Ärzte bei der Arbeit: Ohne Privatpatienten wäre die medizinische Versorgung auf dem Land gefährdet, meint der PKV-Verband. | © Pexels

PKV-Verband

„Ohne Privatpatienten wäre die medizinische Versorgung auf dem Land gefährdet“

Derzeit dürfen niedergelassene Ärzte für die Behandlung eines Privatpatienten mehr berechnen als für einen gesetzlich Versicherten. Einige Politiker wollen diesen Zustand abschaffen und die Vergütung vereinheitlichen.

Das wäre fatal für die medizinische Versorgung auf dem Land, warnt der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV-Verband). Denn die Privatversicherten trugen gerade auch in ländlichen Regionen überproportional zum Einkommen und damit zum Fortbestand der Arztpraxen bei.

Dabei beruft sich der Verband auf die Daten aus dem neuen PKV-Regionalatlas Hessen. Der Regionalatlas schlüsselt die zusätzlichen Einnahmen der Arztpraxen durch den Anteil der Privatversicherten nach Städten und Landkreisen auf.

Hoher Mehrumsatz durch Privatpatienten auf dem Land

Bundesweit beträgt der Mehrumsatz 12,9 Milliarden Euro pro Jahr, auf Hessen entfallen 920 Millionen Euro. Das kommt – anders als oft vermutet – vor allem den Ärzten auf dem Land zu Gute. „Weil Privatpatienten auf dem Land im Schnitt älter sind und weil in den Ballungszentren Mieten, Gehälter und andere Kosten höher liegen, ist der Mehrumsatz auf dem Land besonders wertvoll“, schreibt der Verband.

„Die Regionaldaten widerlegen die These, dass sich Ärzte angeblich seltener in ländlichen Regionen niederlassen, weil es dort weniger Privatversicherte gibt“, erklärt Florian Reuther, Direktor des PKV-Verbands.

Davon abgesehen fand der Verband bei einer früheren Studie heraus, dass für 83,6 Prozent der Ärzte die Zahl der Privatversicherten bei der Standortwahl überhaupt keine Rolle spielt. Vielmehr achten die Mediziner bei einer Praxis-Übernahme auf die Entfernung zum Wohnort, Berufschancen für die Partnerin oder den Partner und Bildungsumfeld für die Kinder. 

Eine Vereinheitlichung der Vergütungssysteme von Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung, wie sie etwa die SPD anstrebt, würde keineswegs zu einer besseren Verteilung der Ärzte in Deutschland führen, meint Reuther. „Wer die Mehrumsätze der Privatpatienten streicht, gefährdet die medizinische Versorgung durch niedergelassene Ärzte auf dem Land stärker als in den Städten“.

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