Max Otte ist Fondsmanager und Professor für allgemeine und internationale Betriebswirtschaftslehre sowie quantitative und qualitative Unternehmensführung.

Max Otte ist Fondsmanager und Professor für allgemeine und internationale Betriebswirtschaftslehre sowie quantitative und qualitative Unternehmensführung.

Fonds-Bilanz nach 5 Monaten

Max Otte: „Wir hätten mehr Goldminen behalten sollen“

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„Rohstoffe schaffen Comeback“, titelt das Research-Team von ETF Securities in einem aktuellen Bericht „zum Wiederaufleben der Rohstoffmärkte“. Demnach steht die Anlageklasse Rohstoffe mit einer Rendite von 14,0 Prozent zwischen Ende Dezember und Anfang Juni deutlich besser da als Anleihen (6,6 Prozent) und Aktien (0,5 Prozent).

Als die wichtigsten Triebkräfte dieser Entwicklung benennt Nitesh Shah, Chef für Rohstoff-Strategien bei ETF Securities den verbesserten Ausblick auf das globale Wachstum und erste Anzeichen für einen Versorgungsengpass bei Rohstoffen. Viele Investoren hätten erkannt, dass das Überangebot an Rohstoffen in vielen Bereichen ende.

Ein Grund dafür seien gekappte Investitionen in den vergangenen vier Jahren. Und: „Das anhaltende Interesse der Zentralbanken, die Zinsen niedrig zu halten, um die Wirtschaft weiter anzukurbeln, gibt dem Rohstoffsektor weiteren Aufwind“, so Shah. „Wir gehen davon aus, dass die Rohstoffpreise über das Jahr 2016 weiter steigen werden.“

Beginn eines Bullenmarktes?

Von dem „Beginn eines Bullenmarktes“, den Shah ausmacht, konnte der Fonds von Finanz-Professor Max Otte bisher nicht profitieren. Denn innerhalb des Managerteams überwog der Wunsch, den Fonds weniger konjunktursensibel aufzustellen. Daher wurden im vergangenen Jahr Rohstoff-Investments und Goldaktien abgebaut.

Diese Entscheidung kostete dem Fonds Performance: Der aktuelle Monatsbericht zum Stichtag 31. Mai weist einen Verlust seit Jahresbeginn von knapp 3,2 Prozent aus. Damit schließt er an zwei schwache Jahre 2015 (0,2 Prozent) und 2014 (-2,6 Prozent) an.

Seit Auflegung des Fonds vor acht Jahren brachte der PI Global Value P seinen Anlegern eine Performance von 7,7 Prozent pro Jahr. An die gute Entwicklung in sechs von acht Jahren will Otte bald wieder anschließen. Wie er das mit dem nun weniger konjunktursensiblen Aktienportfolio schaffen will, erklärt er im Interview.



DAS INVESTMENT.com: Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung Ihres Fonds PI Global Value in den ersten fünf Monaten dieses Jahres?

Max Otte: Ich bin nicht zufrieden. Wir hatten Zykliker und Goldaktien abgebaut und so den Rebound verpasst. Dafür ist der Fonds jetzt überwiegend mit Qualitätstiteln aufgebaut, was in der kommenden Börsenphase Früchte tragen sollte.

Und was sagen Sie zu den Aktienmärkten seit Jahresbeginn allgemein?

Es hat mich schon gewundert, wie schwach die Märkte waren. Aktien sind generell nicht überbewertet. Aber die Börse lässt sich kurzfristig nicht planen.

Was war die beste Entscheidung, die Sie in diesen fünf Monaten für den Fonds getroffen haben? Und was hätten Sie lieber anders gemacht?

Gut war der Kauf des norwegischen Lachsproduzenten Salmar, was eine schöne Rendite brachte. Zu den Fehlern: Natürlich hätten wir mehr Goldminen behalten sollen.

Was war das Klügste, was ein Politiker oder Notenbanker in den vergangenen fünf Monaten gesagt oder getan hat?

Dass die Visegrad-Staaten die Balkanroute dicht gemacht haben.

Und was war die größte Fehlentscheidung eines Politikers/Notenbankers?

So ziemlich alles, was die Bundesregierung derzeit unter Merkel macht. Bei so viel Murks den „größten Fehler“ herauszusuchen, ist sehr schwierig.

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