Megatrend Robotik Roboter erobern die OPs

OP mit da-Vinci-System: Chirurgen entfernen einen Tumor mit Hilfe des Roboters | © Getty Images

OP mit da-Vinci-System: Chirurgen entfernen einen Tumor mit Hilfe des Roboters Foto: Getty Images

Walter Liebe, Investments-Stratege bei Pictet Asset Management

Die 1980er Jahre brachten große Veränderungen in der Chirurgie. Die minimalinvasiven Operationen nahmen ihren Anfang. Bei vielen Operationen reichen heute kleine Schnitte. Der Patient verliert weniger Blut, die Genesungszeit verkürzt sich. Es gibt jedoch auch Nachteile gegenüber der traditionellen offenen Operation: Das Sichtfeld der in den Körper eingeführten Kamera ist relativ eng, die langstieligen Instrumente sind unhandlich und in den Bewegungen eingeschränkt.

Jetzt hat die nächste Revolution die Operationssäle erreicht. Roboter halten Einzug und lassen die bisherigen Nachteile laparoskopischer Eingriffe mit starren Endoskopen verschwinden. Schon in den 1990ern gab es erste Versuche mit dem Einsatz von Roboterarmen in der Chirurgie, die Systeme waren jedoch nicht alle optimal entwickelt. Es wurde weiter geforscht und nachgebessert, so dass heute die Vorteile der Operationsroboter gegenüber klassischen minimalinvasiven Eingriffen und der offenen Operation klar erkennbar sind.

Da Vinci hilft bei der OP

So ermöglicht beispielsweise das Robotersystem da Vinci dem Operateur eine stereoskopische Sicht über zwei Kameras, und die kleinen chirurgischen Instrumente an den vier Armen des Roboters sind flexibler als die menschliche Hand. Entscheidungen treffen die Roboter allerdings nicht, sie führen nur aus, sind sozusagen die verlängerten Arme des menschlichen Arztes. Dieser sitzt neben dem Operationstisch an einer Konsole und steuert die Instrumente per Joystick. Dabei beobachtet er sein Tun auf einem Bildschirm, vergrößert und in 3D. Die Roboter-Chirurgie ist also genaugenommen eine robotergestützte Chirurgie.

Das da-Vinci System stammt aus dem kalifornischen, börsennotierten Unternehmen Intuitive Surgical und hat den Markt für Operationsroboter mit ins Rollen gebracht. Heute ist es das dominierende System für Operationen an menschlichem Weichgewebe. Mittlerweile haben aber auch andere Gesellschaften das Potenzial des Markts erkannt und wollen sich ein Stück vom wachsenden Kuchen sichern. Ende 2017 „arbeiteten“ rund 4.400 da-Vinci Roboter in den Krankenhäusern weltweit. Etwa zwei Drittel davon werden in den USA eingesetzt. Die Zahl der mithilfe von Robotern erfolgten Eingriffe ist über die vergangenen zwei Jahrzehnte um durchschnittlich rund 15 Prozent pro Jahr gewachsen. Das Research-Haus Allied Market Research schätzt, dass der Markt für robotergestützte chirurgische Systeme sich von 2014 bis Ende dieses Jahrzehnts auf 6 Milliarden Dollar verdoppelt.

Innovationen stärken die Nachfrage

Die Nachfrage dürfte weiter steigen, da Ärzte mit den Systemen vertrauter werden und weitere Innovationen die Roboter verbessern. Dazu zählen beispielsweise kleine schlangenähnliche Instrumente, die in schmalen Röhren verpackt durch natürliche Körperöffnungen eingeführt werden, um Ziele tief im Körper anzusteuern. Da Vinci hat in eine Röhre mit nur 12 Millimeter Durchmesser drei Instrumente plus eine Kamera gequetscht, die alle unabhängig voneinander gesteuert werden können. Eine weitere Verbesserung ist ein Zwei-Konsolen-Modell. So können Chirurg und Organspezialisten zeitgleich operieren. Bislang mussten sie sich abwechseln.

Auch Virtual-Reality-Systeme werden entwickelt, um den ausführenden Arzt zu unterstützen und um Dissektionen mit größerer Präzision vorzubereiten, so dass etwa bei einer Krebsoperation das angegriffene Gewebe so genau wie möglich entfernt werden kann.

Eine Schwachstelle der Operationen mithilfe von Robotern ist bislang die fehlende Haptik. Der Arzt kann von der Konsole aus nicht fühlen, wie widerstandsfähig das Gewebe zum Beispiel ist. Roboterentwickler sind aber bereits dabei, hier Abhilfe zu schaffen. Ein größeres Hindernis für ein rasanteres Wachstum sind die Kosten. Anschaffung, Wartung und Nutzung der Instrumente erfordern heute noch erkleckliche Summen. Die Kosten dürften jedoch mit dem zunehmenden Wettbewerb und der weiteren Verbreitung von Operationsrobotern sinken – denn da herrscht weitgehend Einigkeit: die Roboter werden die OPs so schnell nicht wieder verlassen.

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