Internationaler Vergleich Diese Länder haben das beste Rentensystem

Platz 10: Chile

Chile | © Pixabay

Steinstatuen, Moai genannt, auf den zu Chile gehörenden Osterinseln: Mit 68,7 Punkten liegt das Land auf Rang 10 im Melbourne Mercer Global Pension Index. © Pixabay

Regelrentenalter 65 Jahre
Tatsächliches Rentenalter 71,3 Jahre (Männer)
67,7 Jahre (Frauen)
Netto-Rentenquote („Nettoersatzquote“)
bei Durchschnittsverdienern
40,1 Prozent (Männer)
36,3 Prozent (Frauen)
Stand: 2016 Quelle: OECD

Deutschlands Rentensystem im Vergleich

Wie schneidet Deutschlands Rentensystem im internationalen Vergleich ab? Die Unternehmensberatung Mercer hat weltweit die Altersvorsorge in 37 Ländern verglichen. Im Ranking erhalten nur zwei Rentensysteme eine sehr gute Bewertung. Deutschland liegt im Melbourne Mercer Global Pension Index (MMGPI) auf Rang 13.

Insbesondere bei der Nachhaltigkeit – im Index gleichbedeutend damit, ob ein Rentensystem auch in Zukunft aufrecht erhalten werden kann – besteht Nachholbedarf. Hier liegt Deutschland unter dem Durchschnitt. Gestärkt werden müsse die betriebliche Altervorsorge, so die Empfehlung der Beratungsgesellschaft. Zudem solle Deutschland die Mindestrenten für Niedriglohnempfänger anheben, heißt es weiter. Das soll nun teilweise mit der geplanten Grundrente geschehen, die die Große Koalition beschlossen hat.

Insgesamt sei es wichtig, dass staatliche Rente und Rentenalter im Einklang stehen mit der steigenden Lebenserwartung der Bevölkerung, urteilt Deep Kapur, Direktor des Monash Centre for Financial Studies und Co-Autor der Studie. Einige Regierungen hätten diesen Schritt bereits unternommen. „Nur so können die Kosten für öffentlich finanzierte Rentenleistungen gesenkt werden“, so Kapur weiter.

Kontroverse um Vorschlag der Bundesbank 

Ähnlich argumentiert die Bundesbank, die jüngst vorgeschlagen hat, das Rentenalter in Deutschland bis 2070 auf 70 Jahre anzuheben. Die umlagefinanzierte Altersvorsorge gerate ab Mitte der 2020er Jahre unter erheblichen Druck, heißt es in der Begründung. Die Mehrheit der Bürger hierzulande spricht sich allerdings gegen eine Rente mit 70 aus.

Besser schneidet Deutschland bei den Kriterien Angemessenheit und Integrität ab, die sich etwa auf das System an sich, Steuern sowie Regulierung und Kommunikation beziehen. In der Gesamtbewertung erreicht Deutschland 66,1 Punkte.

Wie machen es die Länder mit Bestnoten?

Am besten auf die Herausforderungen einer älter werdenden Bevölkerung vorbereitet, sind laut dem Index die Niederlande (81 Punkte) und Dänemark (80,3 Punkte). Was machen die Länder besser?

  • Dänemarks Rentensystem besteht aus mehreren Pfeilern. Die Volkspension, die vom Staat hauptsächlich über Steuern finanziert wird, erhält jeder Bürger in gleicher Höhe. Der Grundbetrag liegt laut der Europäischen Kommission bei 6.327 Dänischen Kronen (847 Euro). Alleinstehende erhalten noch einmal eine Zulage in ähnlicher Höhe, bei Rentnern, die mit einem Partner zusammenleben, beträgt die Zulage etwa die Hälfte. Um den Höchstsatz zu erhalten, müssen Bürger seit ihrem 15. Lebensjahr mindestens 40 Jahre in Dänemark verbracht haben.

    Weitere Pfeiler sind die betriebliche Altersvorsorge, die ab einem bestimmten Einkommen verpflichtend ist sowie private Versicherungen, die Steuervorteile mit sich bringen. Laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die regelmäßig Daten zu Rentensystemen erhebt, erhalten Dänen mit durchschnittlichem Einkommen im Schnitt eine Netto-Rente in Höhe von 80 Prozent ihres letzten Einkommens. Eine Rente mit 70 könnte in Dänemark durchaus kommen. Das Land hebt das Renteneintrittsalter schrittweise auf mindestens 68 Jahre an.
  • In den Niederlanden, im Index ganz vorn, erhält jeder Bürger vom Staat eine Basisrente, auch wenn er nie Geld in die Rentenkassen eingezahlt hat. Der Staat finanziert diese Rente aus Sozialabgaben der Arbeitnehmer sowie teilweise aus Steuereinnahmen. Der Mindestbeitrag liegt bei 1.200 Euro brutto. Eine Bedürfigkeitsprüfung gibt es nicht. Für jedes Jahr, das sie in den Niederlanden wohnen oder arbeiten, bauen Bürger einen Anspruch von 2 Prozent auf. Den vollen Satz gibt es folglich nach 50 Jahren. 

    Arbeitnehmer können als zweite Säule eine Zusatzrente aufbauen. Der Europäischen Kommission zufolge bieten etwa 90 Prozent der Arbeitgeber diese Möglichkeit an. Darüber hinaus gibt es private Vorsorgeangebote. In den Niederlanden liegt die Nettoersatzquote, wie die Kennzahl zur Höhe der Rente nach Steuern genannt wird, bei mittleren Einkommen sogar bei 100,6 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland sind es knapp 51 Prozent. Ohne die Anhebung des Renteneintrittsalters geht es aber auch in den Niederlanden nicht: Bis zum Jahr 2022 steigt es auf 67 Jahre und 3 Monate.