Junge Menschen Foto: Pexels / Helena Lopes

Vermögensverwalter raten

Neuanleger sollten diese zwei Risikoparameter beachten

Dieter Helmle (li.) und Gaston Michel, Foto: Source For Alpha

Eigentlich ein Grund zur Freude: Nach jahrelanger Lethargie nimmt das Interesse an den Aktienmärkten in Deutschland wieder zu. Dies zeigt die rapide gestiegene Zahl an Aktionären in den vergangenen Monaten. Dem Statista Research Department zufolge ist die Anzahl der deutschen Aktionäre sprunghaft auf 5,33 Millionen gestiegen, den höchsten Stand seit 2001.

Besonders auffällig ist, dass sich gemäß einer Studie der „Aktion pro Aktie“ vor allem der Anteil junger Aktionäre erhöhte: So wuchs der Anteil der Aktienbesitzer in der Gruppe der unter 25-Jährigen um 13 Prozentpunkte auf 39 Prozent. Besonders ausgeprägt ist in dieser Altersgruppe das Interesse an Unternehmen, die dem Segment der Wachstumswerte (Growth-Aktien) zuzuordnen sind. Viele dieser Firmen stammen aus Geschäftsfeldern im Zusammenhang mit Technologien und Digitalisierung.

Im Gegensatz dazu horten breite Bevölkerungsschichten im fortgeschrittenen Alter hohe Anlagebeträge dauerhaft auf Konten, für die sie keine Verzinsung erhalten oder gar mit einem negativen Zins belastet werden. Offenbar sind vielen Vermögenden aus dieser Altersgruppe noch die Erfahrungen nach der Jahrtausendwende in Erinnerung, als die Dotcom-Blase platzte. Aus dieser Erfahrung heraus meinen sie zu wissen, dass Aktien als Vermögensanlage viel zu riskant seien.

Längerer Anlagehorizont steigert Renditechancen

Dabei ist das Risiko von Aktienanlagen berechenbar. Denn mathematisch und empirisch ist es eine Funktion von zwei wesentlichen Parametern: erstens der Anlagedauer beziehungsweise des Anlagehorizontes und zweitens der Aktienmarktbewertung. Wie die Anlagedauer das Ergebnis einer Aktienanlage prägt, zeigt exemplarisch der Deutsche Aktienindex Dax 30 (siehe Grafik): Kurzfristige Anlagen sind einer recht hohen Zufallswahrscheinlichkeit ausgesetzt – dahingehend, ob sie ein erratisch positives oder negatives Ergebnis erzielen. Mit längerer Anlagedauer gerät dieser Zufallseinfluss zunehmend in den Hintergrund. Gleichzeitig gewinnt der Ertragsfaktor durch die Teilhabe am wirtschaftlichen Produktivkapital immer mehr an Bedeutung.  


Wertentwicklung des Dax 30 seit 1959 bei unterschiedlicher Anlagedauer (schlechteste und beste Periode)

Quelle: Source For Alpha

 

Die Aktienmarktbewertung ist ebenfalls nicht zu vernachlässigen. Die objektiv „richtige“ Bewertung von Vermögenswerten ist sicher anspruchsvoll. Klassische Kriterien wie das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis liefern zumindest Hinweise. Allerdings ist zu beachten: Eine hohe Bewertung anhand klassischer Bewertungskennziffern muss für ein einzelnes Unternehmen aus unternehmensspezifischen Gründen nicht unbedingt ein erhöhtes Verlustrisiko bedeuten. Die hohe Bewertung einer ganzen Branche, eines Segmentes oder einer Region ist indes kritischer zu sehen.

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