Bitcoin-schürfende Rechner Foto: IMAGO / Panthermedia

Über die Geschichte vom neuen Gold

„Gold durch Bitcoin ersetzen? Keine gute Idee!“

Ist der Krypto-König tatsächlich das bessere Gold?

Die sogenannten Krypto-Währungen ziehen derzeit die Aufmerksamkeit vieler Anleger auf sich. Vor allem der Bitcoin macht von sich reden. Kein Wunder: Der Primus unter den Kryptos hat soeben die Marke von 50.000 Dollar erobert – das ist eine Vervierfachung in nur sechs Monaten! Die Kursexplosion sorgt nicht nur für wilde Träume von Reichtum und knallenden Champagnerkorken. Immer öfter hören wir auch das Argument, der Bitcoin sei das bessere Gold. Warum also nicht Gold verkaufen und stattdessen digitale Währungen ins Depot holen?

Mancher Bitcoin-Fan übersieht wichtige Fakten

Die Begründung derer, die Bitcoins für das bessere Gold halten, läuft etwa so: Der Krypto-König schützt als alternative Währung ebenso gut wie Gold vor der Abwertung von Euro und Dollar, die mit den ungebremst wachsenden Geldmengen verbunden ist. Im Gegensatz zum Edelmetall aber wird das Angebot beim Bitcoin irgendwann gegen null gehen. Wenn der Bitcoin noch knapper ist als Gold, dann sei es doch nur logisch, dass er für den Schutz des Vermögens besser geeignet sei als das Metall. Nicht selten folgt der Hinweis, dass Gold schon seit Monaten schwächelt. Doch was schlüssig klingt, hat eine Reihe von Haken.

Haken Nr. 1: Gold ist vielseitiger als Kryptos

Es gibt weitaus mehr Gründe beziehungsweise Anlässe, warum Gold nachgefragt wird, als beim Bitcoin. Ein Drittel der Goldnachfrage entfällt auf den Schmucksektor, 7 Prozent auf den technischen Bereich, so das World Gold Council. Zu diesen 40 Prozent kommen weitere gut 40 Prozent Nachfrage durch Millionen von Investoren weltweit. Die verbleibenden 17 Prozent gehen auf das Konto der Notenbanken. Im Unterschied dazu wird der Bitcoin fast nur zu Investment-Zwecken gekauft, wobei es sich eher um Trader handeln dürfte. Folge: Der Preis für Gold entwickelt sich deutlich stabiler als der Kurs von Bitcoin & Co.

Haken Nr. 2: Es werden mehr Bitcoins als Gold geschürft

Das Argument, dass angeblich weniger Bitcoins als Gold geschürft werden, stimmt für dieses Jahrhundert wohl nicht. Der Goldbestand wächst seit rund 20 Jahren mit einer Rate von 1,7 Prozent im Jahr. Demgegenüber legt das Bitcoin-Mining derzeit jährlich um 3 Prozent zu. Erst im Jahr 2140 werden keine Bitcoins mehr geschürft. Zudem: Wer weiß denn, welche digitalen Währungen sich auf lange Sicht durchsetzen werden? Aktuell soll es an die 10.000 Krypto-Währungen geben, aber nur die allerwenigsten werden sich als Zahlungsmittel oder als Wertspeicher durchsetzen. Gold indes ist in dieser Hinsicht seit 2.000 Jahren anerkannt.

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