Interview mit Dag Rodewald, UBS ETF „Das Interesse an Rohstoffen ist wieder aufgeflammt“

Dag Rodewald, Leiter Passive & ETF Specialist Sales Deutschland & Österreich bei UBS: „Das Interesse an Rohstoffen ist wieder aufgeflammt“

Dag Rodewald, Leiter Passive & ETF Specialist Sales Deutschland & Österreich bei UBS: „Das Interesse an Rohstoffen ist wieder aufgeflammt“

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DASINVESTMENT.com: Rohstoffe fristeten mehrere Jahre ein Schattendasein. Feiern sie jetzt ein Comeback in den Anlegerportfolios?

Dag Rodewald: Zu Beginn des Jahres ist wieder ein starkes Interesse an Rohstoffinvestments aufgeflammt. Wir hatten in diesem Jahr gute Zuflüsse in unseren Rohstoff-ETFs, vor allem in der ersten Jahreshälfte.

Was hat das Interesse geschürt?

Rodewald: Viele Rohstoffpreise haben sich stabilisiert oder sind gestiegen. Die Erwartung, dass das globale Wirtschaftswachstum wieder anzieht, steigert die Attraktivität von Rohstoffen. Zudem bieten sich Rohstoffe zur Portfoliodiversifizierung an. Sie zeichnen sich häufig durch niedrige Korrelationen mit den breiten Aktien- und Anleihemärkten aus.

Es gibt eine ganze Reihe an Rohstoffindizes, wo sind die Hauptunterschiede?

Rodewald: Es gibt zwei wesentliche Ansätze bei den Indizes: zum einen die Standardindizes, zum anderen die rolloptimierten Ansätze. Da kein Investor gefrorenen Orangensaft oder Ölfässer lagern möchte, erfolgt eine Investition in Rohstoffe über Futures. Diese müssen spätestens direkt vor Fälligkeit verkauft werden und für das Geld daraus, muss ein neuer Terminkontrakt gekauft werden. Aus diesem Rollen der Futures entstehen Rollgewinne oder -verluste. Standardindizes rollen die Futures einmal im Monat zum festen Termin. Auslaufende Futures werden automatisch in die nächstfälligen Kontrakte gerollt. Und wenn diese mehr kosten als die alten einbringen, entsteht ein Rollverlust. So können Anleger trotz steigender Rohstoffpreise insgesamt einen Verlust einfahren.

Was machen rolloptimierte Indizes besser?

Rodewald: In den vergangenen Jahren sind immer mehr Rohstoffe in dieser für Investoren ungünstigen Situation, dass beim automatischen monatlichen Rollen Verluste entstehen. Daher wurden optimierte Indizes entwickelt, die andere Rolltechniken nutzen und die Verluste beim Futures-Wechsel reduzieren sollen. Zum Beispiel kann ein Rohstoff über mehrere Futures mit unterschiedlichen Laufzeiten abgebildet werden und auch zu mehreren Zeitpunkten gerollt werden. Wir haben uns für unsere ETFs für einen Constant-Maturity-Ansatz entschieden.

Wie funktioniert der?

Rodewald: Hier wird nicht einmal im Monat gerollt, sondern es werden täglich Teile von Futures ge- und verkauft. Um die Restlaufzeit konstant zu halten, ist klar definiert, wie viele Futures pro Rohstoff gerollt werden. Im Energiebereich etwa setzt der Index auf jeweils fünf Futures mit unterschiedlichen Laufzeiten von drei Monaten bis drei Jahren. Bei anderen Rohstoffen sind es weniger. Das hängt auch von der Liquidität der jeweiligen Futures ab. Werden sie zu selten gehandelt, sind die Handelskosten meist zu hoch. Mittlerweile bieten wir drei ETFs mit dieser Rolltechnik an, die es mit unterschiedlicher Währungsabsicherung gibt.

Wie unterscheiden sich die drei ETFs?

Rodewald: Unser ältestes Produkt mit Rolloptimierung ist der UBS ETF CMCI Composite SF UCITS ETF. Der börsennotierte Fonds bildet den UBS Bloomberg CMCI Composite Index ab. Die Gewichtung der einzelnen Rohstoffe soll ihre ökonomische Wichtigkeit widerspiegeln. Energie, Agrarrohstoffe und Industriemetalle sind daher deutlich stärker gewichtet als Edelmetalle, die nur rund sechs Prozent des Index ausmachen. Anfang 2016 haben wir einen weiteren ETF auf den Index lanciert, allerdings ohne Agrarrohstoffe und Lebendvieh. Hier machen Edelmetalle knapp zwölf Prozent aus, Energie und Industriemetalle bestreiten zu fast gleichen Teilen den Rest. Anleger haben hier einen doppelten Vorteil: Rolloptimierung und Ausschluss von Agrarrohstoffen, die für viele Kunden ein No-Go sind.

Und der dritte Fonds?

Rodewald: Den UBS ETF Bloomberg Commodity CMCI SF UCITS ETF haben wir erst im Mai 2017 gestartet. Er bildet die um einen Constant-Maturity-Ansatz ergänzte Variante des Bloomberg Commodity Index ab. Hier spielen Edelmetalle eine größere Rolle als beim CMCI Composite. Dafür haben vor allem die Industriemetalle im Vergleich zum CMCI Composite einen geringeren Anteil. Der Bloomberg Commodity Index, kurz BCOM, zählt zu den Klassikern der Rohstoffindizes und wurde bereits 1998 unter dem Namen Dow Jones-AIG Commodity Index aufgelegt. Bei sehr vielen institutionellen Kunden hat er sich als Benchmark für Rohstoffe etabliert. Setzen sie auf einen anderen Rohstoffindex mit abweichenden Gewichtungsschwerpunkten, sind Performance-Unterschiede oft mit hohem Erklärungsbedarf für sie verbunden. Jetzt bieten wir den institutionellen Kunden die Möglichkeit, in die klassische Benchmark rolloptimiert per ETF zu investieren.