Gastbeitrag: Goldpreis bald bei 2.000 Dollar

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In der Realwirtschaft werden Marktpreise durch Angebot und Nachfrage ermittelt. Es bietet sich also an, diese beiden Parameter genauer zu analysieren.

Nachfolgend werde ich auf Basis der tatsächlichen Nachfragemengen und den zur Verfügung stehenden Angebotsmengen einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung des Goldpreises geben. Dazu werden die Zahlen des ersten Quartals 2010 mit den Zahlen des ersten Quartals 2011 verglichen.

Die Nachfrage ist im ersten Quartal 2011 im Jahresvergleich um 11% gestiegen, von 881 auf 981,3 Tonnen. Zu Marktpreisen bewertet, ist die Nachfrage von 31,4 Milliarden Dollar auf 43,7 Milliarden Dollar gestiegen, dies entspricht einem Anstieg von 39,5%.

Zu analysieren sind dabei der Technologiesektor, der Schmucksektor und die Investmentbranche.

Die Nachfrage aus dem Technologiesektor ist im ersten Quartal 2011 um 0,2% gesunken. Dies resultierte daraus, dass das erste Quartal 2010 extrem hohe Nachfragewerte zeigte. Für das erste Quartal 2010 ergab sich mit 326,8 Tonnen die höchste Nachfrage nach Gold aus der Elektroindustrie überhaupt. Hier macht sich die Katastrophe in Japan negativ bemerkbar.

Im ersten Quartal 2011 kam ein Teil des Antriebs für die hohe Nachfrage von der Schmuckindustrie. Die weltweite Goldnachfrage aus der Schmuckindustrie stieg um 7%, vor allem der Bedarf aus China stieg um 21% oder 24,7 Tonnen und erreichte damit einen neuen Höhenpunkt. Die Schmuckindustrie benötigte damit 556,9 Tonnen Gold, inklusive der beiden größten Goldmärkte Indien und China mit einer Nachfrage von 349,1 Tonnen.

Der größte Nachfrageschub kam im ersten Quartal allerdings aus der Investmentbranche. Exchange Traded Funds (ETF) sind mittlerweile genauso wichtig, wie die reale Goldnachfrage aus Indien und China. Die Nachfrage aus der Investmentbranche setzt sich aus ETF`s und ähnlichen Produkten, Goldbarren und Goldmünzen zusammen. Die Nachfrage nach physischem Gold in Form von Münzen und Barren ist auf Jahressicht sogar um 52% gestiegen. Hier macht sich die Beimischung von Gold zur Risikostreuung bemerkbar.

Blicken wir nun auf die Angebotsseite, so müssen wir feststellen, dass die Goldproduktion um 4% gesunken ist. Lag sie im ersten Quartal 2010 bei 912,1 Tonnen, so fiel sie nun auf 872,2 Tonnen. Die Minenproduktion nahm insgesamt um 7% zu, weil auch ehemals unrentable Goldminen wieder eröffnet werden. Allerdings ging die Produktion von recyceltem Gold um 6% zurück.

Das bedeutet:
  • Der Goldpreis, vor allem im letzten Jahr, ist deutlich gestiegen, obwohl das Angebot die Nachfrage übertroffen hat.
  • Für 2011 gilt dies nicht mehr, der Goldpreis entwickelt sich moderat aufwärts, aber die Nachfrage schafft bisher einen deutlichen Überhang gegenüber dem Angebot.
  • Es gibt zwei wesentliche Treiber des Goldpreises, beide kommen aus dem Investmentbereich und haben mit der Realwirtschaft nichts zu tun – Nachfrage durch die ETF´s und Nachfrage nach physischem Gold in Form von Münzen und Barren.

Die Industrienachfrage aus dem Technologiesektor müsste, wenn Japan wieder bei einer 100%igen Produktion im Chipsektor angekommen ist, auch wieder deutlich steigen.

Zusammenfassend steht eine realwirtschaftliche Nachfrage von 670,7 Tonnen im ersten Quartal einem Angebot von 872,2 Tonnen gegenüber. Selbst bei einem Wachstum von jährlich 7% in der Schmuck- und Technologieindustrie, wird es noch einige Zeit benötigen, die Nachfrage auf das Niveau der Goldproduktion zu bringen. Die weitere Prognose für den Goldpreis leitet sich also weniger aus der Realwirtschaft ab, sondern wie in vielen Bereichen mittlerweile, aus dem Verhalten der Investmentbranche. Deshalb sollte man Gold auch getrennt von anderen Metallen analysieren, da es ausdrücklich kein Industriemetall im klassischen Sinne ist.

Die Schlussfolgerungen sind leicht zu ziehen und hängen von zwei wesentlichen Faktoren ab:
  • Erstens:  Schafft es die Investmentbranche, die Nachfrage bei den Anlegern für Gold hoch zu halten, werden die Preise weiter steigen.
  • Zweitens: Gelingt es der Politik, die Schuldenmisere glaubhaft in den Griff zu bekommen, wird der Krisenbonus aus den aktuellen Bewertungen herausgehen und der Preis für Gold wird fallen.

Natürlich können Sie sich selbst ihr Urteil über das wahrscheinlichste Szenario bilden, für mich ist es klar – die Investmentbranche wird Gold bei den Anlegern weiterhin im Fokus halten und die Politik ist aktuell kurz davor, durch mangelhafte Kommunikation, das letzte Vertrauen zu verspielen.

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