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Jerome Powell bei seiner Amtseinführung als Chef der US-Notenbank. Anleger haben sich in den vergangenen Jahren stark auf die Niedrigzinspolitik der Notenbanken verlassen, sagt Reinhard Pfingsten von der Bethmann Bank. | © Getty Images Foto: Getty Images

Investmentchef der Bethmann Bank

„Aktien untergewichten, aber bitte nicht alles in die Kasse“

Reinhard Pfingsten

Die Zinssenkungen der amerikanischen Notenbank dürften mittlerweile weitgehend eingepreist sein. Im Konsens erwarten die Marktteilnehmer ein Abschmelzen um insgesamt 50 bis 75 Basispunkte, wobei 50 Basispunkte das deutlich wahrscheinlichere Szenario sind. Nach dem ersten Zinsschritt Ende Juli hält die Fed also nicht mehr viel Pulver trocken, um die Märkte noch weiter zu unterstützen. Grundsätzlich hat sich schon in zurückliegenden Zyklen gezeigt, dass die US-Notenbank sowieso nicht alles heilen kann.

Damit dürften langsam, aber sicher die Konjunkturaussichten wieder verstärkt in das Blickfeld der Anleger geraten. Vor allem im verarbeitenden Gewerbe ist bereits eine spürbare Abschwächung zu erkennen. Die gesunkenen Renditen zehnjähriger Staatsanleihen in den USA und die negative Verzinsung deutscher Bundesanleihen mit derselben Laufzeit weisen bereits auf Rezessionsgefahren hin. Der Konsum ist mittlerweile der letzte Anker, der das Wirtschaftswachstum noch unterstützt. Die Unternehmensanalysten haben bereits ihre Gewinnerwartungen gesenkt, was die gegenwärtigen KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis)-Bewertungen zunehmend infrage stellt.

Und eine Besserung ist kaum in Sicht. Vor allem der drohende Handelskrieg der USA mit China und Europa belastet die Investitionen. Welcher Unternehmer baut sein Geschäft aus, wenn er noch gar nicht absehen kann, mit welchen Zöllen er bei seinen Exporten rechnen muss?

Keine schnelle Lösung

Das Thema Handelsstreit wird uns wohl noch länger beschäftigen. Denn US-Präsident Donald Trump zeigt bislang wenig Bereitschaft, in dem Konflikt nachzugeben. Für ihn gibt es dafür wohl auch kaum einen Grund. Zum einen sitzen die USA im Vergleich zu China, aber auch zu Europa am längeren Hebel - dem Handelsdefizit sei Dank. Zum anderen befinden sich die Vereinigten Staaten zunehmend im Wahlkampfmodus. Da ist es für Trump nur von Vorteil, sich als harter Verhandler zu präsentieren.

Derzeit sieht es sogar fast eher nach einer Eskalation des Konflikts aus - das gilt zumindest für den Streit zwischen den USA und China. Nachdem Trump Strafzölle auf weitere Importe aus der Volksrepublik in einem Volumen von 300 Milliarden Dollar angedroht hat, hat Peking mit der Abwertung seiner Währung gewissermaßen als Vorsichtsmaßnahme reagiert. Der Renminbi fiel auf den niedrigsten Stand der zurückliegenden zehn Jahre. Außerdem kündigte China an, künftig weniger Agrarprodukte aus den USA zu kaufen. Das trifft vor allem die Anhänger von Trump. Die Eskalation des Handelsstreits wird die Stimmungsindikatoren wahrscheinlich weiter schädigen.

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