Der Wirtschaftseinbruch im Zuge der Corona-Pandemie biete gute Einstiegsgelegenheiten in den Kapitalmarkt, sagt Johannes Sczepan von Plansecur. | © imago images / ZUMA Wire Foto: imago images / ZUMA Wire

Plansecur-Chef im Interview

„So können Altersvorsorge-Sparer in die Geldanlage einsteigen“

Johannes Sczepan
Foto: Plansecur

DAS INVESTMENT: Im Zuge der Corona-Epidemie sind Märkte stark eingebrochen. Heißt das für alle Anleger, die am Kapitalmarkt investiert waren, jetzt einfach „Augen zu und durch“?

Johannes Sczepan: Wer im letzten Jahr gut angelegt hat, kann von Januar 2019 bis heute, trotz Corona Krise, auf einen Verlust von nur 0 und minus 7 Prozent zurückblicken. Einigen wenigen Topverwaltern sind sogar über diese Zeitspanne hinweg positive Renditen gelungen. „Augen zu und durch“? – auf keinen Fall. Denn gerade jetzt gilt es, das Portfolio unter neuen Vorzeichen zu überprüfen. Es gibt Branchen, die bisher gut performt haben, aber nach der Krise vielleicht ganz anders aussehen könnten, nehmen Sie beispielsweise den Flugzeugbau. Andere Segmente wie Online-Kommunikation stehen möglicherweise vor einem langfristigen Höhenflug. Es lohnt sich also gerade jetzt, die Frage zu stellen: Ist mein Investment noch sinnvoll? Und wenn die Antwort ein eindeutiges Nein ist, zu verkaufen, sogar mit Verlusten. Im Übrigen gilt wie stets in der Krise: Gelassenheit ist guter Ratgeber.

Von welchen Investments sollten sich Anleger jetzt lieber trennen?

Sczepan: Wir gehen davon aus, dass einige Zykliker nicht durch die Krise kommen und auch, dass einige Branchen, wie schon erwähnt, die Luftfahrt und der Tourismus auf Dauer Schaden nehmen werden.

Aktuell lassen sich gegensätzliche Signale vernehmen: Einerseits gehen die deutschen Wirtschaftsweisen zum Beispiel von einer mehrere Quartale anhaltenden Rezession aus. Andererseits berichten Depotbanken über eine ganze Flut von Depoteröffnungen, viele Menschen wollen offenbar eine Chance ergreifen. Wie beurteilen Sie das Anlegerinteresse aus Ihrer Praxis?

Sczepan: Zunächst einmal ist festzustellen, dass wir heute offensichtlich eine andere Situation als 2001 oder 2008 haben. Im Unterschied zu damals sind unsere Kunden in der Regel nicht panisch, sondern sehen ganz im Gegenteil die Chancen und wollen tendenziell mehr investieren. Den meisten unserer Kunden ist klar, dass eine Anlage im Unterschied zum Sparkonto Schwankungen nach oben und unten unterliegt. Hier zahlt sich auch ein Stück gewachsene Anlagekultur in Deutschland aus. Im Übrigen ist den meisten Anlegern klar, dass die Zinswelt nach Corona nicht besser aussehen wird als vorher. Die Pandemie schreibt die Null- und Minuszinsentwicklung eher noch weiter fort. Es gibt also für eine vernünftige Anlagestrategie wenig Alternativen zu aktienorientierten Investments.

Ist das ein guter Einstiegszeitpunkt für alle Verbraucher, die sich am Kapitalmarkt bislang zurückgehalten haben?

Sczepan: Auf keinen Fall sollten Privatverbraucher ohne Investment-Erfahrungen jetzt beginnen, wahllos in die Börse einzusteigen. Wer unerfahren ist, sollte sich gemeinsam mit einem Berater seines Vertrauens eine kluge Anlagestrategie überlegen, die natürlich die derzeitigen Chancen nutzen sollte. Zunächst sollte jeder Anleger auch über ausreichend Cash verfügen, bevor er investiert. Ist diese „Wohlfühlliquidität“ nicht gegeben, und das sollte über die Notfallreserve hinaus durchaus ein größerer Betrag sein, ist es ratsam, die Finger vom Investieren zu lassen. Liegen aber diese Voraussetzungen vor, ist es sehr zu empfehlen, diesen liquiden Überschuss in der jetzigen Marktphase für Investitionen einzusetzen.

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