Ring aus Platin Foto: Pexels

Aus dem Schatten von Gold und Silber

Edelmetalle Palladium und Platin rücken ins Rampenlicht

Christian Brenner
Foto: Philoro

Die zähe Übergangszeit nach der US-Präsidentschaftswahl und die aktuellen Entwicklungen im Zuge der Corona-Pandemie sorgen an den globalen Finanzmärkten für einen frostigen Winter. Kamen noch vor den US-Wahlen Unkenrufe auf, die einen jähen Absturz insbesondere am Goldmarkt prognostizierten, zeigt sich, dass die Wahl als Impulsgeber wenig Effekt hatte: Auch unter einem US-Präsident Joe Biden werden Corona-Hilfspakete notwendig.

Für einen Paukenschlag sorgte hingegen die Nachricht über den Durchbruch in der Entwicklung eines Impfstoffes. Doch anders als erwartet folgte nach einem kurzen Kursfeuerwerk an den Börsen und entsprechenden Ausbrüchen an den Edelmetallmärkten die Einsicht, dass trotz eines möglichen Impfstoffes kein baldiges Ende der Einschränkungen zu erwarten ist. Zu viel Zeit dürfte vergehen, bis ein Impfstoff flächendeckend verabreicht werden kann.

Das bedeutet zugleich, dass Covid-19 die Märkte nach wie vor in Atem halten wird. Regierungen werden weiter den Ritt auf der Rasierklinge zwischen vorsichtiger Öffnung und Lockdown praktizieren.

Industriemetalle hart getroffen

Anders als die klassischen Edelmetall-Anlageformen Silber und das als „Save haven“ bekannte Gold, haben Platin und Palladium die Pandemie in ihrer vollen Wucht zu spüren bekommen. Grund dafür: Beide Metalle werden in der Automobilindustrie bei der Herstellung von Katalysatoren eingesetzt. Platin wird bei Dieselmotoren benutzt, Palladium findet in Benzinkatalysatoren Verwendung.

Als Industriemetalle sind beide abhängig von der Wirtschaft. Im Frühjahr bekamen sie die coronabedingten Werksschließungen in der Automobilproduktion sowie den massiven Einbruch bei den Verlaufszahlen von Kraftfahrzeugen zu spüren. Zugleich bedeuten sinkenden Fahrzeugverkäufe weniger Verschrottung – eine logische Folge, die jedoch enorme Auswirkungen auf die Recycling-Ketten der Metalle hatte. Ganz nebenbei wurde die eigene Produktion natürlich auch direkt von der Pandemie getroffen, sodass es im Frühjahr aufgrund des Lockdowns zu einem verringerten Angebot kam.

All das wirkte sich negativ auf das Preisniveau beider Industriemetalle aus. Doch bereits jetzt stehen die Zeichen auf Erholung: So ist beispielsweise Chinas Wirtschaft schneller als erwartet wieder in der Spur und auf starkem Wachstumskurs, was sich unter anderem im Anstieg der Autoverkäufe widerspiegelt. Auch die Schmuckindustrie erholt sich vom Pandemie-Einbruch und trägt mit zur steigenden Nachfrage bei Platin bei. Ein weiteres Trendthema mit Bedeutung für die beiden Edelmetalle sind Hybridfahrzeuge, bei denen weiter Industriemetalle für Katalysatoren benötigt werden.

Palladium boomte vor der Krise – und danach?

Der Palladiumpreis klettert seit Jahren von einem Rekord zum nächsten. Seit 2009 ist der Preis um 750 Prozent gestiegen. Vor der Krise erreichte er ein Hoch von 2.882 US-Dollar. Dann jedoch folgte der coronabedingte Einbruch und Palladium fiel im März bis knapp unter die 1.600 US-Dollar-Marke. Seither erholt sich der Preis von dem Rückschlag, schafft es aber bislang noch nicht, an sein Vorkrisenniveau anzuschließen. Auf kurze Anstiege folgten sogleich erneute Korrekturen. Dennoch hat sich der Kurs mittlerweile um beachtliche 30 Prozent gesteigert und liegt aktuell bei rund 2.336 US-Dollar.

Mehr zum Thema
World Gold Council meldetGoldnachfrage bricht ein Robert Halver über KryptosWarum Bitcoin kein sicherer Hafen wird Edelmetall-AusblickGoldunternehmen erhöhen Dividenden