Jens Schleuniger

Jens Schleuniger

Ein Jahr Afrika-Expedition: DWS-Fondsmanager Schleuniger im Gespräch

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DAS INVESTMENT.com: Im Juli vergangenen Jahres einen Afrika-Fonds aufzulegen, ist wie Baden gehen bei einer Sturmflutwarnung. Wann wussten Sie, dass der Termin nicht gerade günstig gewählt war? Jens Schleuniger: Schon 14 Tage später. Der Ölpreis war bei 146 Dollar, Platin bei 2.200 Dollar. Das war alles zu gut, um wahr zu sein. Und so war es dann ja auch. DAS INVESTMENT.com: Unglückliches Timing. Schleuniger: Manchmal kann man es sich nicht aussuchen. Wir wollten den Fonds eigentlich schon ein Jahr früher auf den Markt bringen, aber die Registrierung hat sich immer wieder hingezogen. DAS INVESTMENT.com: Der Fonds verliert 40 Prozent in den ersten sechs Monaten und steigt seit Anfang des Jahres um über 50 Prozent. Das ist ja mal Schwellenländer-Halligalli in Reinkultur. Schleuniger: Im vergangenen Jahr hat eine massive Übertreibung nach unten stattgefunden. Der Risikoappetit war auf dem Nullpunkt, ganz solide Unternehmen waren auf einmal fast nichts mehr wert, die Währungen wurden schwächer. Das war keine schöne Zeit. DAS INVESTMENT.com: Aber nun geht es ja wieder flink nach oben. Erholen sich die Märkte lediglich oder wird jetzt im positiven Sinne übertrieben? Schleuniger: Sowohl als auch. Einzelne Rohstoffunternehmen sind schon wieder sehr sportlich bewertet und teilweise auch etwas übertrieben, da bin ich jetzt eher vorsichtig. Dann gibt es noch Konsumwerte, etwa Brauerein aus Nigeria, die haben ganz exzellente Zahlen geliefert. In Telekomwerten ist auch noch genügend Fantasie. Afrika ist ein sehr spannender und vor allem langfristiger Trend, genauso wie der Bric-Ansatz. DAS INVESTMENT.com: Der afrikanische Rohstoffmarkt hängt aber stark vom Wohl und Weh der chinesischen Wirtschaft ab. Ist der Kontinent mehr als nur ein großer Baumarkt für chinesische Unternehmen. Schleuniger: Auf jeden Fall. Man darf jedoch nicht den Fehler machen, den gesamten Kontinent als eine homogene Masse zu sehen. Es gibt sehr rohstofflastige Länder, andere besitzen keine Rohstoffe. Eine große Gemeinsamkeit ist der Konsum. Wo in der Welt ist denn im Telekommunikationsmarkt heute noch ein signifikantes Wachstum zu erzielen? Jenseits von Afrika sind die Märkte gesättigt. Das wissen die globalen Konzerne und gehen auf Brautschau. Vielfach werden Mobiltelefone in Afrika auch für Bankgeschäfte genutzt. Das ist ein sehr interessanter Markt. DAS INVESTMENT.com: Kriminalität und Korruption sind ein großes Problem in Afrika. Wie stellen Sie von Frankfurt aus sicher, dass nur in seriöse Unternehmen investiert wird? Schleuniger: Wir kaufen kein Unternehmen, wenn wir das Management nicht mindestens zwei bis drei Mal gesehen haben. In Südafrika ist die Qualität des Managements überdurchschnittlich und auf einem hohen internationalen Niveau. In anderen afrikanischen Ländern ist das mitunter anders. Es fehlt vielfach noch an einer notwendigen Transparenz. Mitunter sehen die Aktienkurse sehr attraktiv aus, aber es wird auf Unternehmensseite viel verschleiert. Dann gilt für uns „Safety first“. DAS INVESTMENT.com: Mit gut 15 Millionen Euro ist der Fonds ein Leichtgewicht. Schleuniger: Das stimmt. Wir müssen eine kritische Größe von 20 bis 50 Millionen Euro erreichen, um für institutionelle Investoren interessant zu werden. Die haben vielfach ihre internen Bestimmungen und dürfen nicht in zu kleine Fonds investieren. Aber wir sind auf einem guten Weg, es ist natürlich einfacher für den Vertrieb in guten Zeiten. Derzeit investieren Privatanleger und einzelne Family Offices.

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