Investment
Wolfram Erling, Leiter Zukunftsvorsorge bei Union Investment: Mit hohen Absatzrückgängen rechnen wir durch die Einführung der Mindestlaufzeit von 20 Jahren nicht. | Foto: Union Investment

DAS INVESTMENT: Union Investment führt ab Juli eine Mindestlaufzeit von 20 Jahren auf ihre Riester-Produkte Uniprofirente und Uniprofirente Select bei Neuabschluss ein. Kürzere Laufzeiten würden sich angesichts der Niedrigzinsen und der gesetzlich vorgeschriebenen 100-Prozent-Beitragsgarantie nicht lohnen, so die Begründung. Wie kommt dieser Schritt voraussichtlich bei Ihren Kunden an?Wolfram Erling: Mit hohen Absatzrückgängen rechnen wir durch die Einführung der Mindestlaufzeit von 20 Jahren nicht. Die durchschnittliche Restlaufzeit unserer Neuabschlüsse beträgt rund 35 Jahre. Bereits heute schließen also vorwiegend jüngere Menschen unsere Produkte ab. Durch die Erhöhung der Rest- beziehungsweise Mindestaktienfondsquote rechnen wir eher mit vermehrten Neuabschlüssen in dieser Kundengruppe. DAS INVESTMENT: Durch die Einführung der Mindestlaufzeit dürften aber Menschen ab Mitte 40 vom Angebot der Riester-Rente ausgeschlossen werden.Erling: Diese Sparer können einen ungeförderten Fonds-Sparplan bei uns abschließen. Hier steht den Interessierten eine breite Auswahl zur Verfügung.DAS INVESTMENT: Die Studie „Auswirkungen von Garantien auf inflationsbereinigte Chancen und Risiken langfristiger Sparprozesse“, die der Geschäftsführer des Ulmer Instituts für Finanz- und Aktuarwissenschaften (Ifa), Jochen Ruß, im Auftrag von Union Investment erstellte, zeigt die optimale Garantie für sicherheitsorientierte Anleger auf. Wie hoch ist diese?Erling: Die optimale Kombination aus Sicherheit und Ertragschancen bietet laut Studie ein Garantieniveau von 70 Prozent. Denn ein Absenken der Garantie erzeugt zunächst sehr viel und dann immer weniger zusätzliche Renditechancen. Das Risiko nimmt hingegen immer stärker zu. Bei eher hohen Kursschwankungen steigt bis zu einem Garantieniveau von rund 70 Prozent die reale Chance deutlich stärker an als das reale Risiko. Bei einer weiteren Absenkung des Garantieniveaus erhöht sich dann aber das Risiko ähnlich stark oder sogar stärker als die Chance.DAS INVESTMENT: Würden denn sicherheitsorientierte Anleger eine 70-Prozent-Beitragsgarantie akzeptieren?Erling: Aus unserer Erfahrung gibt es zwei Anlegertypen, für die jeweils mindestens ein Riester-Produkt angeboten werden sollte. Dies sind einerseits sicherheitsorientiere Kunden, die auch weiterhin eine 100-prozentige Garantie haben möchten. Sie könnten weiterhin in die bestehenden Verträge einzahlen. Allerdings muss ihnen dann ganz klar gesagt werden, dass die Renditechancen im aktuellen Niedrigzinsumfeld gering sind und sogar ein nicht unerhebliches Verlustrisiko besteht, wenn man den Kaufkraftverlust aufgrund der Inflation berücksichtigt. Das zeigt die Studie. Die zweite Gruppe von Anlegern präferiert höhere Aktienfondsquoten und akzeptiert dazu auch eine geringere Garantie. Sie wissen, dass ein höherer Aktienanteil langfristig mehr Renditechancen hat und damit eine höhere Rente ermöglicht. Für sie wäre dann ein Produkt mit einer niedrigeren Garantiehöhe ideal.DAS INVESTMENT: Wie sollte es mit den Garantien in den nächsten fünf bis zehn Jahren weiter gehen? Sollte die 100-Prozent-Beitragsgarantie bestehen bleiben? Sollte das Garantieniveau 80, 70 oder 60 Prozent herabgesenkt – oder komplett abgeschafft – werden?Erling: Vielen Sparern ist gerade beim Thema Altersvorsorge Sicherheit wichtig. Deswegen sollten Garantien nicht komplett abgeschafft werden. Vielmehr sollte es Anbietern künftig freigestellt werden, mit welchem Garantieniveau sie Riester-Produkte anbieten. Je nach Risikopräferenz kann der Vorsorgende dann das für ihn passende Produkt auswählen. Will sich der Gesetzgeber dennoch auf ein fixes Garantieniveau festlegen, dann sollte er 70 Prozent wählen. Denn wie die Studie von Ruß zeigt, liefert dieses Niveau die optimale Kombination aus Sicherheit und Ertragschancen und ist auch für sicherheitsorientierte Anleger angemessen.DAS INVESTMENT: Und glauben Sie, dass die 70-Prozent-Beitragsgarantie wenn nicht in dieser, dann doch zumindest in der kommenden Legislaturperiode kommt?Erling: Leider ist in der aktuellen Legislaturperiode bei den zuständigen Ministerien der politische Wille nicht vorhanden, die Garantie überhaupt zu flexibilisieren – obwohl alle Experten und Verbraucherschützer dies für dringend notwendig erachten. Welche Pläne eine neue Regierung bezüglich einer Reform der Riester-Rente oder der privaten Altersvorsorge insgesamt hat, bleibt abzuwarten. Je nach Partei gehen die Vorstellungen dazu weit auseinander.

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