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E-Autoproduktion im sächsischen Zwickau Foto: imago images / Eibner
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Engpässe in der globalen Autoproduktion Fundamental läuft die Autoindustrie rund

Rund 89 Millionen Fahrzeuge wurden gemäß der globalen saisonbereinigten Jahresrate (Seasonally adjusted annual rate, SAAR) 2019 rund um die Welt produziert. Ein Jahr später sackte der Wert aufgrund der Pandemie auf unter 77 Millionen Einheiten ab (Grafik 1). Obwohl derzeit die Engpässe bei der Halbleiterversorgung den Fahrzeugbau bremsen, gehen die Erwartungen für 2021 weiterhin von einer robusten Erholung der globalen Verkäufe aus. Die aktuellen globalen Schätzungen des Marktforschungsinstituts IHS liegen bei etwa 84 Millionen Fahrzeugen für das Geschäftsjahr 2021, was einem Wachstum von etwa 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Im Gesamtjahr 2022 dürfte die Autoproduktion mit knapp 89 Millionen Einheiten hingegen wieder an die gewohnte Stärke des Sektors anknüpfen, so die Prognosen: Trotz der Pandemie und der durch die Halbleiterknappheit verursachten Probleme sehen die weltweiten Automobilverkäufe derzeit und voraussichtlich auch in Zukunft gesund aus.

Grafik 1: Globale Autoproduktion (globale saisonbereinigte Jahresrate, SAAR)

Schätzungen zufolge ist dabei zu erwarten, dass die Stärke der globalen Automobilverkäufe in allen Regionen gleichbleibt. Für die USA sollen im Gesamtjahr 2021 über 16 Millionen Einheiten erreicht werden (gegenüber 14,6 Millionen im Jahr 2020). Im Gesamtjahr 2022 soll hier die Produktion weiter wachsen (Grafik 2). Wegen der Engpässe in der Halbleiterproduktion reichen die Lagerbestände bei den US-Händlern derzeit nur noch 23 Tage, was einem 35-Jahres-Tief entspricht. Die Verbrauchernachfrage und der Lageraufbau werden die erwartete gesunde Produktion der Autohersteller bis ins Jahr 2022 hinein unterstützen.

In China, dem größten Automobilmarkt der Welt, werden die Verkäufe im laufenden Jahr voraussichtlich um mehr als 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegen. In Europa hingegen dürften die Verkäufe voraussichtlich sogar um 11 Prozent klettern.

Grafik 2: US-Autoproduktion

Während sich die Branche von der Pandemie erholt, investieren die Fahrzeughersteller weiterhin stark in E-Mobilität. Kürzlich kündigte ein großer US-Konzern an, seine Investitionen in Elektrofahrzeuge (EV) und autonome Fahrzeuge (AV) von 2020 bis 2025 auf 35 Milliarden US-Dollar erhöhen zu wollen, nachdem die Geschäftsleitung im März 2020 zunächst 20 Milliarden US-Dollar zugesagt hatte. „Wir fahren unsere Investitionen hoch, um schneller zu skalieren, weil wir sehen, dass sich in den Vereinigten Staaten eine ausgeprägte Dynamik für die Elektrifizierung entwickelt“, begründete der Konzern den Schritt. Insgesamt haben alle Automobilhersteller angekündigt, in den nächsten fünf Jahren signifikante Investitionsausgaben zu tätigen. So hat ein namhafter europäischer Autokonzern im vergangenen Jahr einen Fünfjahresplan im Volumen von 86 Milliarden US-Dollar vorgelegt, während ein US-Konzern 30 Milliarden US-Dollar über fünf Jahre anpeilt. Zugleich fokussieren sich die Zulieferer auf die Weiterentwicklung ihrer Produktportfolios, um der zunehmenden Verbreitung von Elektrofahrzeugen Rechnung zu tragen.

USA, Europa und China beschleunigen die E-Autofertigung

Während sich in den USA die Einführung von Elektrofahrzeugen vor dem Hintergrund neuer Gesetzesregelungen beschleunigen sollte, beeilen sich Europa und China ebenfalls mit der Umstellung. Die EU hat sich bereits auf eine Reduzierung der Flottenemissionen bis 2025 um 15 Prozent gegenüber dem Stand von 2021 (95 g CO2/km) geeinigt. Eine weitere Senkung um 37,5 Prozent soll bis 2035 erfolgen. Es ist zu erwarten, dass diese Emissionsziele in den Jahren 2025 und 2030 zu einem massiven Anstieg der Verbreitung von E-Fahrzeugen führen. Denn es dürfte für Fahrzeughersteller schwierig sein wird, die vorgeschriebenen Ziele ohne einen signifikanten Anteil an Stromern zu erreichen.

China hat ebenfalls eine Reihe von Vorschriften zur Emissionsreduzierung erlassen; wie in der EU sollen bis zum Jahr 2025 verschärfte Ziele greifen. Es wird erwartet, dass die chinesischen Vorgaben die Verbreitung von Elektrofahrzeugen im Land weiter vorantreiben.

Fahrzeughersteller rund um die Welt werden nicht umhinkommen, die zunehmend strengeren globalen Emissionsanforderungen zu erfüllen. Zu erwarten ist: Durch die weitere Verschärfung der Ziele wird sich das Gleichgewicht von Hybrid-Fahrzeugen hin zu rein batteriegetriebenen Fahrzeugen verschieben.

Reine E-Autohersteller für Anleger interessanter als Plug-In-Produzenten

Während sich die Autoindustrie für die Fertigung von Elektrofahrzeugen stark macht, ist die Geschwindigkeit ihrer flächendeckenden Einführung noch fraglich. Die Prognosen der Analysten für dieses Marktsegment gehen weit auseinander. Sieht das eine Unternehmen die Verbreitung von E-Fahrzeugen in Europa bei 32 Prozent bis 2030, geht ein anderes bis dahin sogar von 70 Prozent aus. Was Anleger wissen müssen: Unter Analysten herrscht die Meinung vor, dass Europa, angetrieben durch die aggressiven Emissionsvorschriften, bei der Einführung von Elektrofahrzeugen weltweit führend sein wird.

Trotz der genannten aktuellen Verknappungen und höheren Kosten wartet der Automobilsektor mit starken Fundamentaldaten auf. In Anbetracht der dynamischen Entwicklung der Branche sollten Anleger den Automobilsektor genau im Blick behalten – insbesondere die Marktführer in der E-Autoherstellung, die vorzugsweise auf rein batteriebetriebene Fahrzeuge setzen.

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