Ethik- und Regulierungsschulungen, kein Provisionsverbot So funktioniert die IDD in Singapur

Christian Eidherr

Christian Eidherr

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Die “Insurance Distribution Directive” der Republic of Singapore

Singapur hat sich in den letzten Jahren als regionaler und globaler Vermögensverwalter zunehmend etabliert. Das hochentwickelte, kleine Land untersuchte vor der derzeitigen Einführung des Financial Advisory Industry Review (FAIR), der neuen Richtlinie für Versicherungs- und Finanzprodukt-vermittler, weltweit verschiedene Best-Practise-Regelungen, u.a. in Asien, Australien und Europa. Dabei lehnte sich das Land insbesondere an die europäische Insurance Distribution Directive (IDD) an. 

FAIR zielt ähnlich wie die europäischen Regelungen auf eine Verbesserung der Sicherheit und Transparenz für den Kunden ab und will Effizienzverbesserungen beim Vertrieb von Versicherungs- und Investmentprodukten sowie insgesamt eine hohe Stabilität des Singapurer Finanzmarktes erreichen.  

Hauptpunkte des FAIR im Vergleich zur IDD 

Genauso wie die IDD legt auch die FAIR-Richtlinie einen Schwerpunkt auf die Aus- und Weiterbildung der Berater. Als Eintrittsqualifikation müssen diese mindestens ein Fachabitur mitbringen und sich kontinuierlich weiterbilden. Pro Jahr werden 30 Stunden vorgeschrieben. Nicht nur fachliche und produktbezogene Weiterbildung sind verpflichtend, sondern auch 4 Stunden Ethikausbildung pro Jahr und 8 Stunden zum Thema Regulierung. Die IDD hingegen schreibt den Versicherungsvermittlern zwar auch einen Kompetenznachweis und kontinuierliche Weiterbildung im Mindestausmaß von 15 Stunden im Jahr vor, die genauen Fortbildungskriterien werden jedoch derweil noch von den EU-Mitgliedsstaaten festzulegen sein. 

Financial Advisors müssen statt 3 mindestens 5 Jahre eine erfolgreiche Finanzberatung aufweisen und Financial-Advisor-Firmen ein Mindestgrundkapital von 500.000 Singapore Dollar mitbringen, wenn sie Geschäfte abschließen wollen. Bei reiner Beratung reichen 250.000. Künftige Chefs müssen sogar 10 Jahre vorweisen, davon 5 in leitender Funktion. 

Provisionsverbot fallengelassen

Die Verhinderung von Interessenskonflikten ist in der EU wie auch in Singapur ein zentrales Thema. FAIR beschränkt die Nebentätigkeit aller Angestellten von Financial Advisern. In der EU sowie in Singapur wurde überlegt, ein Provisionsverbot für unabhängige Berater umzusetzen. Im ersten IDD-Entwurf war ein Verbot enthalten, welches in den folgenden Überarbeitungen entfallen ist. Das FAIR-Gremium entschied sich auch gegen ein Provisionsverbot.